Marktplatzplaudereien

Stress macht mürrisch

Politiker sind auch nur Menschen. In unseren Marktplatzplaudereien greifen wir die kleinen, bunten Geschichten aus dem Politik- und Behördenalltag auf – Randnotizen, die für den Papierkorb zu schade sind.
07.11.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Stress macht mürrisch
Von Jürgen Theiner

Aufgelaufen

Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hat es nicht leicht dieser Tage. Der städtische Ordnungsdienst, der in seiner Behörde angesiedelt ist, muss coronabedingt zusätzliche Aufgaben schultern. Überall gibt es etwas zu kontrollieren: von der Maskenpflicht über die Einhaltung von Quarantäne bis zur Hygiene in Gewerbebetrieben. In seiner Not bat Mäurer die anderen Senatsressorts schriftlich um Abstellung von Personal, mit dem der Ordnungsdienst verstärkt werden soll. Wobei – „bat“ ist eigentlich nicht das richtige Wort. Die Vorlage für die Senatssitzung am vergangenen Dienstag war fast schon im Befehlston gehalten. „Da Freiwilligkeit bislang nicht zu einer gewünschten Verstärkung geführt hat, sollen alle Dienststellen verpflichtend aufgefordert werden, dem Ordnungsamt befristet Personal zur Verfügung zu stellen“, hieß es in dem Papier unter anderem. Einige von Mäurers Kabinettskollegen empfanden das als übergriffig. Sie ließen den Innensenator auflaufen – die Vorlage gelangte gar nicht erst auf die Tagesordnung der Senatssitzung.

Aufgewacht

Der Haushalts- und Finanzausschuss der Bürgerschaft fing früh an am Freitagmorgen. Einen Tick zu früh vielleicht für den Ausschussvorsitzenden Jens Eckhoff (CDU), der noch nicht ganz auf der Höhe des Geschehens war, als er zwei per Videokonferenz zugeschaltete Gutachter willkommen hieß. Herzlich begrüßte er unter anderem „Professor Stefan Korioth von der Ludwig-Maximilians-Universität Bremen“. Huch! Eckhoff entschuldigte sich in aller Form für den kleinen Versprecher und goss sich rasch eine zweite Tasse Kaffee zum Wachwerden ein.

Abgeseilt

Die Spatzen pfiffen es bereits von den Dächern, jetzt steht es auch in einer Vorlage für die Bildungsdeputation: Die Bildungsbehörde legt sich einen zusätzlichen Standort zu. Das Ressort von Senatorin Claudia Bogedan (SPD) mietet für rund 120000 Euro pro Jahr Flächen in einem Gebäude am Herdentorsteinweg an. Begründet wird der Schritt mit größerem Platzbedarf wegen zusätzlicher Aufgaben. Was nicht in der Vorlage steht: Es ist ausgerechnet die Behördenspitze, die sich aus dem bisherigen Dienstgebäude am nahen Rembertiring abseilt. Dort wird das in der Belegschaft teils kritisch gesehen. Die Senatorin wolle sich wohl auch räumlich dem kritischen Dialog entziehen, wird geunkt. Keineswegs, dementiert Sprecherin Annette Kemp. Nur seien eben nicht alle Referate gleichermaßen für einen Umzug geeignet.

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