Marktplatzplaudereien

Schwarzer Kuschelkurs

Politiker sind auch nur Menschen. In unseren Marktplatzplaudereien greifen wir die kleinen, bunten Geschichten aus dem Politik- und Behördenalltag auf – Randnotizen, die für den Papierkorb zu schade sind.
21.11.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Schwarzer Kuschelkurs
Von Nina Willborn

Selbst-Beschenkung

Ein etwas löcheriges Langzeitgedächtnis hat Vorteile. So kann man sich ab und zu selbst überraschen und sich etwa über zehn Euro freuen, die man auf dem Weihnachtsmarkt 2019 in die Winterjacke gesteckt hatte und ein Jahr später wiederentdeckt. Diese Logik zugrunde gelegt, erklärt sich auch die Freude von Volker Stahmann, der neulich die Ehrenurkunde für 40 Jahre Treue zur Bremer IG Metall im Briefkasten fand. „Die IG Metall hat mich trotz Pandemie nicht vergessen“, lobte der SPD-Politiker auf Facebook. Dabei hatte ­Stahmann selbst nicht unerheblich dazu beigetragen: Das Schreiben trägt auch seine Unterschrift, und als Kassierer der Gewerkschaft dürfte er außerdem die Kosten für Papier, Umschlag und Briefmarke abgenickt haben.

Ätzende Opposition

Der hiermit von den „Marktplatzplaudereien“ vergebene Titel „Rede der Woche“ geht an ... Thomas Röwekamp für seinen Debattenbeitrag zur Corona-Politik des Senats. Gut möglich, dass sich der CDU-Fraktionschef rhetorisch schon mal warmläuft für den Bundestag. „Nur“ Opposition zu sein, findet die Bremer CDU ja bekanntermaßen seit der jüngsten Wahl noch viel schlimmer als früher, und Röwekamp hat nun noch einen weiteren Nachteil daran ausgemacht. Nämlich den, dass man sich nun mal nicht aussuchen kann, mit wem zusammen man nicht regiert. Als die Stadtbürgerschaft über Autoposer diskutierte und Birgit Bergmann von der FDP Kritik an den Grünen übte, ätzte Röwekamp, erklärter Befürworter eines schwarz-grünen Experiments: „Lieber mit denen in der Regierung als mit euch in der Opposition!“ Mitunter schizophren agieren zu müssen, ist ebenfalls ein CDU-Schicksal. Damit kennt sich Jens Eckhoff aus: Als Chef des Haushaltsausschusses war er, wie Finanzsenator Dietmar Strehl ausdrücklich betonte, erheblich am Zustandekommen des zweiten Etats von Rot-Grün-Rot beteiligt – den Eckhoff aber natürlich ablehnen musste.

Im Nachteil

Zum Schluss noch der „Doppelmoppel der Woche“: Benachteiligung an sich ist nie gut, sollte man denken. Eine Vorlage über ein Konzept für „Diversity Management“ legt allerdings nahe, dass es vielleicht doch Abstufungen geben könnte. Der Senat stehe „in besonderer Verantwortung, gegen ungerechtfertigte Benachteiligung aufgrund bestimmter Merkmale vorzugehen“, heißt es darin. Unklar bleibt, was das Konzept hinsichtlich gerechtfertigter Benachteiligungen vorschlägt.

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