Marktplatzplaudereien Lebenswirklichkeit – einst und jetzt

Politiker sind auch nur Menschen. In unseren Marktplatzplaudereien greifen wir die kleinen, bunten Geschichten aus dem Politik- und Behördenalltag auf – Randnotizen, die für den Papierkorb zu schade sind.
13.06.2020, 08:00
Lesedauer: 2 Min
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Lebenswirklichkeit – einst und jetzt
Von Jürgen Theiner

Wohlfeile Worte

Keine Diätenerhöhung für Bremens Abgeordnete zum 1. Juli: Das hat die Bürgerschaft in dieser Woche beschlossen und damit die Absicht verbunden, in Corona-Zeiten ein Signal des Maßhaltens zu setzen. Der Bund der Steuerzahler begrüßt diesen Schritt. In einer von Vorstandsmitglied Carl Kau unterzeichneten Erklärung heißt es, in Zeiten wie diesen könne sich „die Politik nicht von der Lebenswirklichkeit des überwiegenden Teils unserer Gesellschaft entkoppeln“. Bei einigen CDU-Bürgerschaftsabgeordneten haben diese Zeilen leichtes Stirnrunzeln hervorgerufen. Ist das nicht derselbe Carl Kau, so fragen sie sich, der 2013 als ihr Fraktionskollege gegen die erste Aussetzung einer Diätenerhöhung stimmte? Und ist es nicht derselbe Carl Kau, der beim aktuellen Beschluss davon profitiert, dass die Altersruhegelder für ehemalige Abgeordnete von der Verschiebung ausgenommen sind? Diese Frage lässt sich kurz und bündig beantworten. Ja, er ist es.

Zwangsehe

Wer beruflich viel miteinander zu tun hat, lernt sich manchmal auch ganz privat schätzen. Liebe am Arbeitsplatz, ein alltägliches Phänomen. Manchmal kommt sie aber doch überraschend – ab und zu auch vor allem für die Beteiligten. So war’s, als Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff (CDU) bei der namentlichen Abstimmung „Valentina Tuncel“ um ihr Jawort zum Diätenverzicht bat. Das verweigerte die kurz perplexe SPD-Frau dann auch prompt, zustimmen wollte sie nur unter ihrem bisherigen (und weiter gültigen) Nachnamen Tuchel.Ihr Linken-Kollege Cindi Tuncel war nicht böse drum, mit der politischen Zwangsehe sind beide ausreichend glücklich – und Imhoff will sich bald mit dem einen oder anderen hopfenhaltigen Getränk für seinen Fauxpas revanchieren.

Seestadt ade

Nächste Woche ist es so weit: CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp wird Bremer. Nach 20 Jahren Pendelei zieht der langjährige Bremerhavener Abgeordnete und zwischenzeitliche Senator in die Nähe seiner Notarkanzlei am Schüsselkorb. Schlagartig verbessert sich damit Röwekamps persönliche CO2-Bilanz, was beim erhofften strategischen Brückenschlag zu den Grünen nur von Vorteil sein kann. Eine neue Laufstrecke am Werdersee ist auch schon ausgekundschaftet. Die Liste der Gegenstände, die an der künftigen Adresse als erste ausgepackt werden sollen, wird von diesen dreien angeführt: Kaffeemaschine, Wii-Konsole für „MarioKart“ und Ruderergometer.

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