Marktplatzplaudereien Von Vögeln und Menschen

Politiker sind auch nur Menschen. In unseren Marktplatzplaudereien greifen wir die kleinen, bunten Geschichten aus dem Politik- und Behördenalltag auf – Randnotizen, die für den Papierkorb zu schade sind.
30.01.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Vögeln und Menschen
Von Nina Willborn

Linker Taubenkenner

Columba livia domestica, vulgo die Stadttaube, ist nicht nur drauf und dran, sich – auf etwas dubiosen Wegen – den Titel „Vogel des Jahres“ zu erpicken, sie sorgte auch für den kulturwissenschaftlich bemerkenswertesten Beitrag in der aktuellen Bürgerschaftswoche. Offiziell hat die Fraktion der Linken keinen Experten für tierische Belange, als solcher ist aber ab sofort unbedingt O laf Zimmer anzusehen. In der Debatte zu einem CDU-Antrag für mehr Tempo bei Taubenschlägen nutzte er vier seiner fünf Minuten Redezeit für eine rasante Eloge der jahrtausendelangen, segensreichen Verbindung von Menschen und dem Gefieder: von den Mesopotamiern über Ägypter, Germanen und Griechen, vom alten Testament und dem Judentum bis hin zu Picasso, Richard Wagner und den musikalisch inzwischen etwas ermüdeten weißen Exemplaren von Hans Hartz. Angesichts dieses kenntnisreichen Vortrags konnte Nachredner Arno Gottschalk (SPD) nur prosaisch konstatieren: „Ob man nun Tauben liebt oder eher nicht, zu viele von ihnen in der Stadt sind ein Problem.“

Wohnsitz-Frage

Erfahrungen als Vogelkundler sammelt im Moment auch der ehemalige Finanzstaatsrat Henning Lühr (SPD), und zwar in der Form, dass Vögel sehr wohl ihren eigenen Kopf haben. Seinen extra für teures Geld angeschafften und vom Nabu empfohlenen Nistkasten nutzt eine Amselfamilie nämlich nicht so wie gedacht. Statt sich im Inneren des Holzgehäuses gemütlich einzurichten, haben sich Antonella und Anton Amsel, wie sie bei den Lührs' heißen, als FKK-Anhänger erwiesen und ihr Nest einfach auf dem Dach des Vogelhäuschens gebaut. Ist aber auch okay, findet Lühr. „Die Amselfamilie hatte eben andere Vorstellungen vom Leben, als ich angenommen habe. Gut gemeint ist noch nicht gut gemacht.“

Schlepperei

Ihren Chefs einen gebärdesprachlichen Vogel zeigen würden im Moment gerne einige Angestellte der Verwaltung der IG Metall Bremen. Die Geschäftsstelle arbeitet nämlich im Moment coronakonform im wöchentlichen Wechsel vom Homeoffice aus. Das bedeutet aber für die IG-Metall-Verwaltungsdamen, dass sie jeweils ihre Computer samt Zubehör aus dem zweiten Stock am Bahnhofsplatz nach unten schleppen, ins Auto verfrachten und zu Hause wieder aufbauen müssen – und am Ende der Homeoffice-Woche wieder retour. Das Hin und Her im Wortsinn zu erleichtern, indem man sie – genauso wie die politischen Sekretäre – mit Laptops ausstattet, scheitert bislang unter anderem am Veto von Kassierer Volker Stahmann (SPD); der Betriebrat sieht dem Vernehmen nach ebenfalls keinen Handlungsbedarf.

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