Marktplatzplaudereien

In der City brennt noch rotes Licht

Politiker sind auch nur Menschen. In unseren Marktplatzplaudereien greifen wir die kleinen, bunten Geschichten aus dem Politik- und Behördenalltag auf – Randnotizen, die für den Papierkorb zu schade sind.
27.03.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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In der City brennt noch rotes Licht
Von Nina Willborn
In der City brennt noch rotes Licht

Das Bremer Rathaus, Weltkulturerbe und Sitz der Senatskanzlei.

Christian Walter

Rotes Licht

Über die Innenstadt machen sich im Moment viele Bremerinnen und Bremer Gedanken, sowohl was ihren Zustand betrifft, als auch ihre Zukunft. Dazu gehören auch die Abgeordneten, die das Thema in regelmäßig wiederkehrenden Abständen im Parlament besprechen. Vieles hörte man dabei auch in der soeben abgelaufenen Sitzungswoche nicht zum ersten Mal, manches dagegen schon. Zum Beispiel, was für Robert Bücking von den Grünen offenbar signifikante Arbeitgeber in der City sind. „Zwischen Bahnhof und Weser arbeiten 49.000 Menschen“, dozierte er, „das reicht vom Puff über das Solarstudio bis zur Senatskanzlei.“ Die eher ungewöhnliche Aufzählung ließ einige aufhorchen - vielleicht war aber auch einfach die Farbe Rot, die man, wenn auch in sehr unterschiedlichen Kontexten, schließlich irgendwie mit allen Dreien verbinden kann, die Verbindung in seiner Assoziationskette.

Scharfe Kontrolle

Apropos Rotlicht: Unversehens gestoppt sah sich jetzt auch Senatorin Maike Schaefer (Grüne), und zwar im Justizzentrum am Wall. Schaefer sollte dort zusammen mit Justizsenatorin Claudia Schilling (SPD) den Richterwahlausschuss leiten, hatte aber Mühe, den Sitzungsraum zu erreichen. Der Einlass der Bremer Gerichte ist traditionell für alle Normalsterblichen, sprich Nicht-Angehörige der Judikative, streng. Ihr Senatorinnenausweis, so erzählte Schaefer zum Amüsement der Sitzungsteilnehmer - und Juristen - Thomas Röwekamp (CDU) und Dieter Garling (Anwaltskammer), sei für den Justizbeamten am Taschen-Durchleuchtungsgerät kein Grund gewesen, sie unkontrolliert passieren zu lassen. Beim Hinweis, sie sei auch Bürgermeisterin, habe sich der Justizbeamte dann erkundigt: „Bürgermeisterin von Bremerhaven?“ Nicht mal dieses Amt hätte geholfen, Schaefer musste sich kontrollieren lassen.

Technisches Relikt

In der Bremer Gerichtsbarkeit gelten möglicherweise grundsätzlich eigene Regeln, auch in technischen Fragen. In einer Verhandlung vor dem Landgericht sorgte vor Kurzem Richterin Gesa Kasper für Spannung bei den Zuschauern, als sie zur Vorführung von Bildmaterial einen ominösen, offenbar sehr raren „Presenter“ ankündigte, der nur ein Mal vorhanden sei und deshalb im Vorhinein für exakte Zeiten reserviert werden müsse. Wer nun eine Art Conférencier oder gar eine neue Form von Hightech erwartet hatte, wurde enttäuscht: Der „Presenter“ entpuppte sich als Relikt aus Vorzeiten, nämlich als Overhead-Projektor. Und zum Einsatz kam er dann doch nicht, weil er sich nicht mit dem Beamer koppeln ließ.

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