Marktplatzplaudereien

Test-Gefahren und digitaler Notstand

Politiker sind auch nur Menschen. In unseren Marktplatzplaudereien greifen wir die kleinen, bunten Geschichten aus dem Politik- und Behördenalltag auf – Randnotizen, die für den Papierkorb zu schade sind.
17.04.2021, 13:30
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Test-Gefahren und digitaler Notstand
Von Nina Willborn
Test-Gefahren und digitaler Notstand

Corona-Schnelltests: Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der bremischen Verwaltung müssen regelmäßig ihre Virenlast überprüfen.

Zacharie Scheurer

Risiken und Nebenwirkungen

Es wird zu wenig über die Gefahren von Corona-Schnelltests diskutiert. Wenn, geht es meistens um ihre einigermaßen sichere Unzuverlässigkeit. Aber es kann ja noch so viel mehr schiefgehen, es kann etwa Löcher in der Hirnrinde durch zu engagiert in die Nase gerammte Teststäbchen geben, beim Öffnen der Packung abgetrennte Fingerkuppen, verletzte Trommelfelle nach missverstandener Anleitung oder Panik beim Warten aufs Ergebnis: Mit genügend Fantasie lässt sich diese Liste beliebig fortsetzen. Ähnlich scheint das Finanzressort zu denken, federführend beim Verwaltungspersonal und damit auch für die Regelung für die Selbsttests. In dieser werden, umsichtig, wie die bremische Verwaltung nun mal ist, sämtliche Fragen geklärt – inklusive der, wie mit möglichen Unfällen umzugehen ist. „Sollte es wider Erwarten zu Verletzungen bei den Tests kommen, ist von einem Dienstunfallgeschehen auszugehen“, heißt es darin. Und, dass in diesen Fällen lieber auf weitere freiwillige Tests verzichtet werden solle. Besser ist das wohl. Hinweise auf durch Schnelltests Schwerverletzte gerne an die E-Mail-Adresse marktplatzplaudereien@weser-kurier.de.

Post nach Berlin

Wenn es demnächst mal so richtig schnell vorangehen sollte mit der Digitalisierung von Bremen und Rest-Deutschland, hat daran möglicherweise auch die Bremer FDP ihren Anteil. Im Landesvorstand sitzt nämlich Til Assmann, gleichzeitig auch Honorarkonsul von Estland. Als solchem entging Assmann natürlich letztens nicht die Ankündigung von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), „notfalls“ zur Beschleunigung des hiesigen Prozesses auch Experten aus dem Baltenstaat einfliegen zu lassen. Bekanntermaßen befindet sich Deutschland in Internetfragen aus Sicht der Esten ungefähr auf Mittelalter-Niveau. Also schrieb Assmann an Altmaier folgende Zeilen, passenderweise frankiert mit dem Briefmarkenmotiv „digitaler Wandel“: „Die Not ist eingetreten. Bitte beginnen sie umgehend mit der Einführung einer digitalen Verwaltung!“ Bei der Kontaktvermittlung zu fachkundigen Esten helfe er gerne.

Neuer Sprecher

Ob sich Andreas Reißig bei seinen neuen sozialdemokratischen Kolleginnen und Kollegen wie einst Landsmann Robin Dutt als Trainer bei Werder mit einem fröhlichen „Morgn Morgn“ statt „Moin Moin“ vorgestellt hat, ist nicht bekannt. An Arbeit mangelt es dem neuen Sprecher der SPD-Fraktion, der zuvor zwei Jahrzehnte in der gleichen Funktion für die baden-württembergischen Genossen gesprochen hat, jedenfalls nicht. Die heiße Phase der Diskussion um die Änderungen am Infektionsschutzgesetz, eine Sondersitzung der Bürgerschaft, der Rücktritt von SPD-Bildungssenatorin Claudia Bogedan - alles am zweiten Arbeitstag. Normalerweise, Herr Reißig, ist Bremen eigentlich eher gemütlich.

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