Marktplatzplaudereien

H-scharf daneben

Politiker sind auch nur Menschen. In unseren Marktplatzplaudereien greifen wir die kleinen, bunten Geschichten aus dem Politik- und Behördenalltag auf – Randnotizen, die für den Papierkorb zu schade sind.
04.09.2021, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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H-scharf daneben
Von Jürgen Theiner
H-scharf daneben

Sozialsenatorin Anja Stahmann hat Zweifel an ihrem Expertenstatus in Sachen gendergerechter Sprache aufkommen lassen.

Frank Thomas Koch

Wenn das Schuhle macht

Die Senatskanzlei hat nach langer Sommerpause noch nicht wieder volle Betriebstemperatur erreicht. Die im Rathaus ansässige Behörde ist unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit der Landesregierung zuständig, zeichnet also auch für Pressemitteilungen verantwortlich. Zu Wochenbeginn verschickte sie eine Einladung zu einer Pressekonferenz mit Bildungssenatorin Sascha Aulepp (SPD). Wörtlich hieß es in der Überschrift "Senatorin Aulepp informiert zum Schuhljahresbeginn." Beim Verfasser muss es sich um einen Überzeugungstäter gehandelt haben, denn der "Schuhljahresbeginn" fand sich auch in der Kopfzeile. Am Freitag legten die Öffentlichkeitsarbeiter des Rathauses nach. Per Pressemitteilung kündigten sie einen protokollarischen Termin von Bürgermeisterin Maike Schaefer (Grüne) mit der belgischen Botschafterin an. In der Überschrift firmierte Maike zunächst als Meike. Die richtige Schreibweise der Bürgermeisterin sprach sich dann aber doch noch herum, zehn Minuten später kam die Mail mit der korrigierten Fassung.

Kein schöner Land/Länderin

Die Verfechter einer gendersensiblen Sprache haben's nicht leicht. Ständig müssen sie in ihren Formulierungen alle realen und empfundenen geschlechtlichen Identitäten bedenken, damit sich niemand ausgeschlossen fühlt. Da kann auch der/die Gutwilligste mal ins Schleudern kommen. So wie Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne). Bei einem Interviewtermin mit dem WESER-KURIER wollte sie auf eine Entscheidung der "Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder" eingehen, sagte aber stattdessen "Ministerpräsidenten der Länderinnen und Länder". Anja Stahmann kann aber über sich selbst lachen, und das tat sie dann auch herzhaft.

Endspurt nach Berlin

Noch drei Wochen bis zur Bundestagswahl. Wer jetzt als Direktkandidat auf sich aufmerksam machen will, muss sich schon ein bisschen mehr einfallen lassen als den üblichen Info-Stand mit Tapetentisch in der Fußgängerzone. Mit ihren entsprechenden Bemühungen stechen gerade zwei Berlin-Anwärter heraus: zum einen CDU-Bewerber Thomas Röwekamp. An der B 75 hat er eine Riesen-Werbefläche gemietet, auf der neben seinem Bild der Claim "Große Ohren können gut zuhören" prangt. Ein Parteifreund urteilt angesichts der XXL-Abmessungen des Plakats: "Das sind sicherlich die größten Segelohren Norddeutschlands." Im Wahlkreis Bremen II / Bremerhaven hofft derweil Uwe ("Hafen-Uwe") Schmidt von der SPD auf Wiedereinzug ins Parlament. Schmidt wirbt nicht irgendwo, sondern auf Fischkonservendosen, die mit seinem Konterfei bedruckt sind. "Unser bester Fang" lautet hier der Claim. "Toller Hecht" fanden die SPD-Wahlkampfmananger wohl zu dick aufgetragen.

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