Marktplatzplaudereien Effektive Pausen und vergebenes Werben

Politiker sind auch nur Menschen. In unseren Marktplatzplaudereien greifen wir die kleinen, bunten Geschichten aus dem Politik- und Behördenalltag auf – Randnotizen, die für den Papierkorb zu schade sind.
26.11.2021, 17:00
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Effektive Pausen und vergebenes Werben
Von Nina Willborn

Pausen-Einkauf

Der Koalitionsvertrag der künftigen Regierungsampel liegt vor, bekanntermaßen steckt darin ja auch Bremer Hirnschmalz. Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) hat, während sie mithalf, den ganzen "Klumpatsch" (FDP-Bundestagsneuling Volker Redder in der "Zeit") zu formulieren, ganz neue Sympathien für die Liberalen entdeckt. Weil die FDP-Verhandler sich nämlich nicht nur einmal Bedenkzeit erbaten und darauf drängten, die Sitzungen zu unterbrechen, kann Stahmann jetzt entspannt die Adventszeit genießen. Die Verhandlungspausen hat sie effektiv genutzt und Weihnachtsgeschenke eingekauft – mit, so ist zu hören, speziellem Fokus auf exklusiven Berliner Spezialitäten. Was Familie Stahmann dann unterm Baum auspacken darf, ob Ampelmännchen und "Erichs Rache" dabei sind, bleibt noch 28 Tage ein Geheimnis.

Abgeblitzt

Apropos Berlin. In der künftigen Opposition hält ja nun auch Thomas Röwekamp in der CDU die rot-weißen Farben hoch. Also rot-weiß, wenn es um die Bremer Speckflagge geht. Sobald es sportlich wird, bevorzugt Röwekamp klar das satte Grün von Werder und macht daraus auch keinen Hehl. Insofern staunte er nicht schlecht, als er neulich in einem Schwung Post neben Einladungen zu diversen Gesprächskreisen, Vereinigungen und sonstigen Foren einen Brief seines CSU-Kollegen Florian Hahn fand. Hahn stellte sich als Vorsitzender des FC-Bayern-Fanclubs "Berliner Fraktion e.V." vor. Begeisterung für Politik sei "nicht das einzige, was uns Kollegen hier im Bundestag verbindet", leitete Hahn sein Schreiben an Röwekamp ein. Fußball sei ein ebenso guter Grund, regelmäßig zusammenzukommen. 2014 habe man deshalb den Bayern-Fanclub für Parlamentarier gegründet. Überfraktionell würden dort die  Spiele "unserer Roten" verfolgt, dabei gebe es auch Gelegenheiten zum gemütlichen Austausch. "Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Sie für den Fanclub gewinnen könnte", beendete Hahn sein Schreiben an den "lieben Kollegen Röwekamp". Ein Mitgliedsantrag war beigefügt. Röwekamp hat offenbar nicht die Absicht, diesen ausgefüllt zurückzusenden. "Irrläufer, würde ich sagen", so sein trockener Kommentar.

CDU to go

Übrigens steht nicht nur die Bundes-CDU vor einer Zeitenwende, sondern nach ihrer eigenen Einschätzung auch die in Bremen. Einige ihrer Vertreter, darunter Wiebke Winter, Miriam Benz, Martin Michalik und Michael Jonitz, wollen die Positionen und Ideen der Partei dem geschätzten Wahlvolk jetzt so richtig nah bringen, und das ist im Wortsinn gemeint. Was einiger Zeit Mode bei Musikbands ist, bieten nun auch die Politiker an: Hausbesuche. Sie wollen sich sozusagen als "CDU to go" bei den Bremern aufs Sofa oder an den Küchentisch setzen und mit ihnen über ihre jeweiligen Fachthemen oder wahlweise auch über das aus ihrer Sicht politische Chaos, das Bremen regiert, diskutieren. Voraussetzung für diese „Tour de Wohnzimmer“: Zuhören müssen mindestens fünf Leute.

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