Schülerfirma Genusswerk aus Hemelingen bietet selbst angebautes Gemüse in der Egestorff-Stiftung an Markttag weckt viele Erinnerungen

Tenever. Im Zypressenhof stehen Sandsteinskulpturen aus einem anderen Jahrhundert. Blühender Fingerhut leuchtet in der Sonne, die Bäume werfen ihre Schatten aufs Pflaster. Auf einem langen Marktstandtisch liegen Gemüse und Salate der Saison. Gelbliche Marmeladen und grünes Pesto in Gläsern dazwischen, ebenso Kanapees von Weißbrot. Frisch aufgebrühter Kaffee duftet. Diese idyllische Kulisse bietet die Egestorff-Stiftung an diesem Tag. Das "Genusswerk" richtet erstmals einen Markttag mit eigenen Produkten in der guten alten Stube Tenevers aus.
04.07.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Edwin Platt

Tenever. Im Zypressenhof stehen Sandsteinskulpturen aus einem anderen Jahrhundert. Blühender Fingerhut leuchtet in der Sonne, die Bäume werfen ihre Schatten aufs Pflaster. Auf einem langen Marktstandtisch liegen Gemüse und Salate der Saison. Gelbliche Marmeladen und grünes Pesto in Gläsern dazwischen, ebenso Kanapees von Weißbrot. Frisch aufgebrühter Kaffee duftet. Diese idyllische Kulisse bietet die Egestorff-Stiftung an diesem Tag. Das "Genusswerk" richtet erstmals einen Markttag mit eigenen Produkten in der guten alten Stube Tenevers aus.

Bereits im vergangenen Winter kam Andrea Kleine und Barbara Heller der Gedanke, einen Marktstand in der Senioren-Einrichtung aufzubauen. Als Fachlehrerin für Arbeitslehre wirkt Andrea Kleine aus Schwachhausen unter anderem für die Werkschule Hemelingen in ihrer Schülerfirma Genusswerk. Barbara Heller ist aktiv in der Seniorenwerkstatt auf dem Gelände der Egestorff-Stiftung.

Nun schauen viele der zweihundert Egestorffer, die selbst in ihrer Küche Essen zubereiten können, auf das frische Gemüse. Salate, Möhren oder die Kartoffeln und noch wenige Bohnen, heute Morgen frisch geerntet, wechseln die Besitzer. "Schade, noch nichts Rotes", meint jemand. Hier gibt es nur Selbstgezogenes aus der Schule mit dem Schwerpunkt Garten und Landschaftsbau. Das bedeutet eine Rückbesinnung auf die Jahreszeiten, was gerade bei den älteren Kunden Erinnerungen wachruft. "Ach ja, Tomaten kommen zuerst. Bohnenernte ist dann in vier Wochen," erinnert sich eine Dame. Obst ist noch kaum reif im Juni.

Natürlicher Anbau

Jahreszeitliche Produkte, mit kurzen Vertriebswegen, aus natürlichem Anbau und weitgehend ohne Umverpackung - dieser Vorteile ihrer Produkte sind sich die 16 Schülerinnen und Schüler des Genusswerks bewusst. Während viele Jugendliche nicht mehr wissen, mit welcher Kraft eine Bohne die Stange hinaufwächst und wie viele der Fruchtstände sie hervorbringt, haben die Genusswerker die Nahrungskette von der Aussaat, über das Wachstum und die Ernte, die Verarbeitung, Haltbarmachung durch Einkochen bis zur Zubereitung und dem Verzehr kennengelernt.

Katharina Ullrich möchte Restaurantfachfrau werden, hat schon im Ratskeller serviert und preist die Rhabarber-Bananen- Marmelade an, während Szymon Miszon das Einkochen erklärt und Wert darauf legt, die Gläser im Kopfstand abkühlen zu lassen. Er möchte auch im Restaurantfach arbeiten und wird die Sommerferien für ein Praktikum im Atlantik Hotel nutzen. Orkan Öztürk schenkt den Kaffee der Bremer Rösterei aus und ist der Kassenführer und Buchhalter der Gruppe. Sein Kollege beim Kaffee, Jörg Heinrich, erklärt gern, dass eine Bohnenmischung aus Afrika und Amerika im Ausschank ist, die völlig ohne Geschmacksverstärker auskommt, und dass die Bohnen doppelt so lange wie in Großröstereien üblich geröstet werden, nämlich sechs Minuten.

In der Werkschule betreibt das Team den Hofladen mit etwas länger haltbaren Produkten wie ihren Keksen. Der gastronomische Bereich hat sich in der Werkschule mit Andrea Kleine etabliert. Nach den Sommerferien im August wird es zwei gastronomische Gruppen geben, für die es eine Warteliste gibt. Der Hauptschulabschluss wird unter diesen Gegebenheiten von fast allen erreicht, und Chancen für die jungen Leute, Arbeit zu finden, sind gut. Dabei kommt ihnen ihr Catering Service zugute. Wer vor Hunderten von Gästen, sei es beim Neujahrsempfang, im Haus der Wissenschaft, im Staatsarchiv oder wie am kommenden Dienstag in der Gesamtschule Mitte zu einer Verabschiedungsfeier die Nerven bewahrt, die Gäste freundlich bedient und den Überblick behält, der gewinnt Selbstvertrauen, und nicht selten schaut da einer zu, durch den sich neue Möglichkeiten eröffnen.

In der Seniorenwerkstatt der Egestorff- Stiftung hat Genusswerk mit seinem Catering zur Eröffnung des Wintergartens schon sein Können bewiesen, jetzt werden die Jugendlichen regelmäßig im Zypressenhof den Markt anbieten. Die Egestorff-Bewohner schätzen bereits beim ersten Mal das Angebot, den kurzen Weg und die frischen Produkte. Ein wenig nostalgische Erinnerungen schwingen mit, zum Beispiel an Zeiten, in denen sie selbst Kartoffeln gepflanzt und geerntet haben. Tische und Gartenstühle neben dem Marktstand laden dazu ein, Erinnerungen zu teilen. Und rüstige Seniorinnen fachsimpeln über Marmeladenzubereitung mit Rhabarber.

Die Egestorff-Stiftung, Stiftungsweg in Osterholz, ist unter Telefon 42720 zu erreichen, die Seniorenwerkstatt unter Telefon 4272114. Das Genusswerk der Werkschule Hemelingen, Dudweilerstraße 2, hat die Telefonnummer 3613188

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