Infektionskrankheit Masernimpfung oft zu spät

Bremen. Eine Untersuchung zeigt: Nur etwa jedes dritte Kind wird rechtzeitig und vor allem zweimal gegen die Infektionskrankheit Masern geimpft. Bremen schneidet besonders schlecht ab, Niedersachsen etwas besser.
19.07.2013, 05:00
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Masernimpfung oft zu spät
Von Hans-Ulrich Brandt

Bremen. Gegen Masern sind weit über 90 Prozent der Schulkinder geimpft – eigentlich eine beruhigende Zahl. Doch eine neue Untersuchung zeigt: Nur etwa jedes dritte Kind wird auch rechtzeitig und vor allem zweimal gegen die Infektionskrankheit geimpft. Bremen schneidet besonders schlecht ab, Niedersachsen etwas besser.

Zu spät und viel zu häufig nicht ausreichend – das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Berlin zur Impfquote von Kleinkindern bei Masern. Danach erhielten Deutschlandweit fast 86 Prozent der untersuchten Kinder bis zu einem Alter von zwei Jahren mindestens eine Masernimpfung, knapp 70 Prozent davon in dem von der Impfkommission empfohlenen Zeitraum (siehe "Impfempfehlungen"). Im Bundesdurchschnitt erhielten knapp 60 Prozent der Kinder beide Masernimpfungen – allerdings nur 37 Prozent in dem empfohlenen Zeitabstand. In Bremen wurden sogar nur 35 Prozent nach den Empfehlungen der Impfkommission geimpft, in Niedersachsen 39 Prozent. In der Untersuchung wurden Daten aus Arztpraxen von über 550000 Kindern ausgewertet, die 2008 geboren wurden. Die Autorin der Studie, Maike Schulz, kommt zu dem Ergebnis: "Sowohl die Bedeutung der möglichst frühzeitigen ersten Masernimpfung als auch die Relevanz der zweiten Masernimpfung wird tendenziell unterschätzt".

Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert-Koch-Instituts, betont die Bedeutung der Empfehlungen. "Es ist gut, das weit über 90 Prozent der eingeschulten Kinder zweimal gegen Masern geimpft worden sind, doch noch zu häufig kommen diese Impfungen zu spät." Mit jeder Woche, die mit der Impfung aber gewartet werde, steige das Infektionsrisiko. Glasmacher erklärt, warum auch die zweite Impfung so wichtig sei. "Dies ist keine Auffrischung, sondern eine Wiederholungsimpfung, und die ist nötig, weil bei fünf bis zehn Prozent der Kinder die erste Impfung nicht wirkt."

Im Bremer Gesundheitsressort sieht man trotz der neuen Zahlen derzeit keinen Grund zu erhöhter Sorge. "Wir haben bei Masern eine gute Durchimpfungsquote, und es gibt auch nur sehr wenige Masernfälle", betont Sprecherin Stephanie Dehne. Sie verweist weiter auf die vom Robert-Koch-Institut ausgewerteten Daten der Schuleingangsuntersuchung. Danach hatten 2011 Bremer Schulanfänger eine Quote von 97 Prozent bei der 1. Impfung; bei der 2. Impfung lag sie bei 91 Prozent. Zum anderen zeigten Zahlen des Gesundheitsamtes, dass die Zahl der Maserninfektionen in Bremen sehr gering sei. So wurden in diesem Jahr bisher zwei Fälle gemeldet. Jeweils zwei waren es in den Jahren 2012 und 2011.

Das schlechte Abschneiden Bremens bei der neuen Studie will die Gesundheitsbehörde aber zum Anlass nehmen, so die Sprecherin, nach den Sommerferien zusammen mit dem Berufsverband der Kinderärzte die Lage aktuell zu bewerten. Dann soll überlegt werden, ob Bremen eine eigene Erhebung durchführt, um die Impfquoten von unter Zweijährigen zu ermitteln. Bisher sei das nicht gemacht worden.

In Niedersachsen ebenfalls nicht, bestätigt Heinke Traeger, Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Dort sind bisher 14 Masernfälle gemeldet worden, 2012 waren es sieben. Bundesweit sind 1207 neue Fälle bekannt. 2012 waren es nur 165.

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Impfempfehlung

Die Ständige Impfkommission empfiehlt, die Grundimmunisierung in Form der 1. und 2. Masernimpfung bei Kleinkindern bereits im zweiten Lebensjahr abzuschließen. Dabei soll die erste Masernimpfung im Alter von 11 bis 14 Monaten, frühestens jedoch mit 9 Monaten, und die zweite Impfung zwischen 15 und 23 Monaten erfolgen. Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden, sollten ihren Impfschutz prüfen. In dieser Altersgruppe ist die Impfquote eher gering und eine natürliche Immunisierung durch eine überstandene Infektion fehlt.

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