Maskenpflicht im Einzelhandel

Bremer kritisierten geplante Abschaffung der Maskenpflicht

Kein Aus für die Maske - Bremer aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sprechen sich gegen eine Lockerung der Maskenpflicht im Einzelhandel aus.
07.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer kritisierten geplante Abschaffung der Maskenpflicht
Von Elena Matera
Bremer kritisierten geplante Abschaffung der Maskenpflicht

Vorerst soll die Maskenpflicht im Einzelhandel bestehen bleiben.

Felix Kästle / dpa

Die Maskenpflicht im Einzelhandel soll in Bremen vorerst bestehen bleiben. Nach SPD-Bürgermeister Andreas Bovenschulte (wir berichteten) haben sich auch das Gesundheits- und das Wirtschaftsressort, die Gewerkschaft Verdi sowie der Handelsverband Nordwest gegen eine Abschaffung der Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Geschäften ausgesprochen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) meldete sich am Montag zu Wort und erteilte dem Ende einer Maskenpflicht eine Absage. Zuvor hatten unter anderem Politiker in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen eine Lockerung erwogen. Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) relativierte am Montag seine Forderung nach einem Ende der Maskenpflicht wieder.

„Zwar ist die Zahl der Neuinfektionen in Bremen in den letzten Wochen stark rückläufig, das Virus ist aber noch nicht weg“, sagt Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke). „Wir dürfen deswegen jetzt nicht nachlässig werden, sondern müssen die bisher so erfolgreichen Maßnahmen – wie die Pflicht des Tragens einer Mund-Nasen-Bedeckung – beibehalten.“ Das Gesundheitsressort beobachte das Infektionsgeschehen genau, um die Maßnahmen im Zweifel anpassen zu können. „Aktuell ist aber nicht der richtige Moment, um die Pflicht im Einzelhandel zu lockern“, sagt Bernhard.

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Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) betont, dass nicht nur das Infektionsrisiko, sondern auch die Auswirkungen der Maßnahmen auf den Handel im Auge behalten werden müssten. Sie verstehe, dass die Maskenpflicht für Kunden und Handel eine Beeinträchtigung darstelle. „Insbesondere der ­Textileinzelhandel leidet darunter, dass Kundinnen und Kunden das Einkaufserlebnis mit Maske nicht so prickelnd finden“, sagt Vogt. Die Überlegungen einzelner Bundes­länder, die Maskenpflicht zeitnah abzuschaffen, sehe sie jedoch kritisch. „Ich halte es für sehr wichtig, dass es nicht zu Alleingängen kommt, sondern wir uns auf Ebene der Länder eng abstimmen.“

Im Einzelhandel wird die Diskussion über die Abschaffung der Maskenpflicht mit gemischten Gefühlen betrachtet. „Grundsätzlich gilt für den Handel: Je früher die Mund- und Nasenbedeckung abgeschafft wird, desto besser“, sagt Jan König, Geschäftsführer des Handelsverbands Nordwest. Die Maskenpflicht trübe das Einkaufserlebnis. „Menschen gehen zurzeit nicht mehr gerne einkaufen. Für die Kunden ist es anstrengend, die Maske immer wieder auf- und abzusetzen, gerade wenn sie Textilgeschäfte besuchen und Waren anprobieren“, sagt König. „Eine Abschaffung der Maskenpflicht würde dem Handel gut tun.“

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Wann der richtige Zeitpunkt für eine solche Abschaffung ist, sollten laut König allerdings nicht Händler und Politiker entscheiden, sondern Ärzte und Virologen. Es bestehe die Gefahr, dass die Maskenpflicht zu früh beendet werde und die Anzahl der Neuinfektionen dadurch wieder stark ansteigen könnte. Das hätte massive Folgen für den Handel: „Dann müssten die Geschäfte wieder schließen. Da hätte keiner etwas davon. Wir müssen auf die Gesundheit der Mitarbeiter und Kunden achten“, so König.

Auch für Kornelia Knieper, stellvertretende Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Bremen-Nordniedersachsen, steht fest: Gesundheit geht vor. „Wir halten gar nichts von einer Abschaffung der Maskenpflicht“, sagt sie. Oft hielten Kunden den Abstand nicht ein. Die Maskenpflicht sei daher dringend notwendig, um die Beschäftigten bei ihrer Arbeit in den Geschäften zu schützen.Andreas Dotzauer, Virologe an der Uni Bremen, steht einer Abschaffung der Maskenpflicht ebenfalls kritisch gegenüber. „Es stimmt, dass sich die Zahlen der Neuinfektionen auf niedrigem Niveau befinden. Aber es existieren auch weiterhin infizierte Personen. Es sind zwar nur wenige, aber sie stecken andere an“, sagt der Virologe.

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Die Maske sei neben der Abstandsregelung der einzige Schutz, der zwischen Mensch und Virus stehe. „Ich finde es bedenklich, wenn wir diesen Schutz abschaffen würden“, sagt Dotzauer.Die Zirkulation der Frischluft in den Geschäften sei außerdem sehr unterschiedlich. Viele geschlossene Räume seien nicht gut genug durchlüftet. Dort gebe es daher eine erhöhte Ansteckungsgefahr. Eine Maske zu tragen, sei dringend notwendig. „Man darf auch nicht vergessen, dass es in bestimmten Regionen Deutschlands viele Neuinfektionen gibt“, sagt Dotzauer. Insbesondere in Hinblick auf den Reiseverkehr sei eine Maskenpflicht dringend geboten, um eine Ausweitung der Infektionen zu vermeiden. „Die Politik darf sich nicht nur durch wirtschaftliche Gesichtspunkte treiben lassen“, sagt Dotzauer. „Sie hat den Bürgern gegenüber eine Verpflichtung.“

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