Auch tagsüber Pflicht

Maskenpflicht im Freien ausgeweitet

In bestimmten Innenstadtbereichen - nicht nur am Bahnhof und auf Wochenmärkten - muss coronabedingt ab sofort zu festgelegten Tageszeiten in Bremen ein Mund-Nase-Schutz getragen werden.
17.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Maskenpflicht im Freien ausgeweitet
Von Justus Randt
Maskenpflicht im Freien ausgeweitet

Die Maskenpflicht im Freien herrscht an Orten, an denen das Distanzgebot nicht einzuhalten.

Mohssen Assanimoghaddam /dpa

Zu Beginn der Woche sind bereits die Kontrollen der Corona-Schutzmaßnahmen verstärkt worden. Ab diesem Samstag gilt zudem die Maskenpflicht zu bestimmten Uhrzeiten in Bereichen der Stadt. Das hat die Innenbehörde am Freitagnachmittag mitgeteilt. Die Einschränkungen im Freien gelten an Orten, an denen das Distanzgebot nicht einzuhalten ist oder sich Menschen über längere Zeiträume in der Nähe zueinander aufhalten.

Seit Anfang der Woche wird bereits verstärkt kontrolliert, ob Gästelisten korrekt ausgefüllt sind, Quarantäneanordnungen eingehalten werden und ob die Verhaltensregeln in den Haltestellenbereichen von Straßenbahnen und Bussen eingehalten werden.

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Das betrifft auch die Überprüfung der Sperrstunde und das Verbot des Außerhausverkaufs von Alkohol ab 23 Uhr. Während ein Berliner Gericht die Sperrstundenregelung gekippt hat, hält Frankfurt am Main weiter daran fest – und auch in Bremen bleibt sie bestehen. Dem Senat sind laut Senatssprecher keine Beschwerden bekannt.

Die Maskentragepflicht auf dem Bahnhofsplatz und auf Wochenmärkten war bereits bekannt, jetzt hat die Behörde konkretisiert, welche Bereiche ebenfalls nur mit Mund-Nase-Schutz betreten werden dürfen – zumindest während bestimmter Zeiten. Ziel sei es, so Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) laut einer Pressemitteilung, „die rasante Pandemie-Entwicklung zu stoppen und so schnell wie möglich wieder unter den kritischen Schwellenwert zu gelangen“. Der sogenannte Inzidenzwert liegt bei 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner pro Woche. Das Tragen einer Maske sei „ein enorm wichtiger Beitrag und leicht umzusetzen“, sagt Mäurer. „Wer sich in diesen Bereichen weigert, eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen, muss mit einer Geldstrafe von 50 Euro rechnen.“ Die Polizei berichtet unterdessen von 46 Anzeigen allein am Donnerstag.

Zwischen Freitag vergangener Woche und Mittwoch wurden nach Angaben der Verwaltung 30 Anzeigen wegen Verstößen gegen die Corona-Verordnung gefertigt und Bußgeld erhoben. Insgesamt wurden von März bis Mittwoch 3333 Anzeigen gestellt und Bußgelder in Höhe von 311.675 Euro verhängt.

Erhebliche Bußgelder nach Verstößen

In einem Fall habe der Wirt eines Imbisslokals in dieser Woche gleich mehrere Anzeigen wegen Verstößen erhalten, die laut Verwaltung „erhebliche Bußgelder nach sich ziehen werden“. Das Lokal sei umgehend geschlossen worden. Auch eine private Feier mit zwölf Personen auf engem Raum sei aufgelöst worden. In mehreren Fällen seien Gästelisten nicht in Ordnung gewesen, hätten Masken gefehlt oder seien Lokale noch nach 23 Uhr geöffnet gewesen.

Senator Mäurer kündigt „intensive, vielzählige stichprobenartige Kontrollen der Einsatzkräfte“ an. Der Innendienst des Ordnungsamts werde in Kürze durch studentische Hilfskräfte verstärkt, und, wie berichtet, sollen Objektschützer der Polizei bei der Quarantäneüberwachung helfen. Zudem laufe „ein kurzfristiges Amtshilfeersuchen“ bei der Bundespolizei und bei anderen senatorischen Stellen für Kontrollen im öffentlichen Raum. „Auch Kolleginnen und Kollegen der Waffenbehörde werden hinzugezogen.“

Seit Montag unterstützen außerdem 27 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr das Gesundheitsamt als Scouts bei der Nachverfolgung von Kontaktpersonen und im Lagezentrum. Die Bundeswehr habe bereits an den Teststellen am Flughafen sowie in der Coronaambulanz (aktuell 36 Soldaten) „gezeigt, dass sie uns bei der Eindämmung der Pandemie sehr gut unterstützen können“, sagte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke).

Schnell und entschieden handeln

„In der aktuellen Situation ist es wichtig, dass wir schnell und entschieden handeln. Die Kontaktnachverfolgung bleibt auch bei steigenden Fallzahlen ein elementarer Baustein, um Infektionsketten zu unterbrechen“, sagte Bernhard. „Die Bundeswehr kann uns sehr schnell mit Personal unterstützen.“ Zusätzlich zu Einstellungen und der Ausschreibung weiterer Stellen bei der Behörde.

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Mehr als 1000 Amtshilfeanträge deutschlandweit habe die Bundeswehr wegen Covid erhalten, teilt Generalleutnant Martin Schelleis, Inspekteur der Streitkräftebasis und Nationaler Befehlshaber, mit. In 670 Fällen habe den Wünschen entsprochen werden können. Wie in Bremen. „Tatsächlich liegt der aktuelle Schwerpunkt der Amtshilfe-Leistungen bei der Unterstützung von Gesundheitsämtern im Rahmen der Nachverfolgung.“

Wie vielgliedrig die Verkettung sein kann, veranschaulichen Beispielzahlen aus der Praxis, die Ressortsprecher Lukas Fuhrmann nennt: Kürzlich seien es an einem Tag 40 Fälle gewesen, die 430 telefonische Kontakte nötig gemacht hätten, am vorigen Samstag hätten 108 Fälle sogar 1000 Anrufe bei Kontaktpersonen erfordert. Fuhrmann spricht von einer „Riesenspannweite“. Im Frühjahr und Sommer seien es pro gemeldetem Fall durchschnittlich zwei bis fünf betroffene Kontaktpersonen gewesen, jetzt seien es schon mal 250. „Da ist dann plötzlich ein ganzes Fitnessstudio betroffen.“ Eine „untergeordnete Rolle“ spielt laut Fuhrmann die sogenannte Corona-App in Bremen. „Es gibt nur sehr wenige Fälle, in denen sich jemand meldet.“

Info

Zur Sache

Hier gilt die erweiterte Maskenpflicht

Ab diesem Samstag muss ein Mund-Nase-Schutz getragen werden im Innenstadtbereich/Schnoorviertel: Montag bis Samstag 9 bis 20 Uhr und am 1. November, sofern der ursprünglich geplante verkaufsoffene Sonntag stattfinden sollte, von 12 bis 19 Uhr. Die Zone erstreckt sich von der Hutfilterstraße bis zur Domsheide und umfasst den Bereich Ansgaritorstraße, Pieperstraße, Papen-, Söge- und Katharinenstraße ebenso wie Böttcherstraße.

An der Schlachte, vom Fangturm bis zur Ersten Schlachtpforte, in der Zeit von 12 bis 24 Uhr.

Vor dem Bahnhof, auf dem Bahnhofsplatz, dem Hugo-Schauinsland-Platz und dem Platz der Deutschen Einheit rund um die Uhr.

Im Ostertor und dem Steintor von 9 bis 24 Uhr im Bereich vom Dobben bis zum Körnerwall und zwischen Mozartstraße und Lüneburger Straße sowie im Fehrfeld.

Am Vegesacker Bahnhofsplatz (bis Alte Hafenstraße) gilt rund um die Uhr Maskenpflicht. In der Vegesacker Fußgängerzone, entlang der Gerhard-Rohlfs-Straße, am Sedanplatz und von der Breiten Straße über die Reeder-Bischoff-Straße bis zum Bahnhofsplatz von 9 bis 20 Uhr.

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