Rekumer wehren sich gegen Haus für straffällige Flüchtlinge

Massiver Protest gegen Wohnheim

Der Widerstand gegen ein Wohnheim für junge, straffällig gewordene Flüchtlinge in Rekum wächst. Hatte die Facebook-Gruppe „Rekumer Straße 12 – Nicht mit uns“ am Sonntag noch rund 150 Mitglieder, waren es Montagnachmittag schon knapp 1900.
21.10.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Massiver Protest gegen Wohnheim
Von Patricia Brandt

Der Widerstand gegen ein Wohnheim für junge, straffällig gewordene Flüchtlinge in Rekum wächst. Hatte die Facebook-Gruppe „Rekumer Straße 12 – Nicht mit uns“ am Sonntag noch rund 150 Mitglieder, waren es Montagnachmittag schon knapp 1900. „Die zündeln“, warnt der Blumenthaler Ortsamtsleiter Peter Nowack. Nowack zeigte sich alarmiert durch Hetz-Einträge in einer anderen Internet-Gruppe. Der Begründer der Facebook-Seite „Nicht mit uns“ will sich indes nicht in die rechte Ecke drängen lassen.

„Ein großes Transparent mit – herzlich nicht willkommen – sollte ans Haus“, schreibt ein Mitglied der „Nicht-mit-uns-Gruppe“ auf Facebook. Seit bekannt ist, dass die Sozialbehörde in den kommenden Tagen in einem Privathaus an der Rekumer Straße ein Heim für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge einrichten will, kochen die Emotionen hoch. Die Menschen fühlen sich „schlicht überrumpelt“ von dem Vorhaben, meint der CDU-Abgeordnete Rainer Bensch. Ohne Bürgerbeteiligung könne Integration aber nicht gelingen. Eine Abstimmung im Beirat habe es jedenfalls nicht gegeben.

In einer nicht öffentlichen Beiratssitzung hatte der Träger der Einrichtung, die Makarenko Schifffahrt GmbH mit dem Partner „Akademie Lothar Kannenberg“, vergangene Woche sein Konzept vorgestellt. In der Einrichtung sollen die Jugendlichen eine klare Struktur und Beschäftigung im Umfeld bekommen, Sozialverhalten und Respekt einüben. „Die Lage des Gebäudes ist ideal“, hatte Staatsrat Horst Frehe geglaubt, „in unmittelbarer Nähe befinden sich Sportanlagen, eine Halle, genügend Freigelände für sportliche Betätigung“.

Der CDU-Politiker Bensch jedoch gibt sich skeptisch, ob der eingeschlagene Weg einer „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“ von schwer straffällig gewordenen Jugendlichen in Rekum überhaupt gelingen wird: „Wer schwere Straftaten begeht und in Wohneinrichtungen für Flüchtlinge schon Angst und Schrecken verbreitet hat, der wird trotz gut gemeinter intensivpädagogischer Betreuung auch in Farge-Rekum für Ängste und Zweifel bei den Bürgerinnen und Bürgern sorgen.“ Die CDU hat zu einer Anwohnerversammlung eingeladen. Sei findet in der Gaststätte „Zum grünen Jäger“, Farger Straße 100, statt und beginnt am Mittwoch um 19 Uhr.

In der Facebook-Gruppe „Rekumer Straße 12 – nicht mit uns“, finden sich örtliche Funktionsträger, Anwohner, aber auch Menschen aus anderen Ortsteilen. Auch der NPD-Mann Sascha Humpe ist mit von der Partie. Einige Beiträge sind zum Teil deutlich rechts geprägt, bisweilen verunglimpfend. Einige Einträge sind gestern aber offenkundig wieder von den Verantwortlichen der Gruppe gelöscht worden.

Der Begründer der Gruppe „Rekumer Straße 12 – Nicht mit uns“, Fritjof Balz, hat den NPD-Mann Sascha Humpe zwar selbst als Mitglied seiner Gruppe hinzugefügt, distanziert sich aber deutlich von Fremdenhass. Er könne nicht jeden kennen, sagt Balz. Und betont: „Wir wollen weder dem rechten noch linken politischen Flügel Nährboden bieten. Wir wollen eine demokratische Mitte sein.“ Balz gestern auf der Internetseite: „Rechte Thesen dürfen und sollen hier nicht verbreitet werden. Ich lasse nicht zu, dass das Engagement von fast 1500 netten und hilfsbereiten Bürgern zunichtegemacht wird.“ Später waren es dann bereits mehr Mitglieder. Balz beklagt sich darüber, dass es im Vorfeld der Entscheidung keine Beteiligung der Bevölkerung gegeben hat. Ortsamtsleiter Nowack „hat uns im Alleingang die Rekumer Straße 12 aufgebürdet. Offener Vollzug gehört nicht in ein Wohngebiet“.

Von dem großen Interesse an seiner Initiative zeigte er sich im sozialen Netzwerk überrascht: „Was aus dem Nichts entstanden ist, wächst zu einer Bewegung und ist ein Beweis, dass es doch noch Demokratie gibt. Sollten wir eine Demo machen, könnte das ganz schön voll werden. Weiter so Farge.“ Die angekündigte Demo, für die es bisher weder Ort noch Zeit gibt, soll nur der Anfang sein. Gestern zogen laut Balz Anwohner durch den Ort, um Unterschriften gegen die Unterbringung zu sammeln. Bei einem ersten Treffen im „Grünen Jäger“ hätten sich am Wochenende spontan 50 Zuhörer eingefunden. Weitere Treffen sind geplant.

Die Sozialbehörde sieht zurzeit jedenfalls noch keinen Grund zum Umschwenken. Die Aufregung resultiere aus der „öffentlichen Dämonisierung der Flüchtlinge“, sagt Ressortsprecher Bernd Schneider. Die Behörde sei überzeugt, dass der Träger die als Straftäter in Erscheinung getretenen Flüchtlinge in den Griff bekommt. Der Betreuungsschlüssel sei eins zu eins.

Der Blumenthaler Ortsamtsleiter Peter Nowack beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Er sagt: „Wir sind keine Hasardeure, dass wir den Stadtteil kaputt machen wollen.“ Der Ortsamtschef geht davon aus, dass längst nicht alle Gruppenmitglieder tatsächlich gegen das Heim an der Rekumer Straße sind, sondern vielleicht sogar unwissentlich der Nicht-mit-uns-Seite hinzugefügt worden seien.

Doch einige Beiträge auf der „Nicht-mit-uns-Seite“ hätten, so schätzt der Ortsamtsleiter, nur das Ziel, die Menschen aufzuhetzen. Deshalb werde er auch zur CDU-Versammlung nicht erscheinen: „Wenn das im Chaos endet, will ich nicht dabei sein“, so Nowack. Er plant für Ende des Monats eine Informationsveranstaltung, wegen des erwarteten Andrangs vielleicht sogar in der örtlichen Turnhalle.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+