Nach dem Abriss

Medienhaus: Stillstand bis zum Sommer

Das Medienhaus an der Schwachhauser Heerstraße war für viele Menschen ein architektonisches Kleinod. Nach dem Abriss tut sich auf der Baustelle erst einmal nichts.
04.03.2020, 06:02
Lesedauer: 2 Min
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Medienhaus: Stillstand bis zum Sommer
Von Jürgen Hinrichs
Medienhaus: Stillstand bis zum Sommer

Vom Medienhaus an der Schwachhauser Heerstraße ist nichts mehr übrig.

Christina Kuhaupt

Das Medienhaus ist weg, dem Erdboden gleichgemacht. Alle Proteste haben nichts genützt. Doch was nun? Seit dem Abriss im Oktober ruht die Baustelle an der Schwachhauser Heerstraße. Und das wird zunächst auch so bleiben. „Bis zum Sommer passiert nichts“, sagt der Investor. Thorsten Italiano ist Architekt und Projektentwickler, ihm gehört das 3265 Quadratmeter große Grundstück mit dem alten Baumbestand. Gekauft hat er es 2017 von einem Makler.

Italianos Plan ist, ein Haus mit 31 Eigentumswohnungen zu bauen, die sich auf vier Geschosse verteilen. Es wird eine knapp doppelt so große Grundfläche haben wie das ehemalige Medienhaus und dehnt sich nach links und rechts stärker aus. Der Abstand zur Straße bleibt ungefähr gleich. Die Bäume dort, darunter zwei rund 150 Jahre alten Blutbuchen, werden erhalten und schirmen das Grundstück ab. Für die Autos der Mieter und Eigentümer wird es eine Tiefgarage geben, die über die Lortzingstraße zu erreichen ist.

Geldmangel

Ein Grund, weshalb auf der Baustelle keine Bagger und Bauarbeiter zu sehen sind, ist schlicht dieser: Es fehlt an Geld. Noch habe er nicht genügend Kaufzusagen, damit die Bank sein Projekt finanziert, sagt Italiano. „Ich brauche mindestens 40 Prozent.“ Also herrscht erst einmal Stillstand, wo vorher wegen des heftigen Streits um das Medienhaus so viel Bewegung war.

Die ehemalige Villa Gross wurde 1911 im Auftrag eines Mediziners aus dem nahegelegenen St.-Joseph-Stift im italienischen Renaissance-Stil als repräsentatives Herrenhaus erbaut. Danach diente das Gebäude mit seinen vier Säulen, die den Mittelportikus trugen, unter anderem als Herberge für wohnungslose Familien und als Sitz einer Schifffahrtslinie. Zuletzt wurde es von Medienschaffenden und Werbeagenturen genutzt, daher der Name Medienhaus. Im September 2018 waren die letzten Mieter ausgezogen.

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Bremens Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki hatte das Gebäude im Jahr 2001 als nicht schützenswert eingestuft. Als Grund nannte er die zu starken baulichen Veränderungen vor allem im Inneren, wo in der Tat kaum noch etwas im ursprünglichen Zustand war. Dem Abriss stand damit nichts im Weg. Die 2000 Unterschriften der Bürgerinitiative und eine Petition an die Bürgerschaft blieben ohne Erfolg.

Einspruch gegen die Baugenehmigung

Ein weiterer Grund für den verzögerten Baubeginn ist nach Darstellung von Italiano der Einspruch gegen die Baugenehmigung. Nachbarn seien in Sorge, dass sich der Aushub der Baugrube auf ihre Häuser auswirken könnte. Der Investor glaubt das nicht: „Wir gehen davon aus, kein Grundwasser absenken zu müssen.“ So lange aber der Einspruch aufrechterhalten werde, habe er keine Rechtssicherheit, um mit dem Bauen anfangen zu können. Ist der erste Spatenstich getan, dürfte es etwa zwei Jahre dauern, bis das Gebäude fertig ist, schätzt Italiano. Bei seinen Entwürfen musste er Vorgaben befolgen. Dazu gehören die Kubatur des U-förmigen Hauses und die Art der Bedachung.

Die Baubehörde bestätigt auf Nachfrage, dass ein Eilantrag gegen die Baugenehmigung vorliegt. Entscheiden müsse darüber das Verwaltungsgericht. Offen sei, wann das geschehe. In dem Gesamtverfahren hatte es schon einmal eine gerichtliche Auseinandersetzung gegeben. Damals ging es um das Bauvolumen. Den Anwohnern ist es zu groß, sie konnten sich mit ihren Bedenken aber nicht durchsetzen.

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