Protestzug durch die Bremer Innenstadt

Mehr als 1200 Menschen demonstrierten für Seenotrettung

Etwa 1200 Menschen zogen am Sonntagmittag durch die Bremer Innenstadt, um gegen die Kriminalisierung von Seenotrettung im Mittelmeer zu demonstrieren. Bremen soll sich als Zufluchtsort bekennen.
12.08.2018, 15:20
Lesedauer: 2 Min
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Mehr als 1200 Menschen demonstrierten für Seenotrettung
Von Kristin Hermann

Mehr als 1200 Menschen haben am Sonntag an einer Demonstration gegen die Kriminalisierung von Seenotrettung im Mittelmeer teilgenommen und sind durch die Bremer Innenstadt gezogen. Dazu aufgerufen hatte die Bewegung "Seebrücke", die sich mit verschiedenen Aktionen in vielen Städten für Rechte von Geflüchteten einsetzt. Die Teilnehmer sprechen sich unter anderem gegen die Behinderung und Kriminalisierung ziviler Seenotrettungsorganisationen aus.

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Zu Beginn der Demonstration am Bremer Hauptbahnhof wurde am Sonntagmittag eine Schweigeminute für die im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge eingelegt. Viele Teilnehmer trugen orangefarbene Kleidung und Banner – die Farbe der Aktion. Der Start verzögerte sich jedoch um einige Minuten, weil nach Angaben der Initiatoren Mitglieder der AfD eigene Flyer verteilten. Unter anderem war Jens Schäfer, Mitglied im AfD-Landesverband und bei der Jungen Alternative, vor Ort und schrieb bei dem Kurznachrichtendienst Twitter: "Die traditionelle Farbe der Müllabfuhr wurde passend gewählt."

Die Reaktionen der Anwesenden auf den Besuch der AfD-Mitglieder fiel deutlich aus: "Verp.... euch" lautete die Antwort über das Mikrofon. Es ist nicht die erste Auseinandersetzung dieser Art. Bereits Anfang Juli waren Demonstranten der Seebrücke und dem Bremer Bündnis gegen Rechts mit Teilnehmern des sogenannten Frauenmarsches aneinandergeraten. Zudem sollen Mitglieder der Jungen Alternative vor einigen Tagen ein Banner mit der Aufschrift "Seenotrettung ist kein Verbrechen" gestohlen haben, das Vertreter der Seebrücke zuvor an der Teerhofbrücke angebracht hatten.

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Nach Angaben der Organisatoren und der Bremer Polizei verlief die Demonstration ansonsten friedlich. Nach einigen Redebeiträgen startete der Demonstrationszug in Richtung Innenstadt, wo auf dem Bremer Marktplatz die Abschlusskundgebung stattfand. Laut Polizei nahmen 1200 Menschen an der Demo teil, die Veranstalter selbst schätzen die Beteiligung auf 2000 Teilnehmer. Darunter waren auch Vertreter der Flüchtlingshilfe und mehrere Mitglieder der verschiedenen Bürgerschaftsfraktionen, wie Kai Wargalla (Grüne) und Miriam Strunge (Linke).

Einige der Demonstranten waren sogar aus anderen Städten angereist. Zu den Bremer Unterstützern zählten unter anderem Pia und Dennis Carstens. Das junge Ehepaar wollte mit der Teilnahme an der Demo ein Zeichen setzen. "Es wird oft so dargestellt, als sei es den Bürgern mittlerweile egal, dass im Mittelmeer viele Menschen ertrinken. Das ist es nicht und dafür wollen wir uns heute einsetzen", sagt Pia Carstens. Sie seien schockiert darüber, wie wenig Widerstand mittlerweile geleistet werde und wie salonfähig rechte Parolen geworden wären.

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Neben Forderungen an die Bundesregierung hatten die Initiatoren auch Wünsche an die Bremer Politik. Bremen solle sich offiziell zu einer sogenannten "solidarischen Stadt" erklären und sich als Zufluchtsort für Geflüchtete bekennen, ähnlich wie Berlin, so Steven Luehrsen, einer der Organisatoren der Bremer Seebrücke.

Auch Bewohner der Flüchtlingsunterkunft an der Gottlieb-Daimler-Straße sprachen bei der Demonstration. Die Leichtbauhallen, deren Nutzungsgenehmigung im Frühjahr auslaufen wird, stehen seit Monaten in der Kritik. Dort leben nach Angaben der Sozialbehörde fast ausschließlich junge Männer, die angeben, minderjährig zu sein, aber keine anerkannten Personaldokumente vorlegen können. Die schrittweise Schließung ist seit einigen Wochen eingeleitet.

+++ Zuletzt aktualisiert am 12. August um 19.25 +++

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