Betreuung: Linke kritisiert Lücke

Mehr als 300 Hortplätze fehlen

Bei der Betreuung von Kindern unter drei Jahren hat sich Bremen verbessert. Doch wenn die Kinder ins Grundschulalter kommen und ihre Eltern weiterhin berufstätig sind, wird es für viele Familien schwierig.
02.04.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Mehr als 300 Hortplätze fehlen
Von Sara Sundermann
Mehr als 300 Hortplätze fehlen

Der Ausbau von Ganztagsschulen – hier Schülerinnen beim Mittagessen – läuft in Bremen nicht synchron mit dem Hortabbau. Das kritisiert unter anderem der Zentralelternbeirat Bremen.

dpa

Bei der Betreuung von Kindern unter drei Jahren hat sich Bremen verbessert. Doch wenn die Kinder ins Grundschulalter kommen und ihre Eltern weiterhin berufstätig sind, wird es für viele Familien schwierig.

Denn bei den Hortplätzen hakt es nach wie vor. Nach derzeitigem Stand fehlen nach Zahlen der Bildungsbehörde 327 Hortplätze in der Stadt. Das geht aus einer Auswertung der Anmeldezahlen von Schulkindern für das Kindergartenjahr 2016/2017 hervor. Plätze fehlen insbesondere in Blumenthal (mehr als 70), in Obervieland (mehr als 50) und in Burglesum und Horn-Lehe (jeweils mehr als 30 Plätze). Es mangelt auch an Angeboten in der Östlichen Vorstadt, in Findorff, Huchting und Osterholz. Nur in Schwachhausen gibt es noch eine etwas größere Zahl freier Hortplätze (19).

Das Problem: Bremen will für die Nachmittagsbetreuung von Grundschulkindern auf Ganztagsschulen setzen und nicht mehr wie bisher auf Horte. Doch der Ausbau der Ganztagsschulen läuft nicht so schnell wie geplant (wir berichteten), während zum Teil gleichzeitig bestehende Hortplätze wegbrechen. Zwar soll die Weiterentwicklung von Horten nun nach dem Willen der Bildungsbehörde besser mit dem Ganztagsschulausbau abgestimmt werden – doch das hilft den Eltern nicht, die in diesem Jahr eine Nachmittagsbetreuung für ihr Schulkind brauchen.

Elternvertreter und die Linksfraktion in der Bürgerschaft kritisieren, dass auch in diesem Jahr – wie schon in den Vorjahren – viele Hortplätze fehlen. „Es fehlen auch Plätze in ohnehin benachteiligten Stadtteilen wie Blumenthal und Obervieland“, sagt Sofia Leonidakis, kinderpolitische Sprecherin der Linksfraktion. „Die Nachmittagsversorgung von Schulkindern reicht hinten und vorne nicht.“ Die Leidtragenden seien häufig Frauen, die den Großteil der Alleinerziehenden stellen und auch bei zwei Einkommen in der Familie oft beruflich zurücksteckten, wenn eine Kinderbetreuung fehlt. „Seit Jahren wird die Betreuung der Schulkinder vernachlässigt, weil es hier keinen einklagbaren Rechtsanspruch der Eltern gibt.“

Normale Grundschulen schließen um 13 Uhr, so Leonidakis – doch mit einer Betreuung ihrer Kinder nur bis mittags könnten Alleinerziehende höchstens einen Minijob übernehmen. „So werden Alleinerziehende und Familien in der Armutsfalle festgehalten.“ Sie fordert, dass Horte erhalten und bei Bedarf ausgebaut werden müssen, bis der Ganztagsausbau richtig läuft.

„Wir haben ein Systemproblem“, sagt auch Pierre Hansen vom Zentralelternbeirat (ZEB). „Der Ganztagsausbau läuft nicht synchron mit dem Hortabbau.“ Schwierig werde es zum Beispiel für Eltern, die eine Ganztagsbetreuung für ihr Schulkind brauchen, aber in der Nähe einer Halbtagsschule wohnen. Sie hätten oft Probleme, einen Platz für ihre Kinder an einer weiter entfernten Ganztagsschule zu bekommen, weil Wohnortnähe bei der Vergabe der Schulplätze zählt. Wenn dann auch kein Hortplatz da sei, werde es schwierig.

„Es ist für die Eltern nicht nachvollziehbar, dass bei den Hortplätzen nicht nachgesteuert wird“, betont Andreas Seele von der Zentral-Eltern-Vertretung (ZEV). „Man fühlt sich allein gelassen.“ Er macht deutlich, dass es vielerorts in Bremen an Räumen für Horte fehlt. Wo früher die Gebäude von Kitas nachmittags frei waren und für die älteren Hortkinder genutzt werden konnten, gebe es nun oft eine Nachmittagsbetreuung für Kinder unter drei Jahren. Die Folge: Diese Räume seien für die Hortbetreuung nicht mehr nutzbar. „Das muss man politisch komplett überdenken“, fordert Seele. Er plädiert für den Erhalt von Horten. In Lesum und St. Magnus fehlten bereits seit fünf Jahren Räume für die Hortbetreuung, sagt Seele: „Und es fehlen nicht nur Gebäude für Horte, sondern auch für Kitas und Schulen – wir haben überall ein Raumproblem.“

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