Stimmen aus den Stadtteilen zu Robert Bückings Amtszeit, die diesen Monat endet Mehr als eine Baustelle

Verkehr, Kanäle, Werbetafeln – Robert Bücking hat in 20 Jahren als Ortsamtsleiter Mitte/Östliche Vorstadt reichlich davon gehabt. Am 21. November feiert er um 15 Uhr Abschied in der Friedensgemeinde, Humboldtstraße. Der Stadtteil-Kurier hat sich bei Weggefährten umgehört.
20.11.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Liane Janz

Verkehr, Kanäle, Werbetafeln – Robert Bücking hat in 20 Jahren als Ortsamtsleiter Mitte/Östliche Vorstadt reichlich davon gehabt. Am 21. November feiert er um 15 Uhr Abschied in der Friedensgemeinde, Humboldtstraße. Der Stadtteil-Kurier hat sich bei Weggefährten umgehört.

Zwei Jahrzehnte hat Robert Bücking das Ortsamt Mitte/Östliche Vorstadt in der Villa Rutenberg am Dobben geleitet, erst als Parteiloser, dann als Grüner. Viele Baustellen hat er begleitet, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Der Stadtteil-Kurier hat einige seiner Wegbegleiter nach ihren Erfahrungen mit dem scheidenden Ortsamtsleiter gefragt.

Vor sieben Jahren hat die Bremer Straßenbahn AG (BSAG), die breitere Straßenbahnen gekauft hatte, die Schienen im Ostertorsteinweg ein Stück versetzen lassen. Hansewasser musste zuvor den Kanal sanieren. Arne Schmüser hatte bei der Kanalsanierung damals den Hut auf. „Robert Bücking ist einer der Ortsamtsleiter, die sehr aktiv mit Veränderungen umgehen“, war sein Eindruck. Im Polizeihaus hatten Vertreter von Hansewasser mit dem Ortsamtsleiter und mit Einzelhändlern gesprochen.

Partei ergriffen

Nachdem er die Pläne erklärt hatte, hätten die Versammelten erst mal unter Schock gestanden, sagt Arne Schmüser, vor allem die Geschäftsleute seien aufgebracht gewesen, dass der O-Weg gesperrt werden sollte. „Und da stellt sich Robert Bücking neutral zwischen die beiden Felder.“ Er habe sich die Argumente beider Seiten angehört und dann Partei ergriffen – pro Baustelle. „Ohne dem geht es nicht“, soll er gesagt haben. Hansewasser mache häufiger die Erfahrung, dass Anlieger Probleme mit Baustellen haben, sagt Arne Schmüser. „Da tut es gut, wenn man vom Ortsamtsleiter nicht als Störenfried gesehen wird.“

Auf den O-Weg folgten weitere Großprojekte: Die Humboldtstraße wurde auf der gesamten Länge aufgegraben. Auch in Nebenstraßen hat Hansewasser die Kanäle erneuert. Einige, wie die Schönhausen- und die Herderstraße, stehen noch aus. Solche Baustellen ziehen einiges nach sich. Der Verkehr muss umorganisiert werden, Parkplätze fallen zwischenzeitlich weg. Der Ortsamtsleiter sei keinesfalls ein Ansprechpartner gewesen, der einem sofort folge, sagt Arne Schmüser. „Er fordert einem auch was ab.“ Es gab also durchaus Reibungspunkte, die der Mann von Hansewasser aber nicht als negativ empfand. „Zum Schluss war er vielleicht ein bisschen müde“, sagt er über Robert Bücking. „Das sei ihm zugestanden.“ In den 20 Jahren sei er voll dabei gewesen.

„Robert Bücking hätte man nachts aus dem Tiefschlaf holen können, er war sofort im Thema.“ So hat ihn Harald Hildebrandt wahrgenommen. Hildebrandt hat fünf Jahre lang das Polizeirevier Steintor geleitet und steht seit Anfang des Jahres dem Revier Mitte vor. Mit dem Ortsamtsleiter hatte er häufiger wegen des Drogenhandels im Viertel, wegen des Straßenstrichs in der Humboldtstraße und der Rettungssicherheit zu tun. Im November 2009 hatte in der Sachsenstraße ein Wohnhaus gebrannt und die Feuerwehr war nicht durchgekommen, weil Kurven zugeparkt waren. Seitdem stand das Thema Rettungssicherheit ganz oben auf der Agenda von Ortsamt und Beiräten. Viele Kurven sind schraffiert, sogenannte „Mobilpünktchen“ von Cambio eingerichtet worden.

Der Revierleiter erinnert sich vor allem auch an die bückingsche Art der Gesprächsleitung in Beiratssitzungen und anderen Versammlungen, und er hat Robert Bücking als kooperativ empfunden. Hildebrandt nennt ein Beispiel: In seiner Zeit als Leiter des Reviers Steintor sei eine Frau auf ihn zugekommen, die sich über den Zustand der St.-Jürgen-Straße, Ecke Am Schwarzen Meer und Vor dem Steintor beklagt habe. Dort hätten es vor allem Kinder schwer, die Fußgängerampel zu nutzen, weil Autofahrer unerlaubterweise vom Schwarzen Meer geradeaus ins Steintor fahren.

Mit diesem Problem sei er beim Ortsamtsleiter auf offene Ohren gestoßen, und es sei nach einer Lösung gesucht worden. Nach langem Hin und Her wurden Plastikklötze auf die Kreuzung gesetzt, die das Geradeausfahren verhindern sollten. Nachdem die „Leitelemente“ mehrmals umgefahren worden waren, wurde die „Bücking-Rampe“, wie ein genervter Anwohner sie getauft hatte, wieder abgebaut.

Um die Aufmerksamkeit des Ortsamtsleiters zu erhaschen, musste in der westlichen Altstadt mehr getan werden als im Viertel. „Als es die Standortgemeinschaft noch nicht gab, war es schwierig, Themen in den Beirat zu geben“, sagt Matthias Rauch vom Vorstand. Er lebt im Stephaniviertel, betreibt das Café Rauch und engagiert sich seit Jahren im Beirat Mitte. Als Standortgemeinschaft habe das Quartier dann eine Stimme gehabt, die gehört worden sei, sagt er. „Wir haben vonseiten des Ortsamts jedwede Unterstützung bekommen“, bestätigt Harald Deerberg vom Vorstand der Standortgemeinschaft – von Geld für das Stephaniviertelfest bis zur Unterstützung bei Gesprächen beispielsweise mit dem Bauressort. „Die Zusammenarbeit war sehr fruchtbar“, sagt auch Matthias Rauch.

Mit gemischten Gefühlen denkt Elsbeth Rütten vom Verein Ambulante Versorgungsbrücken an die Amtszeit des Viertelbürgermeisters zurück. In sozialen Belangen sei Andrea Freudenberg die Hauptansprechpartnerin im Ortsamt, nicht Robert Bücking. „Denke ich an ihn, dann denke ich vorrangig an Fahrradstraßen, an die Geschäftsleute im Ostertor, an Baumaßnahmen, an Begeisterung, wenn es um urbane Gestaltungskraft geht“, sagt Elsbeth Rütten. Einen kleinen Eimer mit sozialem Kitt schenke sie dem scheidenden Ortsamtsleiter deshalb zum Abschied.

„Ich find’s schade, dass er nicht mehr weitermacht“, sagt Wilhelm Winkelmeier vom Verein und der Beratungsstelle Selbstbestimmt Leben. Vor allem in jüngster Vergangenheit gab es immer wieder Debatten über Barrierefreiheit im Viertel. Dabei ging es um Werbeaufsteller, Tische und Stühle und Fahrräder. Robert Bücking sei offen für das Anliegen von Menschen mit Einschränkungen, so hat ihn Wilhelm Winkelmeier wahrgenommen. „Vieles hat nicht so geklappt, wie wir uns das vorgestellt hatten.“ Das müsse aber nicht unbedingt am Ortsamtsleiter gelegen haben.

Robert Bücking will morgen, 21. November, um 15 Uhr auf seiner öffentlichen Abschiedsfeier in der Friedensgemeinde an der Humboldtstraße selbst Resümee ziehen. Seine gewählte Nachfolgerin ist, wie berichtet, Hellena Harttung. Laut Senatspressestelle könnte sie am 1. März 2015 ihr Amt antreten. Andrea Freudenberg leitet das Ortsamt bis zur Übergabe kommissarisch.

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