Sprachenrat Bremen

Mehr als schöne Worte

Zehn Jahre ist es her, dass sich einige sprachbegeisterte Bremer in einem interkulturellen Netzwerk zusammengefunden haben. Viele Projekte sind seitdem entstanden – und neue Herausforderungen.
09.12.2019, 19:29
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Von Felix Wendler
Mehr als schöne Worte

Bärbel Kühn ist Vorsitzende des Sprachenrats.

Hans-Klaus Kühn

„Sprachen sind das Herz des Lernens“, sagt Bärbel Kühn. Die promovierte Germanistin ist Vorsitzende des Sprachenrats Bremen, der am Montagabend sein zehnjähriges Bestehen feierte. Ziel des gemeinnützigen Vereins ist es, Mehrsprachigkeit und Interkulturalität in der Region zu fördern. 2009 am Europäischen Tag der Sprachen gegründet, gehören dem Rat mittlerweile 22 Bremer Organisationen an. Dazu zählen das Institut français, das Instituto Cervantes und das Goethe-Institut. Auch die Volkshochschule, die Bremer Stadtbibliothek und mehrere Schulen sind Mitglied im Sprachenrat Bremen.

„Ich bin quasi die Außenvertretung“, sagt Kühn. Die 69-Jährige ist gerade aus Graz zurückgekehrt, wo sie ein anderes Jubiläum gefeiert hat: Das Sprachenzentrum des Europarats ist 25 Jahre alt geworden. Kühn ist in der Welt der Sprachen gut vernetzt. Von 1999 bis 2015 leitete sie das Fremdsprachenzentrum der Bremer Hochschulen; zuvor arbeitete sie mehrere Jahre am Goethe-Institut.

„Durch die wachsende Migration hat das Thema Sprachen noch mal an Bedeutung gewonnen“, sagt Kühn. Ein zentrales Ziel des Rates sei es nun, sich stärker für Sprachen zu öffnen, die für die Integration wichtig sind. „Deswegen schreiben wir auch gerade unser Konzept neu“, sagt Kühn. „Mehrsprachigkeit bedeutet heute auch die Förderung der Heimatsprache.“ Es sei für die persönliche Entwicklung wichtig, sich diese Erstsprache zu bewahren. Deshalb findet sie es falsch, auf Schulhöfen eine Deutschpflicht zu verordnen. Überhaupt wünscht sich Kühn mehr sprachliche Vielfalt in den Schulen. „Man kann auch Mathematik in mehreren Sprachen unterrichten. Das ist vielleicht etwas aufwendiger, aber es geht.“ Zur Mehrsprachigkeit gehöre übrigens auch der Dialekt, sagt die gebürtige Hessin.

Dass es in Bremen überhaupt einen Sprachenrat gibt, sei ungewöhnlich. „Wir sind als Netzwerk ziemlich einzigartig“, sagt Kühn. Nur im Saarland existiere ein vergleichbares Projekt. Ein großes Budget sei nicht vorhanden, sagt Kühn. „Wir sind sechs oder sieben Leute im Vorstand und machen das alle ehrenamtlich.“ Der Rat finanziere sich über Mitgliedsbeiträge, die bei 50 bis 200 Euro liegen – jährlich. „Die Mitglieder entscheiden selbst, wie viel sie bezahlen.“ Bei Veranstaltungen könne man auf die Räumlichkeiten der Partner zurückgreifen. „Wir waren lange im Gebäude der Arbeitnehmerkammer. Auch in den Bibliotheken machen wir immer mal wieder Veranstaltungen“, sagt Kühn.

In den vergangenen zehn Jahren hat der Sprachenrat in Bremen einige Projekte entwickelt – darunter die digitale Lernplattform Epos, die an vielen europäischen Hochschulen genutzt wird. Zudem veranstaltet der Verein regelmäßig Lese- und Schreibwettbewerbe in Schulen. Immer wieder nehme man auch an aktuellen Debatten über Sprache teil. So habe der Sprachenrat, der mit seinem Büro im Haus der Wissenschaft sitzt, schon mehrere Vorträge für die Reihe „Wissen um 11“ gehalten. Im vergangenen Sommer referierte Kühn dort zum Heimatbegriff. „Da vermengen sich natürlich Sprache und Literatur stark“, sagt Kühn, die aktuell an der Universität Darmstadt forscht und in Frankfurt ein Seminar zur Heimatliteratur gibt.

Zukünftig wolle man die Idee eines Deutschen Sprachenrats – der bislang nicht existiert – in der Politik bewerben, sagt Kühn. Auch der Europäische Sprachenrat, wie es ihn bis vor einigen Jahren gegeben hat, solle wiederbelebt werden. Für den Bremer Sprachenrat wünscht sich Bärbel Kühn vor allem eines: Nachwuchs.

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