Polizeipräsident stellt Kriminalitätsstatistik vor Mehr Einbrüche in Bremen

Mehr Wohnungseinbrüche, aber auch mehr Fälle von Straßenraub und Fahrraddiebstählen als 2013 gab es im Vorjahr in Bremen. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2014 hervor.
11.03.2015, 11:27
Lesedauer: 3 Min
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Mehr Einbrüche in Bremen
Von Frauke Fischer

Mehr Wohnungseinbrüche, aber auch mehr Fälle von Straßenraub und Fahrraddiebstählen als 2013 gab es im Vorjahr in Bremen. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2014 hervor.

Wer in der Polizeilichen Kriminalstatistik 2014 (PKS) nur auf die Gesamtfallzahlen schaut, könnte glauben, die Straftaten in Bremen und Bremerhaven seien weniger geworden. Doch ein genauer Blick in die Daten, die Bremens Polizeipräsident Lutz Müller, Bremerhavens Polizeichef Harry Götze und Andrea Wittrock, Leiterin des Landeskriminalamts, am Mittwoch präsentierten, zeigt: In vielen Bereichen gab es mehr Straftaten. Und: Die Gesamtaufklärungsquote liegt mit 45,8 Prozent unter der von 2013 mit 49,8 Prozent.

Als „Dauerbrenner“ bezeichnete der Polizeipräsident die Wohnungseinbruchsdiebstähle. Mit 3057 Fällen, die zur Anzeige kamen, lag die Zahl der versuchten und tatsächlichen Einbrüche in Wohnungen und Häuser in der Stadt deutlich höher als 2013. Damals gab es laut PKS 2577 Straftaten dieser Art, 2012 waren es 2933. Seit 2005 war die Zahl nie so hoch wie jetzt.
Für die CDU ist genau das ein Punkt zum Einhaken. Die höchste Einbruchskriminalität seit zehn Jahren zeige, dass die „groß angekündigten Schwerpunktmaßnahmen“ nur „wirkungslose Versuche des Innensenators Ulrich Mäurer“ sind, so der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Wilhelm Hinners.

Die Gruppe Bürger in Wut deutete die aktuelle PKS als „schallende Ohrfeige für die Politik des rot-grünen Senats“. Müller betonte hingegen, auch Kommunen, die früher weniger Einbrüche verzeichneten, hätten inzwischen verstärkt damit zu tun. Das Bundeskriminalamt beschäftige sich damit. Es gebe vielerorts reisende Täter, die für einen Großteil der Straftaten verantwortlich gemacht würden. In Bremen aber, so Müller, seien 75 Prozent „örtlich handelnde Täter“. Der typische Einbrecher ist demnach „männlich und heranwachsend“, nimmt vielfach weiche, vielleicht auch härtere Drogen. Mit der Beute aus Einbrüchen bestreitet er seinen Lebensunterhalt und beschafft sich Drogen, so Müller. „Wenig filigran“ sei oft das Vorgehen. Meistens würden Fenster und Türen roh aufgehebelt oder Scheiben eingeworfen. Umso professioneller verhielten sich die Täter hinterher. Sie wechselten die Kleidung und die Verkehrsmittel, um nicht ermittelt zu werden.

Für Bremerhaven ergeben sich aus der PKS „die niedrigsten Fallzahlen seit 39 Jahren“, sagte Harry Götze. Bei den Wohnungseinbrüchen seien die Zahlen sogar um 40 Prozent zurückgegangen. Allerdings habe es in der zweiten Jahreshälfte 2014 einen Anstieg gegeben, den die PKS nicht komplett abbilde. Die Straftaten der letzten beiden Monate würden in die Statistik 2015 einfließen.

Dieser Umstand sorge neben Erfassungsrückstaus durch die Umstellung auf ein neues EDV-System bei der Polizei auch dafür, dass die Fallzahlen im Bundesland insgesamt 2014 niedriger sind als 2013, nämlich 83.777 statt 85.508. Knapp 3000 Fälle, schätzt Müller, könnten deswegen in die nächste Statistik fließen.

Die Gewerkschaft der Polizei GdP geht sogar von bis zu 5000 unerledigten Akten aus. Aus ihrer Sicht belegt die Statistik den Personalmangel bei der Polizei.

Niedrige Aufklärungsquote

Als „rein statistischen Effekt“ wertet der Polizeipräsident die niedrige Aufklärungsquote. So sei die Zahl jener Delikte mit hohen Aufklärungsquoten wie Ladendiebstahl zurückgegangen. Einbrüche und Fahrraddiebstähle dagegen gab es mehr. Und diese seien schwerer aufzuklären.

Wenn Täter auf offener Straße Menschen berauben, haben sie es laut Müller vor allem auf Bargeld und Smartphones abgesehen. Dass diese Fallzahlen anstiegen, liege auch an jenen kriminellen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF), mit der sich Polizei und Politik befassen. So gehen laut Statistik 29 Prozent aller Delikte, die tatverdächtigen Jugendlichen zugerechnet würden, auf das Konto der UMF.

Weniger Fälle gab es 2014 bei Straftaten zum Nachteil älterer Menschen (SÄM) wie Betrug und Diebstahl. Als Herausforderung sehen Innenbehörde und Polizei die sogenannten Cyber Crime-Delikte wie Internetbetrug oder Softwarepiraterie. Im Vergleich der vergangenen 25 Jahre sind die Fallzahlen laut PKS indes gesunken. Das Gleiche gilt für die Kriminalitätshäufigkeitszahl, die bekannt gewordene Straftaten ins Verhältnis zur Einwohnerzahl setzt.

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