Psychiatrische Versorgung Mehr Geld für Bremer Psychiatrie-Projekte

Die Gesundheitsdeputation hat eine jährliche Förderung von 1,24 Millionen Euro für Angebote zur psychiatrischen Versorgung beschlossen. Die Einrichtung eines Druckraums für Heroin-Konsumenten soll geprüft werden.
31.10.2018, 19:15
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Mehr Geld für Bremer Psychiatrie-Projekte
Von Sabine Doll

Die psychiatrische Versorgung in Bremen und Bremerhaven soll mit einer Reihe bereits bestehender, aber auch neuer Angebote ausgebaut werden. Das hat die Deputation für Gesundheit am Dienstag in ihrer Sitzung beschlossen. Für die Umsetzung stehen nach Angaben der Gesundheitsbehörde jährlich 1,24 Millionen Euro zur Verfügung.

Zu den im ambulanten Bereich laufenden Projekten in Bremen gehören unter anderem das Nachtcafé Nachtwerk, das Soforthilfe für Menschen in psychischen Krisen und Belastungssituationen bietet, sowie ein sogenanntes KIT-Krisenangebot zu Zeiten, in denen der zentrale Krisendienst nicht tätig ist.

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Weiter gefördert wird ein Angebot für junge Menschen zwischen 16 und 24 Jahren, die aufgrund ihrer besonderen Situation weder in der Kinder- und Jugendpsychiatrie noch in der Erwachsenenpsychiatrie angemessen versorgt werden könnten. „Angebote für diese Gruppe sind gerade deshalb von Bedeutung, weil in diesem Alter viele Weichenstellungen passieren“, betonte Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD).

Einsatz von Genesungshelfern

In weiteren Projekten, die bereits gefördert wurden, geht es um den Einsatz sogenannter Genesungsbegleiter im Bereich Suchtmittel und Drogenkonsum, Beratung bei exzessivem Medienkonsum, die sektorenübergreifende Versorgung im Bremer Osten sowie Angebote zur Stärkung der Emotionskontrolle für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen. „Die Förderung von Projekten, die die Situation von Drogenkonsumenten in den Blick nehmen, ist eine gute Entscheidung“, betonte der Vorsitzende der Deputation, Magnus Buhlert (FDP).

Ein solches Projekt steht auf der Behördenliste, für die neue Förderanträge gestellt werden können: Dabei handelt es sich um eine Machbarkeitsstudie für einen sogenannten Druckraum, in dem ein medizinisch begleiteter Konsum von Heroin stattfindet. In anderen Städten gibt es solche Angebote bereits. Eine Studie soll laut Behörde im Zusammenhang mit dem Sicherheitskonzept Hauptbahnhof erfolgen. Weitere Themen, für die Anträge gestellt werden können, sind der Aufbau eines Online-Informationssystems zu Versorgungsangeboten in der Psychiatrie sowie die Einführung von Qualitätsindikatoren zur Entwicklung der psychiatrischen Versorgung in Bremen.

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Die Projekte sind Bestandteil der Psychia­triereform, die nach einem Bürgerschaftsbeschluss von 2013 weiterentwickelt werden soll. Im Mittelpunkt stehen dabei sogenannte gemeindepsychiatrische Verbünde. Außerdem sollen Patienten und Angehörige stärker einbezogen werden, um die psychiatrische Versorgung vor allem auch im ambulanten Bereich zu verbessern.

Die Deputierten befassten sich außerdem mit der Situation in der Forensik: Wie der ­WESER-KURIER berichtete, soll es in der Forensischen Psychiatrie des Klinikums Bremen-Ost immer wieder zu Missständen gekommen sein. Das geht aus einem Bericht für die Gesundheitsdeputation hervor, den die Bremer Grünen-Fraktion angefordert hatte. In der Forensik werden Menschen behandelt, die aufgrund einer psychischen Erkrankung in erheblichem Maße straffällig geworden sind und wieder in die Lage versetzt werden sollen, zukünftig straffrei zu leben.

Delegation bestätigt Beschwerden zum Teil

Eine Besucherdelegation der Nationalen Stelle zur Verhütung von Folter hatte die Forensik Anfang Dezember 2017 besucht und in einem Bericht vom März 2018 an die Gesundheitsbehörde Beschwerden zum Teil bestätigt. Die Deputierten hatten erst kürzlich von dem Besuch und Kritik, etwa an einer bis zu dreitägigen Absonderung von Patienten nach der Aufnahme in einem Beobachtungsraum sowie der Dokumentation von Zwangsmaßnahmen, erfahren.

Die Bedingungen in dem Raum würden „in höchstem Maße gegen die Menschenwürde“ verstoßen und seien inakzeptabel, heißt es in dem Bericht. Gründe für Zwangsmaßnahmen würden auf einem Formular nur angekreuzt und nicht individuell begründet. Mildere Formen sehe das Formular zudem nicht vor, so die Kritik der Delegation.

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Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Rainer Bensch, warf der Senatorin vor: „Es ist ein Unding, dass die Deputation vom Ressort nicht darüber informiert wurde.“ Auch der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Nima Pirooznia, forderte, dass die Behörde das Gremium künftig umgehend über solche Begehungen und die Ergebnisse informieren müsse.

Jörg Utschakowski, in der Behörde für die psychiatrische Versorgung zuständig, betonte, die genannten Mängel seien längst abgestellt: „Jede Zwangsmaßnahme wird individuell begründet.“ Die unglückliche Situation bei der Absonderung in den Beobachtungsräumen sei Umbauarbeiten geschuldet gewesen. Die Räume würden nur für kurzfristige Isolierungen genutzt. Senatorin Quante-Brandt wies den Vorwurf zurück, ihre Behörde habe nicht frühzeitig berichtet: „Wir haben die Besuchskommission darüber informiert, künftig werden wir auch die Deputierten informieren.“

Die Mitglieder der Gesundheitsdeputation stimmten zudem für die Berufung von Julia Benz als neue Patientenfürsprecherin in der Forensik des Klinikums Ost.

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