Bremer Hochschulen begrüßen Sonderprogramm des Bundes Mehr Geld für Unis und Hochschulen

Bremen. An den Bremer Hochschulen wird es eng: 2011 drängt der doppelte Abi-Jahrgang an Unis und Hochschulen - Hintergrund ist die Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre. Bund und Länder steuern mit dem Hochschulpakt 2020 gegen, um zusätzliche Kapazitäten aufzubauen.
05.04.2010, 13:50
Lesedauer: 3 Min
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Von Elke Gundel

Bremen. An den Bremer Hochschulen wird es in den kommenden Jahren eng: 2011 drängt der doppelte Abi-Jahrgang aus Niedersachsen an Unis und Hochschulen - Hintergrund ist die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur auf zwölf Jahre. Und 2012 folgt der doppelte Abi-Jahrgang in Bremen selbst. Bund und Länder steuern mit dem Hochschulpakt 2020 gegen, um zusätzliche Kapazitäten aufzubauen. Zudem hat der Bund gerade ein Sonderprogramm angeschoben, um die Qualität in der Lehre zu verbessern.

800.000 Millionen Euro sollen dafür zusätzlich an die Hochschulen fließen; Bund und Länder, so die Konzeption, sollen sich diese Summe teilen. Wilfried Müller, Rektor der Bremer Uni, begrüßt den Vorstoß von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU): 'Es ist ein kleiner Schritt, um die Länder zu unterstützen.' Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), erklärt Müller die bisherigen Verabredungen, solle Träger des Sonderprogramms werden und die Mittel verteilen. Als Grundlage dienten dabei klar definierte Kriterien, die darauf abzielten, herausragende Lehr-Konzepte zu unterstützen beziehungsweise möglich zu machen. Solche Sonderprogramme, fügt Müller hinzu, 'nützen allerdings nichts, wenn die Grundfinanzierung der Hochschulen nicht stimmt'. Schließlich seien sie dazu gedacht, den Unis und Hochschulen echte zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten - und nicht dazu, Löcher im Etat zu stopfen.

Keine zusätzlichen Landesmittel

Auch der Rektor der Hochschule Bremerhaven, Josef Stockemer, bewertet den Vorstoß von Annette Schavan positiv. 'Das ist auf jeden Fall eine feine Sache.' Allerdings rechne er damit, dass sich lediglich die Bundesmittel als echtes Plus in seinem Haushalt bemerkbar machen. Zwar werde Bremen alles dafür tun, um an dem Sonderprogramm teilzuhaben und deshalb auch für die nötige Co-Finanzierung sorgen, ist sich Stockemer sicher. Ebenso wie in einem anderen Punkt: Angesichts chronisch leerer Kassen wird Bremen diese Gegenfinanzierung nicht als zusätzliche Mittel zu den bereits laufenden Ausgaben für die Hochschulen bereitstellen können. So sei auch schon die Co-Finanzierung für den Hochschulpakt I (Laufzeit bis 2010) zum Teil aus den 7,5 Millionen Euro jährlich bestritten worden, die Rot-Grün den bremischen Hochschulen eigentlich für Verbesserungen in der Lehre zugestanden habe.

Wie berichtet, hatten sich Bund und Länder im Rahmen des Hochschulpaktes I darauf verständigt, bis 2010 bundesweit gut 91.000 zusätzliche Studienplätze zu schaffen. Hintergrund neben den doppelten Abi-Jahrgängen, die in den einzelnen Bundesländern nach und nach die Schulen verlassen: Im internationalen Vergleich bildet Deutschland zu wenige Akademiker aus. Diese Marke ist bereits im vergangenen Jahr mit fast 102000 zusätzlichen Studienplätzen deutlich übertroffen worden.

Mit dem Hochschulpakt II haben sich Bund und Länder dann darauf geeinigt, von 2011 bis 2015 rund 275.000 extra Plätze für Erstsemester bereitzustellen. Dabei ist die Finanzierung dieser neuen Kapazitäten umgestellt und verbessert worden. Für jeden zusätzlichen Studienplatz zahlt der Bund einmalig 10.000 Euro; Bremen legt noch einmal dieselbe Summe obendrauf. Als Referenzgröße gilt für den Zwei-Städte-Staat dabei die Zahl 4536: Für jeden Erstsemester mehr, der sein Studium in Bremen beginnt, greift sie Finanzierung über den Hochschulpakt.

Für Uni und Hochschulen hat das jedoch nicht nur positive Folgen. Über den Hochschulpakt werden Kapazitäten für einen begrenzten Zeitraum finanziert. Zusätzliche feste Stellen oder gar Professuren lassen sich so nicht schaffen - denn die Hochschulen müssten diese Posten aus ihren Grundetats weiter bezahlen, wenn der Hochschulpakt ausläuft. Dafür fehlt das Geld. Also müssen sich die Einrichtungen zum Beispiel mit Lehraufträgen oder befristet beschäftigten Lehrkräften für besondere Aufgaben behelfen. Ein weiterer Punkt, der die Hochschulen vor Probleme stellt: Die Mittel aus dem Hochschulpakt sind einmalige Zahlungen. Mit den realen Kosten eines Studiums hat das allerdings wenig zu tun. Für einen Studenten, der dreieinhalb Jahre bis zum Abschluss braucht, gibt es genauso viel Geld wie für einen Kommilitonen, der noch ein Jahr dranhängt. Außerdem sind die Studienplätze je nach Fachrichtung unterschiedlich teuer. Ein Studiengang in den Natur- oder Ingenieurwissenschaften, so die Einschätzung von Fachleuten, kostet etwa dreimal so viel wie in den Geisteswissenschaften.

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