Zweite Auslauffläche eröffnet

Mehr Hundeplätze für Bremen

Sieben Jahre hat es gedauert, um zwei öffentliche Hundeplätze in Bremen einzurichten. Nun kommt offenbar Bewegung in den schleppenden Ausbau. Die Behörde prüft weitere acht bis zehn Freilaufflächen.
15.07.2018, 14:15
Lesedauer: 4 Min
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Von Karin Mörtel und Sebastian Krüger
Mehr Hundeplätze für Bremen

Der fünfjährige Merlin jagt in Höchstgeschwindigkeit über die eingezäunte Hundewiese, um sein Spielzeug zu erwischen.

Walter Gerbracht

In den stockenden Ausbau öffentlicher Hundefreilaufflächen in Bremen kommt Bewegung: Die Baubehörde erklärt nach Recherchen des WESER-KURIER nun die Pilotphase für beendet und will schnellstmöglich in die konkrete Planung von möglicherweise acht bis zehn weiteren Arealen einsteigen. Bislang gibt es nur in Sebaldsbrück am Rande des Carl-Goerdeler-Parks sowie in den Neustadtswallanlagen neben dem Neustadtsbahnhof zwei umzäunte Flächen, auf denen Hundehalter ihre Vierbeiner ganzjährig legal frei laufen lassen können.

Der allgemeine Leinenzwang von Hunden während der Brut- und Setzzeit endete zwar am 15. Juli. Dennoch heißt es nicht automatisch "Leinen los" in Bremen. Denn in der Hansestadt gilt weiterhin eine allgemeine Leinenpflicht in von Menschen stark besuchten Bereichen wie Fußgängerzonen, öffentlichen Verkehrsmitteln und Einkaufszentren sowie in abgegrenzten Park-, Garten- und Grünanlagen, die der Allgemeinheit zugänglich sind.

Nur knapp nach der Eröffnung der zweiten Auslauffläche in der Neustadt haben die Fachleute des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr nun offenbar genug Erfahrungen gesammelt, um den nächsten Schritt zu gehen. "Wir wissen, dass der Bedarf für solche Angebote da ist und diese gut angenommen werden", sagt Behördensprecher Jens Tittmann. Außerdem habe sich die Fachabteilung einen genauen Überblick verschafft, welche Kosten auf die Stadt zukommen, wenn weitere Flächen in umzäunte Hundewiesen umgewandelt werden.

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In Sebaldsbrück sind 16 000 Euro geflossen in einen stabilen und bissfesten Zaun um eine bestehende Wiese mit einem kleinen Wäldchen von insgesamt 6000 Quadratmetern Fläche. In der Neustadt musste ein ehemaliger Lagerplatz des Umweltbetriebs entsiegelt und in eine Hundewiese umgebaut werden. Kostenpunkt: 30 000 Euro für 1500 Quadratmeter Platz, wo Hunde frei toben und spielen können.

"Wir prüfen derzeit, aus unserem Haushalt insgesamt acht bis zehn Flächen zu realisieren", so Tittmann. Tierschützer kritisieren seit Jahren, dass eine artgerechte Tierhaltung angesichts der weitreichenden Leinenpflicht in Bremen quasi nicht möglich sei. Zumindest, solange weitere Hundeauslaufflächen auf sich warten ließen.

Es sei keineswegs Aufgabe der Stadt, für eine artgerechte Tierhaltung zu sorgen, betont Tittmann. "Das ist ganz klar Aufgabe der Besitzer, die einen Hund in der Großstadt halten wollen", stellt der Behördensprecher klar. Städtebaulich mache es dennoch Sinn, den Ausbau voranzutreiben, ist aus der Behörde von Senator Joachim Lohse (Grüne) zu erfahren. "Denn durch die Auslaufmöglichkeiten für Hunde entstehen auch wichtige Kontaktpunkte für Nachbarschaften, die Ausdruck einer vitalen Stadtentwicklung sind", so Baustaatsrat Jens Deutschendorf (Grüne).

Gespräche für weitere Flächen laufen

"Letztlich werden die Abgeordneten der Bremischen Bürgerschaft darüber entscheiden, ob das Geld dafür da ist und wie viele weitere Flächen wir suchen und realisieren sollen", so Tittmann. Derzeit bereite das Ressort einen ausführlichen Bericht an die Baudeputierten für die kommende Sitzung im August vor. Parallel dazu laufen Gespräche mit Immobilien Bremen, welche städtischen Flächen kostengünstig für Hundeauslaufflächen genutzt werden könnten – "natürlich nur dort, wo keine Kita oder eine andere dringend benötigte Einrichtung gebaut werden kann", versichert Tittmann.

Der Aufruf an die Bremer Ortsbeiräte, passende Flächen zu melden, hätte indes nur ein äußerst mageres Ergebnis gebracht: Die meisten Vorschläge seien nicht brauchbar gewesen. Entweder, weil es sich um kein städtisches Gelände gehandelt habe oder weil Rechtsvorschriften wie beispielsweise der Hochwasserschutz oder der Emissionsschutz dagegen gesprochen hätten. "Anwohner dürfen durch bellende Hunde nicht gestört werden", betont Behördensprecher Tittmann. Dennoch wolle die Baubehörde mit den neuen Vorschlägen erneut an die einzelnen Beiräte herantreten und direkt in den Stadtteilen abklären, welche Projekte in Zukunft umsetzbar seien.

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Bereits im September 2011 hatte die Stadtbürgerschaft beschlossen, entsprechende Flächen auszuweisen. Dass innerhalb von sieben Jahren nur zwei davon entstanden sind, kann Frank Imhoff (CDU) nicht verstehen und hat in der Baudeputation bei der Verwaltung um Aufklärung über den Sachstand gebeten.

"Zu einer artgerechten Haltung gehört, dass Hunde auch mal Freilauf bekommen", sagt Imhoff. Viele würden immer nur von den Brutzeiten sprechen, in denen Hunde angeleint werden sollen. Was aber nur die wenigsten wüssten: "Fast alle Grünflächen in Bremen und umzu sind Natura-2000-Schutzgebiete. In denen gilt eine ganzjährige Leinenpflicht." Es müsse mehr Freilaufflächen geben, sagt Imhoff, der selbst Hundebesitzer ist.

"Wir fordern schon lange, dass die Stadt mehr Freilaufflächen zur Verfügung stellt", sagt Gaby Schwab, Sprecherin des Tierschutzvereins Bremen. Das diene auch dem sozialen Miteinander. "Es sollte in jedem Stadtteil eine solche Fläche geben. Es können ja nicht alle nach Sebaldsbrück fahren." Sie zähle etwa 12 000 Hundebesitzer in Bremen, die alle Hundesteuer zahlten. "Ich weiß, die Steuer ist nicht zweckbezogen. Aber einen Teil davon könnte man doch wirklich mal in gesicherte Freilaufflächen investieren", fordert sie.

Die Hundesteuer beträgt in Bremen 150 Euro jährlich pro Hund. Dienst- und Blindenhunde sind davon ausgenommen. Die Steuer ist jedoch nicht direkt für Ausgaben mit Bezug zu Hunden vorgesehen, sie fließt in die Finanzierung aller kommunaler Aufgaben.

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