Konzept für Vegesacker Uferzone

Mehr Maritimes für die Meile

Vor Jahren sollte eine maritime Stiftung her, um den Museumshaven voranzubringen. Jetzt versucht der MTV Nautilus die Maritime Meile attraktiver zu machen – mit neuen Partnern.
16.04.2018, 18:40
Lesedauer: 4 Min
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Von Christian Weth
Mehr Maritimes für die Meile

Die Promenade der Maritimen Meile: Fünf Vereine haben sich zusammengeschlossen, um die 1852 Meter lange Uferzone voranzubringen. Ein erstes Projekt wird jetzt realisiert.

Maximilian von Lachner

Der MTV Nautilus hat sein Ziel geändert: Erst sollte eine maritime Stiftung her, um vor allem den Museumshaven voranzubringen. Jetzt geht es ihm darum, mehr aus der Maritimen Meile zu machen – ohne Stiftung, aber mit einem Bündnis, das es so noch nicht gegeben hat. Statt noch einmal die Stadt um Hilfe für den Hafen zu bitten, ist der Verein auf andere Vereine zugegangen. Seit Monaten beraten sie, wie die 1852 Meter lange Uferzone attraktiver werden könnte. Mittlerweile gibt es einen Entwurf für ein Konzept. Und ein erstes Projekt, das demnächst startet.

Sie sind an diesem Montagmorgen zu siebt im Nautilushaus. Alle Partner der neuen Allianz sind da. Schulschiff-Vorsitzender Claus Jäger sitzt neben Stadtgarten-Chef Heiko Dornstedt, Rolf Noll vom Kutter- und Museumshaven-Verein neben Wolfgang Helms und Fritz Rapp vom Vegesack Marketing, MTV-Chef Thomas Rutka gegenüber von Norbert Lange-Kroning, der Schatzmeister und Projektbeauftragter in einem ist. Zusammen bilden sie die „Arbeitsgemeinschaft Maritime Meile“ – und erklären, was demnächst anders wird: Die „Vegebüdel“, die gerade für einen fünfstelligen Betrag überholt wird, soll Ende Mai mit Touristen auf Fahrt gehen. Kostenlos.

Sponsoren sollen für Fahrten aufkommen

Wer bezahlt, wenn nicht die Fahrgäste bezahlen, das erläutern später Thomas Rutka und Norbert Lange-Kroning. Beide sprechen von Sponsoren, die dafür aufkommen, dass die Barkasse umsonst Passagiere mitnimmt. Die Bündnispartner für die Meile machen nämlich, was MTV-Mann Lange-Kroning und Claus Jäger vom Förderverein des Schulschiffs vor Jahren schon einmal gemacht haben: Sponsoren suchen, diesmal nicht für den Museumshaven im Besonderen, sondern für Projekte entlang der Uferzone im Allgemeinen. Mehr als 30 Firmen sind bisher angeschrieben worden, mindestens 40 Förderer sollen es werden. Wie viele Zusagen zurückgekommen sind, sagt Vereinschef Rutka zwar nicht, aber: „Die Unterstützung der Unternehmen ist beachtlich.“

Die Verbündeten versuchen jetzt, ohne Bürgermeister und ohne Stiftung, die maritime Seite Vegesacks aufzupolieren. Carsten Sieling (SPD) findet zwar auch, dass die Meile wichtig ist. Nur eine private Stiftung, wie sie Lange-Kroning und Claus Jäger ihm damals vorschlugen, dürfe die öffentlich Hand nun mal nicht unterstützen. Die Vereinsfunktionäre argumentierten anders: Jeder Euro, der kommt, wird wieder ausgegeben – für Vegesack, für Besucher. So gesehen, meinten sie seinerzeit, wäre die private Stiftung eigentlich eine gemeinnützige. Und hätten sie es leichter, Sponsoren zu gewinnen, wenn Bremen als Förderer voranginge.

Beispiel Hamburg

So wie in Hamburg, wo der Senat zwar kein Geld, aber einer Stiftung einen Hafenschuppen zum Umbau überlassen hat. Und wo seither immer mehr alte Schiffe wieder flottgemacht werden, damit Besucher mit ihnen fahren können. Die „Vegebüdel“ wird dagegen das erste Schiff sein, das Vegesacker Touristen regelmäßig und zu festen Zeiten an Bord nimmt. Der Hafen soll damit bekommen, was den Vereinen lange gefehlt hat: die Möglichkeit für Gäste, nicht bloß das Wasser zu sehen, sondern auch aufs Wasser zu kommen.

Die Barkasse ist nur ein Projekt von mehreren Vorhaben im vorläufigen Konzept der Arbeitsgruppe. Ein Dutzend Spiegelstriche hat der Plan, mit dem die Bündnispartner die Maritime Meile attraktiver machen wollen, vor allem erlebbarer. Für MTV-Chef Rutka und seinen Projektbeauftragten Lange-Kroning gibt es entlang der Uferzone viele Anlaufstellen für Besucher, aber nur wenige, an denen ihnen jemand etwas erklärt oder sie etwas ausprobieren können. Die Verbündeten wollen mehr Wissen über Schifffahrt, Technik und Natur vermitteln, am besten auf spielerische Art. Auch das geht aus dem Konzeptentwurf hervor.

Fünf Seiten hat das Papier. Es listet auf, was es an der Maritimen Meile gibt und was dazukommen beziehungsweise verändert werden könnte. Auch der Umbau der Gezeitenstation, die längst beschlossen ist, wird aufgeführt. Das Gebäude gehört dem MTV. Es soll nach Vorbild des Universums eine Art Mitmach-Museum werden, nur eben im Kleinen: Wie funktionieren Ebbe und Flut? Welche Wasserstände werden gerade in Bremen, Vegesack und Brake gemessen? Wie sieht die Arbeit auf einer Werft aus? Antworten sollen Besucher auf Tafeln, Bildschirmen, aber auch mithilfe von Exponaten zum Ausprobieren bekommen.

Station wird im Juni eröffnet

Stadtgarten-Chef und Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt geht davon aus, dass die Gezeitenstation im Juni eröffnet wird. Welches Projekt als Nächstes folgt, ist offen. Die Bündnispartner denken an weitere Schiffe, die Besucher zu Ausflugsfahrten mitnehmen. An Kurse für Wassersportler, die vom Förderverein des Schulschiffs geleitet werden. An einen Logger, dessen Crew nicht bloß vom Heringsfang erzählt, sondern auch Heringe verkauft. An mehr Hinweistafeln, die Besucher einerseits über die Meile lotsen und ihnen andererseits erklären, was sie sehen: was es etwa mit dem Schlepper „Regina“ an der Schulkenstraße auf sich hat, dem Stadtgarten, der Signalstation.

Für die meisten Projekte haben sich die Verbündeten eine vage Frist gesetzt: Ginge es nach ihnen, wäre ein Großteil der Vorhaben bis 2021 realisiert. Für andere will sich die Allianz mehr Zeit lassen. Zum Beispiel für ihre Idee einer Rutsche am Geesthang. Für Fahrten des Rettungskreuzers „Bremen“ samt Tochterboot „Vegesack“, bei denen jeder mitkann. Für einen Kiosk oder einen kleinen Laden am Ufer, bei dem es Getränke, Fischbrötchen und Eis zu kaufen gibt. Und für einen zehn Meter hohen Miniatur-Nachbau des Hammerkrans der früheren Vulkan-Werft, der in Nachbarschaft zum Schlepper „Regina“ aufgestellt werden könnte.

Einige Vorschläge gab es schon mal, andere sind neu. Oder kommen neu dazu. Für die Bündnispartner ist die Liste der Projekte keineswegs abgeschlossen und das Konzeptpapier eine Grundlage für weitere ­Gespräche. Dazu laden sie jedenfalls Förderer ein. Demnächst soll es ein erstes Treffen geben.

Info

Zur Sache

Fahrten mit der "Vegebüdel"

Der Motor der Barkasse wird zwar noch repariert, doch Ende Mai sollen die ersten Passagiere mit auf die Weser genommen werden – zunächst an den Wochenenden, später auch werktags. Ein genauer Plan, wann die "Vegebüdel" im Museumshaven ablegt, wird gerade vorbereitet. Die Arbeitsgemeinschaft "Maritime Meile Vegesack" will verschiedene Fahrten anbieten: mal auf der Lesum, mal entlang der Vegesacker Uferzone, mal bis zum Bunker "Valentin". Das Schiff hat Platz für zwölf Personen. Die Crew besteht aus drei Mitgliedern. Sie soll den Passagieren nicht bloß erklären, was sie während der Fahrt zu sehen bekommen, sondern auch das fast 70 Jahre alte Schiff und seine Technik. Der Motor, ein Drei-Zylinder der Firma Deutz, ist älter als die Barkasse. Er wurde 1938 gebaut und gilt beim MTV Nautilus, der die "Vegebüdel" zur Verfügung stellt, als etwas Besonderes: Der Motor wird nicht über eine einfache Zündung gestartet, sondern mit einem Schwungrad.

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