Haus der Zukunft in Lüssum: Themenwoche soll Vorurteile abbauen

Mehr Routine im Umgang mit Demenz

Lüssum. Die gute Nachricht: Alt werden heißt nicht prinzipiell dement werden – und Vergesslichkeit ist nicht gleich ein Zeichen von Demenz. Die schlechte Nachricht: Wir werden alle älter, die Gefahr der Demenz steigt damit bei jedem. Mit diesem Einstieg in die Themenwoche "Demenz" machte Psychiaterin Beate Hüttemann gleich zwei Dinge deutlich: "Das Thema Demenz wird aufgrund des demografischen Wandels immer relevanter." Außerdem ist es ein sehr komplexes Thema, denn unter dem Oberbegriff Demenz versteht man circa 50 verschiedene Formen eines krankhaften Prozesses des Gehirns.
19.09.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Iris Messerschmidt
Mehr Routine im Umgang mit Demenz

Trude Redeker und eine ihrer Puppendamen begleiteten den Demenzvortrag.

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Lüssum. Die gute Nachricht: Alt werden heißt nicht prinzipiell dement werden – und Vergesslichkeit ist nicht gleich ein Zeichen von Demenz. Die schlechte Nachricht: Wir werden alle älter, die Gefahr der Demenz steigt damit bei jedem. Mit diesem Einstieg in die Themenwoche "Demenz" machte Psychiaterin Beate Hüttemann gleich zwei Dinge deutlich: "Das Thema Demenz wird aufgrund des demografischen Wandels immer relevanter." Außerdem ist es ein sehr komplexes Thema, denn unter dem Oberbegriff Demenz versteht man circa 50 verschiedene Formen eines krankhaften Prozesses des Gehirns.

"Egal, in welchem Umfeld wir uns bewegen, das Thema Demenz ist immer gegenwärtig." Initiatorin Karin Buß von der Aufsuchenden Altenarbeit Blumenthal zeigte am Montagabend auf, warum sich im Haus der Zukunft eine Woche lang alles um das Thema Demenz dreht.

Gemeinsam mit Christina Klebeck vom Mehrgenerationenhaus Lüssum, Ursula Nabor vom Stiftungsdorf Rönnebeck sowie Marion Woyczeck von der Paritätischen Gesellschaft für Soziale Dienste organisierte sie am "Runden Tisch: Älter werden in Blumenthal" die Themenwoche mit Vorträgen, Info- und Filmabenden sowie Gesprächen.

"Gedächtnisverlust und Sprachstörungen machen im Zweifel vor niemandem Halt", stieg auch Blumenthals Ortsamtsleiter Peter Nowak ins Thema ein. Damit machte er auf den Bundespräsidenten Heinrich Lübke aufmerksam, "der vielen vermutlich nur als ,trotteliger Bundespräsident’ (von 1959 bis 1969) in Erinnerung geblieben ist". Dabei litt Lübke an Zerebralsklerose, eine Form der Demenz. Nowak appellierte: "Wir müssen einen routinierten, gesellschaftlichen Umgang mit der Volkskrankheit Demenz pflegen."

Diesen Hinweis griff auch die Ärztin, Beate Hüttemann, auf. "Von einem routinierten Umgang mit Demenz, einer professionellen Handhabung sind wir noch weit entfernt." Mehr als eine Million Menschen in Deutschland leiden laut Hüttemann an Demenz, mit zunehmender Tendenz. Vor allen Dingen in den Altenheimen seien die Probleme spürbar, "und das Pflegesystem ist noch lange nicht nach einem routinierten Umgang mit Demenz ausgerichtet".

Lebhafte Diskussionen und ein reger Austausch zog nicht nur der Vortrag der Psychiaterin nach sich. Auch Rita Rothermel vom Pflegestützpunkt Bremen-Nord hatte das Interesse zahlreicher Zuhörer auf ihrer Seite. Sie referierte über das Thema, welche Leistungen es für Menschen mit Demenz gibt und wie diese beantragt werden können. Im Fokus ihres Referates standen die speziellen Ansprechpartner in Bremen-Nord, beispielsweise Dienstleistungszentren, Demenzcafé, wer zuhause oder tageweise Hilfe leistet und wie die von den Kassen beantragten Pflegesätze konkret eingesetzt werden können.

Weitere Termine der Themenwoche: Heute von 15 bis 17 Uhr Tanzcafé für Menschen mit und ohne Demenz im Stiftungsdorf Rönnebeck; morgen von 18 bis 20 Uhr der Film- und Gesprächsabend im Haus der Zukunft "Pandoras Box" und Freitag, 18 bis 20 Uhr, ein Gottesdienst zum Welt-Alzheimertag 2012.

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