Findorff

Mehr Sicherheit ohne großen Aufwand

Findorff. Findorffer setzen sich mit dem Aktionstag "Anliegen und Wachklingeln" für die Umgestaltung der Münchener Straße undfür mehr Sicherheit sowie Aufenthaltsqualität an der Findorffer Straße ein.
27.09.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten
Mehr Sicherheit ohne großen Aufwand

Schülerinnen und Schüler hielten den Autofahrern am Zebrastreifen an der Münchener Straße nicht nur Plakate entgegen. Für die Bürgersteige wurden Sonnenliegen ausgeliehen und aufgestellt, obwohl die Münchener Straße wahrhaftig nicht zum Entspannen einlädt.

Roland Scheitz

Findorff. Mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung, einer Fahrbahnmarkierung für Radfahrer und einer einheitlicheren Parkordnung wäre für die Münchener Straße bereits viel gewonnen, finden die Organisatoren des Aktionstages "Anliegen und Wachklingeln": Mehr Sicherheit und Aufenthaltsqualität an der Findorffer Straße, die viel und oft zu schnell befahren wird.

Nicht schnell genug geht es ihnen dabei bei der Umsetzung der verkehrsberuhigenden Maßnahmen. Denn wenn auf dem Gestra-Gelände gebaut wird, steht der Münchener Straße noch viel mehr Verkehr bevor.

Man könnte sich die Münchener Straße als Prachtallee vorstellen – vereinzelte alte Bäume und respektable Altbauten erinnern daran, wie die Straße einst einmal gewirkt haben muss. Doch so weit wollen die Findorffer Aktivisten gar nicht gehen, die am vergangenen Freitag auf ihr Anliegen aufmerksam machen wollten: Sie fordern mehr Aufenthaltsqualität durch eine Reihe verkehrsberuhigender Maßnahmen, die schnell, ohne großen Aufwand und ohne Riesenkosten umzusetzen wären. Und die sollte sich nach Ansicht der Organisatoren im Sinne der Sicherheit seiner Bürger auch das Haushaltsnotlageland Bremen durchaus leisten.

"Sichere Wege für die Schulkinder" oder "Radfahrer schützen, nicht rasen", lauteten die Slogans auf den Transparenten, die Findorffer Schülerinnen und Schüler den Autofahrern am Zebrastreifen an der Münchener Straße entgegen hielten. Für die Bürgersteige wurde eine Reihe von Sonnenliegen vom Torfhafen ausgeliehen, doch zum Entspannen lädt die Münchener Straße zurzeit wahrhaftig nicht ein. Die Probleme seien inzwischen unübersehbar, finden nämlich die Organisatoren des Aktionstages "Anliegen und Wachklingeln": "Früher war die Münchener Straße eine beliebte Einkaufsstraße, aber nach und nach geben dort die letzten Geschäfte auf. Was die Verkehrssituation anbelangt, erreichen uns viele Beschwerden", erläuterte Ulf Jacob von der Initiative "Leben in Findorff".

Schulleiter unterstützt Anliegen

Ein Anliegen sei die Umgestaltung der Münchener Straße auch für die Oberschule Findorff, erklärte Schulleiter Stephan Michael, der mit einer großen Gruppe seiner Schülerinnen und Schüler an die Ecke Augsburger/Münchener Straße gekommen war. Als Fahrradfahrer versuche er selbst, die Münchener Straße zu meiden, und das Kollegium der Schule rate das auch den Schülern. Wer in Richtung Schule oder Bezirkssportanlage die Straße queren muss, könne täglich heikle Situationen beobachten, berichteten die Oberstufenschüler Nicolas und Björn, beide 17 Jahre: "Die Autos fahren hier extrem schnell, und der Zebrastreifen wird oft einfach ignoriert", weiß Björn. Ralph Saxe, als verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Bürgerschaftsfraktion Gast der Aktion, befand: "Die Aufenthaltsqualität ist katastrophal." Das "Kardinalproblem" für Klaus-Peter Land, Geschäftsführer des Bremer ADFC: "Die Münchener Straße ist eine breite Schneise, die schon optisch zum Rasen einlädt." Und Klaus Prietzel, der sich für den BUND Bremen ein Bild von der Situation machte, diagnostizierte "ein ständiges Rauschen, Lärm und Gestank, und alles ist von chaotisch parkenden Autos zugestellt. Dabei ist die Münchener Straße eine zentrale Wohnstraße."

Eine Verbesserung der Situation könnte bereits mit einer Reihe von Maßnahmen erreicht werden, die die Stadt nicht sonderlich teuer zu stehen kämen, erklärten die Organisatoren. Dazu gehört eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 40 Stundenkilometer, mit der auch die BSAG einverstanden wäre, wie Ulf Jacob berichtete. Eine Markierung von Fahrradstreifen würde für mehr Sicherheit sorgen, die Straße sei dafür breit genug. Auch eine Neuordnung des ruhenden Verkehrs anstelle kreuz und quer parkender Fahrzeuge wäre unkompliziert durchführbar, so Jacob. Für Entlastung könnte schließlich die Einrichtung einer Car-Sharing-Station sorgen: "Die Statistik sagt, dass mit einem einzigen Car-Sharing-Auto zehn Privatfahrzeuge eingespart werden."

Einen fertigen Plan für die Umgestaltung der Münchener Straße gibt es schon lange. Er stammt aus dem Jahr 2006 und schlummert seither in Behördenschubladen. Auf eine Umsetzung hatte man den Findorffern aufgrund fehlender Mittel bislang keine Hoffnung gemacht, erklärte Beiratsmitglied Stefan Bendrien (Grüne). Dem Findorffer Beirat sei es aber ein Anliegen, dass sich hier möglichst schnell etwas ändere. "Wenn auf dem Gestra-Gelände die Bauarbeiten beginnen, wird das Verkehrsaufkommen in der Münchener Straße deutlich steigen", mahnt der Stadtteilpolitiker. Handlungsbedarf sieht auch Ralph Saxe. Er werde das Thema in die Verkehrsdeputation tragen, versprach der Bürgerschaftspolitiker den Findorffern. Und sollten sich irgendwann doch die Mittel für eine große Lösung ergeben, wären die Findorffer keineswegs abgeneigt, wie eines ihrer Transparente mit einem Augenzwinkern deutlich machte: "Wenn die Huchtinger nicht wollen", hieß es darauf: "Wir nehmen gerne das Geld!"

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