Das Geschäft mit dem Glücksspiel

Mehr Steuergelder durch Glücksspiel für Bremen und Niedersachsen

Mehr Wetten und höhere Einsätze: Das Sportwettengeschäft boomt. Bremen und Niedersachsen dürfen sich deshalb über mehr Steuereinnahmen freuen.
21.10.2019, 22:06
Lesedauer: 3 Min
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Mehr Steuergelder durch Glücksspiel für Bremen und Niedersachsen
Von Eva Przybyla
Mehr Steuergelder durch Glücksspiel für Bremen und Niedersachsen

In Bremen stiegen die Steuereinnahmen durch Glücksspiel im Jahr 2018 auf 14 Millionen Euro.

Caroline Seidel

In Bremen und in Niedersachsen sind die Steuereinnahmen aus dem Glücksspiel gestiegen – besonders Sportwetten brachten den Ländern mehr Geld. Das teilten das Finanzministerium in Niedersachsen und das Bremer Finanzressort am Montag mit.

2018 erzielte Niedersachsen mehr als 183 Millionen Euro an Einnahmen aus der Rennwett- und Lotteriesteuer. Das sind 7,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. 142 Millionen Euro davon stammten allein aus der Besteuerung von Lotterien und Ausspielungen. Den Rest trugen Einnahmen aus Wetteinsätzen bei Pferderennen und Sportwetten bei. Bremen verzeichnet dagegen durch Glücksspiel einen Steuerzuwachs von sechs Prozent. So stiegen die Steuereinnahmen von rund 13,2 Millionen Euro im Jahr 2017 auf 14 Millionen Euro (2018).

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Der Zuwachs ist laut Finanzressort ausschließlich auf die Mehreinnahmen aus Sportwetten zurückzuführen. Auch Kai Bernhardt, Sprecher des Finanzministeriums in Niedersachsen, sieht dort den größten Zugewinn. Er gab an, dass die Einnahmen aus der Sportwettensteuer innerhalb eines Jahres um 19,6 Prozent gestiegen seien. So nahm das Bundesland 2018 41,5 Millionen Euro ein. Im Vorjahr waren es noch 34,7 Millionen Euro.

Einen ähnlichen Trend beobachtet Bernhardt bundesweit. Warum Anbieter wie etwa Bwin oder Tipico 2018 den Ländern mehr Steuergelder brachten, erklärt der Ministeriumssprecher mit großen Sportereignissen im vergangenen Jahr. Zudem sei die Anzahl der Wetten und die der Wetteinsätze gestiegen. „Diese Entwicklung dürfte sich auch 2019 fortsetzen“, sagte Bernhardt.

„Der Sportwettenmarkt explodiert“

Tobias Hayer, Glücksspiel-Experte der Universität Bremen, findet deutliche Worte: „Der Sportwettenmarkt explodiert.“ Die Suchtgefahren, die damit einhergehen könnten, seien nicht zu unterschätzen. Experten warnen schon seit Jahren vor der Suchtgefahr von Sportwetten. Sie gehören nach dem Automatenspiel zu den Glücksspielen mit dem höchsten Suchtpotenzial.

In Bremen hat sich dies bereits bemerkbar gemacht, wenn man Hayer glaubt: „Unter den Hilfe suchenden Glücksspielern ist der Anteil der Sportwetter gestiegen.“ Am häufigsten betroffen sind Hayer zufolge junge Männer mit Migrationshintergrund. Dass Sportwetten zu den Glücksspielen zählen und süchtig machen können, wollten sie oft nicht einsehen. „Gerade junge Leute sind überzeugt davon, ihr vermeintliches Fachwissen im Sport zu Geld machen zu können. Das funktioniert aber nicht“, sagt der Bremer Psychologe.

Doch nicht nur das mangelnde Problembewusstsein macht laut Hayer den Kampf gegen die Sucht schwer. Auch die große Präsenz der Sportwettenanbieter in Fußballstadien, Werbung und Straßenbild trage dazu bei. In den vergangenen Jahren hätten die Spielanreize so deutlich zugenommen. „Viel Werbung ist für die Suchtprävention fatal“, sagt er.

Gesetzeslage ändert sich

Für die gewachsene Präsenz der Sportwettenanbieter sieht Hayer einen möglichen Grund: Im Januar ändert sich für sie die Gesetzeslage. Dann nämlich tritt die Neuregelung des Sportwettenmarktes in Kraft, auf die sich die Länder im März geeinigt haben. Mittels Konzessionen können sich dann viele Anbieter aus der rechtlichen Grauzone bewegen, in der sie heute arbeiten. Dafür müssen sie sich jedoch auch an vorgeschriebene Regeln halten. Die Befürchtung der Sportwettenanbieter könnte nun lauten: gleiche Regeln, gleichartige Produkte. Die Angebote könnten ihr Alleinstellungsmerkmal also einbüßen und verwechselbarer werden. Dieser Logik folgend wäre es für die Anbieter sinnvoll, vor dem Jahreswechsel noch möglichst viele Kunden an sich zu binden.

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Über die Steuereinnahmen durch das Glücksspiel dürften sich dennoch Politik und Verwaltung in Bremen und Niedersachsen freuen. Nach Angaben des Finanzsprechers Bernhardt fließen die Einnahmen dem niedersächsischen Landeshaushalt zu. Eine gesonderte Zweckbindung sei rechtlich nicht gegeben und auch nicht vorgesehen. Gleiches gilt laut Finanzressort für Bremen.

Ideen für eine andere Verwendung äußerte kürzlich eine Sprecherin der Landesfachstelle Glücksspielsucht in Schwerin. Sie forderte Mecklenburg-Vorpommern auf, einen Teil der Steuereinnahmen aus Sportwetten für die Suchtprävention zur Verfügung zu stellen.

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