Kriminalstatistik

Mehr Straftaten aufgeklärt

Bremen. Bremen hat immer noch den Ruf einer Kriminalitätshochburg. Beim Vergleich der Bundesländer schneiden die Stadtstaaten traditionell schlecht ab. Ein Vergleich mit anderen Städten indes zeigt: Die Lage in Bremen ist differenzierter.
16.05.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Mehr Straftaten aufgeklärt
Von Norbert Holst
Mehr Straftaten aufgeklärt

Enkeltrick-Betrug und andere Strafttaten zum Nachteil älterer Menschen sind in der Polizeilichen Kriminalstatistik nicht extra erfasst. Das soll sich ändern, fordert die CDU. Der Senat müsse sich bei der Innenministerkonferenz dafür einsetzen.

dpa

Berlin·Bremen. Bremen hat immer noch den Ruf einer Kriminalitätshochburg. Grund: Beim Vergleich der Bundesländer schneiden die Stadtstaaten traditionell schlecht ab. Ein Vergleich mit anderen Städten indes zeigt: Die Lage in Bremen ist differenzierter.

Geht man von den nackten Zahlen aus, dann ist die Kriminalstatistik 2012 eindeutig: Im Vergleich der Großstädte liegt Bremen mit 13.298 Fällen pro 100.000 Einwohner auf dem siebten Rang. Negativer Spitzenreiter ist Frankfurt am Main, direkt vor Bremen liegt Hannover, Hamburg wäre sicherer als die Hansestadt. Die Fallzahlen allein sagen aber noch nicht viel über die "Gefährlichkeit" einer Stadt aus, weil zum Beispiel auch Schwarzfahrer und Zolldelikte mit in die Statistik einfließen.

Insgesamt gab es in der Stadt Bremen im vergangenen Jahr 72.913 Straftaten. 2011 waren es noch 77.264 gewesen. Das bedeutet einen Rückgang der Kriminalität um 5,6 Prozent. Nur Duisburg kann von den Städten vergleichbarer Größe eine ähnlich positive Quote vorweisen. In Hannover hingegen ist die Kriminalität im vergangenen Jahr um 4,7 Prozent angestiegen, in Leipzig sogar um 6,7. Bundesweit hat die Kriminalität geringfügig um 0,1 Prozent zugenommen. Insgesamt wurden annähernd sechs Millionen Straftaten verzeichnet, wie aus der gestern von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) präsentierten Kriminalstatistik 2012 hervorgeht.

Während in der Hansestadt insgesamt die Straftaten zurückgegangen sind, gab es im Bereich der Gewaltkriminalität eine Zunahme. 2012 waren es 2943 Fälle im Vergleich zu 2749 im Vorjahr. Im Bundesdurchschnitt indes sind Gewaltdelikte erneut leicht rückläufig gewesen.

Durchwachsen ist Bremens Abschneiden bei Betrachtung der Aufklärungsquote. Die Stadt liegt zwar unter dem Bundesdurchschnitt von 54,4 Prozent (2011: 54,7 Prozent). Allerdings: Die Zahl der aufgeklärten Straftaten konnte von 46,9 auf den Höchststand von 49,5 Prozent gesteigert werden. "Topquote" weisen hingegen Hannover und Nürnberg mit mehr als 62 Prozent auf. In den Deliktfeldern Sachbeschädigung und Körperverletzung werden die Täter in Bremen genauso häufig dingfest gemacht wie in anderen Städten vergleichbarer Größe. In den Bereichen Raub und schwerer Diebstahl liegen die Bremer Zahlen unter dem Durchschnitt.

Ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit sind nach wie vor die Wohnungseinbrüche. Sie haben 2012 in Bremen um 5,8 Prozent zugenommen, deutschlandweit sogar fast um neun Prozent. "Entgegen dem Bundestrend sind die Fallzahlen bei Wohnungseinbrüchen aktuell rückläufig", erklärte gestern die Bremer Polizei. Seit Oktober sei ein "deutlicher Rückgang" zu verzeichnen. Die Polizei führt den positiven Trend auf intensivierte Maßnahmen gegen Einbrüche zurück.

Bund und Länder denken nun über neue Vorschriften für Neubauten nach. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius, derzeit Vorsitzender der Innenministerkonferenz, plädierte bei der Vorlage des Jahresberichts dafür, einen besseren Schutz gegen Einbrecher vorzuschreiben. Abschließbare Fenster und nicht aufhebelbare Terrassentüren sollten bei neuen Häusern zum Standard werden, sagte der SPD-Politiker. Schon jetzt würden 40 Prozent aller Wohnungseinbrüche abgebrochen. "Eine bessere Sicherheitstechnik kann wesentlich dazu beitragen, diese Quote zu erhöhen", meinte Niedersachsens Innenminister.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) macht indes Personalmangel für die Zunahme der Wohnungseinbrüche verantwortlich. Vielerorts fehle das Personal, um Einbrecher intensiv zu verfolgen, erklärte der Bundesvorsitzende Oliver Malchow. "Die schwächer werdende Präsenz der Polizei im öffentlichen Raum lädt Straftäter geradezu ein, in Wohnungen und Häuser einzudringen." Minister Pistorius wies den Vorwurf zurück: "Diese Meinung teile ich nicht."

Im Vergleich schneidet Bremen gar nicht so schlecht ab

Insgesamt rund 230.000 Straftaten sind im vergangenen Jahr mithilfe des Internets in Deutschland begangen worden. Dies bedeutet im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 3,2 Prozent. Den größten Anteil daran haben bei Online-Shops bestellte, aber nicht bezahlte Waren (162.350 Fälle). Die Cyberkriminalität im engeren Sinn – darunter fällt Betrug mit Zugangsberechtigungen, Ausspähen von Daten, Sabotage – hat mit fast 64.000 Fällen einen Rekordwert erreicht. Das sind 7,5 Prozent mehr als im Jahr 2012. Im Bereich Datenmanipulation und Computersabotage gab es 10.857 Fälle, ein Plus von 133,8 Prozent.

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