Mediziner planen Projekt zur Betreuung Drogenabhängiger / Zusammenarbeit mit Polizei und Ortsamt

Mehr Tagesstruktur für Suchtkranke

Burg. Drogenabhängige Patienten, die in der Arztpraxis und Ausgabestelle für Drogenersatzstoffe in der Burger Heerstraße betreut werden, sollen stärker psychosozial begleitet werden. In Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen "Comeback GmbH", einer ambulante Drogenhilfeeinrichtung, planen die Ärzte Wieland Tietje und John Koc tagesstrukturierende Angebote.
13.08.2013, 05:00
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Von Julia Ladebeck
Mehr Tagesstruktur für Suchtkranke

In Burglesum arbeitet Arzt Wieland Tietje eng mit Polizeirevierleiter Gerd Eweg zusammen (von links). Mit Alfred Liebig, Geschäftsführer der Drogenhilfeeinrichtung "Comeback GmbH" soll die psychosoziale Betreuung der Praxis-Patienten ausgebaut werden.

Kosak

Burg. Drogenabhängige Patienten, die in der Arztpraxis und Ausgabestelle für Drogenersatzstoffe in der Burger Heerstraße betreut werden, sollen stärker psychosozial begleitet werden. In Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen "Comeback GmbH", einer ambulante Drogenhilfeeinrichtung, planen die Ärzte Wieland Tietje und John Koc tagesstrukturierende Angebote.

Unterstützt wird das Vorhaben vom Ortsamt und von der Polizei. Wie das Projekt finanziert werden soll, steht indes noch nicht fest. Die Beteiligten hoffen auf Fördergelder und Spenden. Vor fünfeinhalb Jahren zog die Praxis von Marßel nach Burg um – und mit ihr die Probleme, die einige Patienten durch ihre Sucht im Gepäck haben. Unter anderem, das berichtet Gerd Eweg, Leiter des Polizeireviers Lesum, entstand ab 2010 ein Drogenhandelsplatz am Bahnhof Burg. Diese offene Drogenszene, so Eweg, sei inzwischen erfolgreich bekämpft worden. "Dort werden heute keine Drogen mehr verkauft", betont er. Dennoch gebe es immer noch Probleme durch einige Suchtkranke, die dort herumlungerten, Alkohol tränken, pöbelten und dadurch Aufsehen erregten.

Zu der Patienten-Gruppe, die häufig am Bahnhof "herumhänge" und sich "nicht gesellschaftskonform" verhalte, gehören nach Angaben von Eweg und Tietje etwa 20 bis 25 Personen. "Das ist ein sehr kleiner Kreis unserer insgesamt etwa 250 Patienten", sagt Tietje. Der Arzt betont: "Diese wenigen Patienten, die das Bewusstsein der Bevölkerung prägen, führen zu einer Stigmatisierung der ganzen Patientengruppe." Im Umgang mit diesem Problem gingen die Ärzte in Zusammenarbeit mit dem Polizeirevier und dem Ortsamt einen eher ungewöhnlichen Weg: Sie luden Drogenabhängige und Polizeibeamte ein, sich an einen Tisch zu setzen und ins Gespräch zu kommen. "Zum ersten Forum kamen mehr als 60 Drogenabhängige, damit hätten wir nie gerechnet" sagt Tietje.

Beide Seiten hätten aus den Gesprächen gelernt. "Wir haben erfahren, wo unsere Fehler liegen und wir konnten den Patienten erklären, warum wir so handeln, wie wir handeln", erläutert Eweg. An einem weiteren Forum im Februar dieses Jahres nahmen auch Mitglieder des Beirats Burglesum und Alfred Liebig, Geschäftsführer der "Comeback GmbH" teil. Im April trafen sich die Beteiligten ein weiteres Mal.

In den Gesprächen wurde deutlich, dass es den betroffenen Patienten an einer Tagesstruktur fehlt. "Sie wissen nicht wohin, haben Langeweile und hängen deshalb am Bahnhof rum", sagt Tietje. Mit einer psychosozialen Betreuung der Substituierten wollen die Ärzte nun gegensteuern. Angedacht ist laut Liebig, in der Praxis einen Aufenthaltsraum mit Café zu schaffen, in dem Zeitungen und ein Internetzugang zur Verfügung stehen. Dazu solle es Kreativprojekte, Therapievermittlung, Hilfe beim Umgang mit Ämtern, Gesundheits- und Schuldnerberatungen geben.

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