Verkehrsunfälle in Bremen

Mehr Tote und Verletzte

Bremen. Mehr Unfälle insgesamt, mehr Verletzte und auch mehr Tote als im Jahr zuvor - das geht aus der Verkehrsunfallstatistik 2009 für das Land Bremen hervor, die Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) vorgestellt hat. 14 Tote, 432 Schwerverletzte - diese Zahlen seien "absolut zu hoch", sagte Mäurer.
09.04.2010, 05:10
Lesedauer: 3 Min
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Von Elke Gundel

Bremen. Mehr Unfälle insgesamt, mehr Verletzte und auch mehr Tote als im Jahr zuvor - das geht aus der Verkehrsunfallstatistik 2009 für das Land Bremen hervor, die Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) gestern vorgestellt hat. 14 Tote, 432 Schwerverletzte - diese Zahlen seien 'absolut zu hoch', sagte Mäurer. Die Gründe für den Anstieg 'kennen wir im Einzelnen nicht'. Bundesweit sinke die Zahl der Verletzten im Straßenverkehr.

Genau 19649 Unfälle hat die Polizei 2009 auf den Straßen in Bremen (15707) und Bremerhaven (3942) protokolliert; 336 oder 1,7 Prozent mehr als 2008. 'Das sind fast 54 Unfälle pro Tag - mit dabei zehn Verletzten', erklärte Behörden-Mitarbeiterin Andrea Twachtmann. Warum sind die Zahlen in Bremen zwischen 2005 und 2009 im Gegensatz zum bundesweiten Trend angestiegen, wenn auch nur leicht? Es gibt offenbar keine klar zu benennenden Ursachen. Mäurer verwies auf die Zahl der Verkehrsteilnehmer und die Zahl der gefahrenen Kilometer. 'Beides wird gestiegen sein.' Der Blick auf die Unfallorte zeige: Es gibt keine Ecke, die als Gefahrenstelle hervorsteche. 'Das ist bunt über die ganze Stadt verteilt. Man kann sich nicht gezielt ein paar Kreuzungen vornehmen, um etwas zu verbessern.'

Ursache Nummer 1: Zu hohes Tempo

14 Menschen sind auf den Straßen des Landes gestorben, zwei mehr als 2008. In der Stadt Bremen gab es elf Todesopfer (2008 waren es zehn), in Bremerhaven drei (2008 waren es zwei). Die tödlichen Unfälle, sagte Andrea Twachtmann, haben sich nicht etwa auf Autobahnen, sondern im Stadtgebiet ereignet. Allerdings, fügte Mäurer hinzu, gab es dabei keine Häufung an einer bestimmten Stelle.

Bei den Unfallursachen liegen zu hohes Tempo beziehungsweise zu geringer Abstand seit jeher an der Spitze - so auch im vergangenen Jahr: Jeder vierte Unfall, insgesamt 4630 im Land Bremen, ist darauf zurückzuführen. Dabei geht es nicht nur um Raser, sondern generell um Geschwindigkeiten, die der Verkehrssituation nicht angemessen sind, erklärte Andrea Twachtmann.

Nach Mäurers Auffassung liefert die Unfallstatistik gute Argumente, um bei Tempoüberschreitungen schärfere Strafen zu verhängen. Die derzeitigen Folgen, etwa Punkte in Flensburg, 'beeindrucken die Leute offensichtlich nicht'. Bremens stellvertretender Polizeipräsident Lutz Müller lieferte die passende Zahl dazu: 'Wir verfolgen etwa 200000 Tempoverstöße pro Jahr. Das ist eine riesige Zahl.' Trotzdem bleibe zu hohe Geschwindigkeit die Unfallursache Nummer 1.

In der Liste der Straßen oder Kreuzungen mit den höchsten Unfallzahlen hat es in der Stadt Bremen dagegen eine Veränderung gegeben: Der langjährige Spitzenreiter, die Ecke Tiefer/Altenwall, ist aus der Statistik verschwunden, Nachfolger ist der Stern in Schwachhausen. Hintergrund: Die Kreuzung Tiefer/Altenwall, an der es immer wieder zu Auffahrunfällen gekommen war, ist umgebaut worden.

Am Stern hat es vergangenes Jahr 70 Mal gekracht, dabei wurden 18 Menschen verletzt. Auf Platz zwei rangiert die Hans-Böckler-Straße mit 103 Zusammenstößen und 22 Verletzten. Höhere Zahlen, trotzdem auf dem 2. Platz? 'Bei der Hans-Böckler-Straße verteilen sich die Unfälle auf den gesamten Straßenzug', nannte Andrea Twachtmann den Grund für diese Rangfolge. Auf Platz drei der Unfallschwerpunkte findet sich eine Kreuzung wider, die in dieser Kategorie regelmäßig ganz vorne liegt: die Ecke Herdentorsteinweg/Breitenweg, an der es voriges Jahr zu 69 Unfällen mit 13 Verletzten gekommen ist.

Erfreuliche Entwicklung: Es hat weniger Unfälle (332 im Land; 2008 waren es noch 384) gegeben, an denen Kinder beteiligt waren. Die Polizei führt das vor allem auf ihr neues Konzept bei der Radfahrausbildung in den 4. Klassen zurück. 'Es gibt keinen Rad-Führerschein mehr', erklärte Gerhard Schulze, Leiter der Bremer Verkehrspolizei. Stattdessen bekomme jedes Kind einen genauen Bericht für seine Eltern mit. Darin sei beschrieben, 'was die Kinder können und was sie noch üben müssen'. Außerdem trainiere die Polizei das Radfahren nun nicht mehr nur auf dem Schulhof mit den Kindern, sondern begleite sie im Straßenverkehr - mit Funkverbindung, um den einzelnen Mädchen und Jungen unterwegs Tipps geben zu können.

Mit der Entwicklung bei den Unfällen, in die Radler verwickelt sind, ist die Polizei nicht zufrieden: Obwohl die Beamten dieses Feld zu einem Schwerpunkt gemacht haben, blieb die Zahl der Unfälle (1694 im Land) fast konstant. Schulzes Analyse: Es brauche seine Zeit, um die Einstellung beim Radeln zu ändern. Bei Rot über die Kreuzung zu fahren, sei für viele Radfahrer normal. 'Das geht einfach nicht.'

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