Beirat will Pläne der Eigentümer-Gesellschaft stoppen und Wohnanlage Holsteiner Straße erhalten

Mehrfamilienhäuser statt Schlichtwohnungen

Osterfeuerberg. Was wird aus der alten Wohnsiedlung an der Holsteiner Straße? Mit dieser Frage haben sich der Sozialausschuss und der Bauausschuss des Waller Beirats jüngst in einer gemeinsamen Sitzung befasst. Denn die Eigentümerin der 41 Schlichtwohnungen in der Nähe der Bahntrasse würde die 1965 errichteten Gebäude gerne abreißen und auf dem Grundstück stattdessen Mehrfamilienhäuser bauen.
19.11.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Anne Gerling

Was wird aus der alten Wohnsiedlung an der Holsteiner Straße? Mit dieser Frage haben sich der Sozialausschuss und der Bauausschuss des Waller Beirats jüngst in einer gemeinsamen Sitzung befasst. Denn die Eigentümerin der 41 Schlichtwohnungen in der Nähe der Bahntrasse würde die 1965 errichteten Gebäude gerne abreißen und auf dem Grundstück stattdessen Mehrfamilienhäuser bauen. Die Eigentümerin ist die Bremische Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau, kurz: Bremische, die in der Deutschen Annington SE aufgegangen ist, die wiederum neuerdings Vonovia heißt.

Die Schlichtwohnungen ohne Zentralheizung und Warmwasser seien heute nicht mehr zeitgemäß, lautet die Ansicht des Wohnungsunternehmens. Ohnehin seien nunmehr 20 der Unterkünfte aktuell noch vermietet und die Wohnanlage somit entbehrlich. Ab kommenden Sommer will die Wohnungsgesellschaft daher Gespräche mit den Mietern darüber führen, wie deren Mietverträge aufgehoben werden könnten und ihnen Ersatzwohnungen anbieten.

Die Waller Ortspolitiker wollen dieses Vorhaben allerdings am liebsten stoppen. Ihr einhelliges Credo: Es müsse auch einfacher ausgestattete bezahlbare Wohnungen für diejenigen geben, für die auf dem Wohnungsmarkt ansonsten kein Platz sei – aus welchen Gründen auch immer. „Der Beirat hält den Abriss zum jetzigen Zeitpunkt für kontraproduktiv, zumal auch die Vertreter des Sozialressorts erklärt haben, dass ihr Klientel auf diese Wohnungen angewiesen ist“, unterstreicht Bauausschusssprecher Wolfgang Golinski (SPD).

Einstimmig haben die Waller Politiker daher folgende weitere Vorgehensweise beschlossen: Vom Senat verlangen sie, seine Möglichkeiten auszuschöpfen, um das Vorhaben zu stoppen. Daneben fordern sie die Vonovia auf, den jetzigen Standard unter Bestandsschutz zu stellen und die Wohnanlage unverzüglich dem Wohnungsmarkt zur Verfügung zu stellen.

Ihren Antrag hatte die SPD-Fraktion wie folgt begründet: „Es gibt in Bremen eine hohe Anzahl von Menschen beiderlei Geschlechts, die aufgrund ihrer Mehrfachproblematiken von den Wohnungsbaugesellschaften keine Wohnungen zur Verfügung gestellt bekommen. Diese Personen sind deshalb auf Wohnungen angewiesen, die nicht in Geschossbauten liegen, einen vergleichsweise anderen Standard aufweisen und zudem preiswert sind.

Weil Wohnungen dieser Art nicht in ausreichender Anzahl in Bremen zur Verfügung stehen, würde ein Abriss die Wohnungssituation für diesen Personenkreis weiter verschärfen. Die Folge davon wäre, dass diese Menschen in Hotels oder Pensionen unterzubringen wären, verbunden mit hohen Kosten. Ein weiterer Grund, der gegen einen Abriss spricht, ist die derzeitige Situation im Bereich Flüchtlinge. Leer stehende Wohnungen in der Anlage Holsteiner Straße könnten mit Flüchtlingsfamilien belegt werden, die derzeit noch unter schwierigen Bedingungen in Zelten oder anderen Übergangseinrichtungen leben.“

Alle Argumente würden nochmals geprüft, versprach zum Abschluss der Diskussion Patrick Wulff, stellvertretender Regionalleiter bei der Bremischen.

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