Rasse, Kosten, Zusammenleben

Mein erster Hund: Darauf müssen Sie achten

Wer sich einen Vierbeiner anschaffen möchte, sollte sich diesen Schritt genau überlegen. Einige Vorbereitungen sind dafür notwendig. Einige Tipps im Überblick.
16.12.2019, 20:42
Lesedauer: 4 Min
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Von Vera Kraft
Mein erster Hund: Darauf müssen Sie achten

Streicheln, Gassi gehen und fertig? Nein, ein Hund ist mehr als ein süßes Fellknäuel. Für Besitzer bedeutet das viel Verantwortung.

Hibbeler/dpa

Sei es der winzige Chihuahua, der wachsame Schäferhund oder der verspielte Mischling – Hunde sind beliebte Haustiere. Wer einen Hund möchte, muss diesen Schritt genau überlegen. Denn man übernimmt die Verantwortung für ein Lebewesen – und die Kosten. Was beim „Vorhaben Hund“ alles zu beachten ist, verrät die Checkliste.

1. Welcher Hund passt am besten zu mir?

Welcher Typ Hund das ideale Haustier ist, hängt davon ab, welcher Typ Mensch der Besitzer ist. „Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle“, sagt Melanie Jahn, die seit zehn Jahren Hundepflegerin im Tierheim Berlin ist. Wie sportlich aktiv sind die neuen Besitzer? Wie viel Zeit haben sie? Welpen kann man in den ersten sechs Monaten kaum alleine lassen. Außerdem braucht es viel Geduld, Welpen stubenrein zu bekommen und sie zu erziehen.

Erwachsene Hunde seien aber auch nicht immer als „Anfänger-Hunde“ geeignet, erklärt Melanie Jahn. Besonders Tiere, die aus schlechter Haltung kommen, brauchen oft länger, um wieder Vertrauen aufzubauen. Darum geht man im Tierheim mit den Hunden vorab mehrmals Gassi, bevor man sich entscheidet. „Freut sich der Hund, wenn die Leute wiederkommen, kann man die Tiere meist guten Gewissens vermitteln“, sagt die Hundepflegerin.

Außerdem gibt es auch große Unterschiede bei den Rassen. So hat jede Rasse nicht nur ein typisches Aussehen, sondern auch einen typischen Charakter: Einige Schoßhunde zählen beispielsweise zu den sogenannten Gesellschaftshunden, die sich gut integrieren lassen und treue, eher unkomplizierte Begleiter sind. Rottweiler hingegen gehören zu den Schutzhunden und sind für Familien mit kleinen Kindern eventuell schwierig im Umgang, wenn sie etwa niemanden mehr an das Kind lassen.

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2. Wo finde ich meinen Hund?

Wer ein neues Haustier sucht, sollte sich zunächst bei Tierheimen oder Tierschutz-Organisationen umsehen, empfiehlt Lisa Frankenberger, Pressesprecherin von Tasso. „Diese Tiere sind schon da und sie brauchen ein Zuhause.“ Wenn im örtlichen Tierheim nicht der richtige Hund für einen dabei ist, gibt es auch noch die Möglichkeit, bei Tierschutzvereinen oder seriösen Online-Tierheimen zu suchen. Soll es dennoch ein Tier vom Züchter sein, gilt Vorsicht, um nicht auf illegalen Welpenhandel hereinzufallen.

Frankenberger rät von Kleinanzeigen und auffälligen Schnäppchen-­Käufen ab. Seriöse Züchter haben normalerweise nur ein bis zwei Rassen im Angebot und maximal drei bis vier Würfe pro Jahr. Am besten holt man das Tier direkt beim Händler und lässt sich das Muttertier zeigen. So lässt sich leichter kontrollieren, ob die Tiere gesund sind, ein glänzendes Fell sowie genug Futter und Trinken haben. Die Welpen sollten mindestens acht, besser zehn Wochen alt sein, wenn sie von der Mutter getrennt werden.

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3. Ist alles für den Hund vorbereitet?

Bevor der Hund in sein neues Heim zieht, sollte geklärt sein, wer sich wann um das Tier kümmert. Allein dreimal täglich Gassi gehen, reicht nicht: Nur mit ausreichender Beschäftigung baut das Tier Vertrauen zu seinen neuen Besitzern auf und ist ausgelastet. Damit das Tier in Ruhe im Zuhause ankommt, sollten Freunde und Bekannte lieber noch ein paar Tage warten, bis sie den Familienzuwachs kennenlernen, erklärt Lisa Frankenberger.

Außerdem ist es praktisch, zumindest schon eine Grundausstattung zu haben. Dazu gehören Halsband und Leine, Futter und Näpfe sowie ein Körbchen. „Am besten richtet man dem Hund zentral eine ruhige Ecke ein. So kann er sich zurückziehen und trotzdem alles gut überblicken“, sagt Melanie Jahn. Und man muss damit rechnen, dass nicht alles heil bleibt. „Welpen knabbern gerne mal etwas an“, so Frankenberger.

Zudem brauchen Hunde eine Haftpflichtversicherung. Hundehalter sind für alles, was ihr Vierbeiner anstellt, verantwortlich. Darum ergebe die Versicherung Sinn, auch wenn sie nicht in jedem Bundesland oder für jede Rasse verpflichtend sei, sagt Frankenberger. Kennzeichnung und Registrierung sind hilfreich, wenn der Hund verloren geht. So kann der Besitzer schnell gefunden und das Tier zurückgebracht werden.

4. Was kostet ein Hund?

Die exakten Kosten seien abhängig von der Größe des Hundes, dem Umfang und der Qualität der Ausstattung, sagt Frankenberger. Grundsätzlich veranschlagt der Verband des Deutschen Hundewesens (VDH) einen Kaufpreis von 600 bis 1500 Euro für einen Welpen vom Züchter. Für die Anschaffung von Näpfen, Körbchen und Leine fallen 75 bis 250 Euro an, hinzu kommen monatlich 25 bis 50 Euro für das Futter. Jährliche Fixkosten entstehen laut VDH für die Hundesteuer (25 bis 160 Euro), Impfen und Entwurmen (60 bis 110 Euro) und Haftpflichtversicherung (60 Euro). Die Registrierung in einem Heimtierregister ist in der Regel kostenlos.

5. Wie klappt das Zusammenleben?

Für die Erziehung und Förderung des Tieres empfiehlt Jahn einen Kurs in einer Hundeschule. Besonders wichtig ist das für Welpen, damit sie Anweisungen und Sozialkontakt trainieren. Die Besitzer erfahren in den Hundeschulen, wie sie die Körpersprache ihres neuen Haustiers deuten und Vertrauen aufbauen können. Die goldene Regel der Hundeerziehung heißt: Loben und nicht bestrafen. Richtiges Verhalten sollte direkt belohnt, falsches ignoriert werden. Denn Hunde könnten eine Strafe nicht mit ihrem „Fehlverhalten“ verknüpfen, erklärt Jahn. Das Tier lernt also nicht, sondern bekommt Angst vor dem Herrchen oder Frauchen.

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Tierschutzvereine: Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum

Der Hamburger Tierschutzverein mahnt, kein Tier zum Weihnachtsfest zu verschenken. „Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum, sondern sind Familienmitglieder, deren Einzug gemeinsam und gut überlegt sein muss“, sagte Sven Fraaß vom Hamburger Tierschutzverein. Als Weihnachtsgeschenk, das ja eine Überraschung sein soll, eigneten sich Tiere nicht. „Bevor man sich für ein Haustier als Familienzuwachs entscheidet, sollte man sich mit allen Familienmitgliedern beraten.“ Alle Familienmitglieder müssten bereit sein, Verantwortung und Aufgaben zu übernehmen. „Auch wenn die lieben Kleinen noch so sehr betteln: Verschenken Sie kein Tier! Kinder verlieren schnell das Interesse“, sagte Fraaß.

„Ein Tier ist kein Spielzeug, das man umtauschen kann, wenn es nicht gefällt“, sagte auch die Vorsitzende des Bremer Tierschutzvereins, Brigitte Wohner-Mäurer. Damit keine Vierbeiner als Überraschung unter dem Weihnachtsbaum landen, vermittelt das Bremer Tierheim vom 16. Dezember 2019 bis zum 2. Januar 2020 keine Tiere. Besuche von Interessenten sind aber möglich, das Tierheim hat zwischen den Feiertagen geöffnet.

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