Mein Freimarkt: Karlheinz Heine berichtet

Die Frustration des Freimarkt-Schaustellers

Schausteller Karlheinz Heine betreibt mit seiner Familie die Fahrgeschäfte „Happy Family“ und „Hurricane“. Zwei Mal wöchentlich berichtet er darüber, wie er den „Freipaak“ im Zeichen von Corona erlebt.
11.10.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Die Frustration des Freimarkt-Schaustellers
Von Nina Willborn
Die Frustration des Freimarkt-Schaustellers

Seit dem 7. Oktober sind die Tore der Freimarkt-Ersatzveranstaltung "Freipaak" geschlossen.

Mohssen Assanimoghaddam /dpa

Wie meine Laune so ist? Maximal frustriert! Die ganze Situation bereitet mir schlaflose Nächte. Ich bin nach wie vor enttäuscht und verärgert. Das geht allen Kollegen so. Man hat uns, also den „Freipaak“, einfach geschlossen. Als das Ordnungsamt kam, war bei mir im Geschäft gerade ein Vater mit seinem Sohn. Meine Frau hat darum gebeten, dass die wenigstens noch die Runde beenden können, aber das war nicht möglich.

Seitdem warten wir auf Informationen, wie und ob es weiter geht. Die ersten Kollegen überlegen schon, ob sie ihre Geschäfte abbauen. Sie sind inzwischen sehr verunsichert, weil wir uns nichts vorzuwerfen haben. Unser Hygienekonzept hat funktioniert, es ist bekannt, dass die Infektionen nicht von uns an der frischen Luft, sondern woanders herkommen. Aber ich bin es fast schon leid, das immer wieder zu betonen. Jetzt beginnen die Herbstferien und viele Bremer können, wie es aussieht, nicht verreisen. Da hätten wir mit unserem Angebot für Abwechslung sorgen können. Jetzt hängen wir komplett in der Luft. Ich habe vier Angestellte auf dem Gelände, der Zähler läuft.

Lesen Sie auch

Beim kleinen Freimarkt ist es übrigens genauso. Da gibt es auch noch keine Entscheidung, dabei sollte der Aufbau am Montag beginnen. Ich selbst werde nicht dabei sein, aber ich weiß, dass die Kollegen, die dabei sind, auch weiterhin aufbauen wollen. Der Plan steht, aber ob es ihn gibt, wann und wie? Wir haben zig Anfragen gestellt, bei der Gesundheitssenatorin und auch im Rathaus. Von Bürgermeister Andreas Bovenschulte bin ich enttäuscht, dass er sich nicht meldet. Wer sich wirklich bemüht, ist das Wirtschaftsressort. Eine Glaskugel bräuchte ich auch, um die Chancen für einen Weihnachtsmarkt einzuschätzen. Die Idee, auch die Obernstraße zu bespielen, halte ich für sinnvoll.

Jetzt haben wir ja die neuen Maßnahmen. Ob die Sperrstunde etwas bringt? Ich bin mir nicht sicher. Uns betrifft es eigentlich nicht, weil wir nicht bis 23 Uhr geöffnet haben und sowieso keinen Alkohol verkaufen dürfen. Gesundheitsminister Jens Spahn hat recht, wenn er sagt, dass wir einen neuen Lockdown vermeiden müssen. Ich fürchte aber, dass es nächstes Frühjahr trotzdem wirtschaftlich krachen wird, wenn ich mir die finanzielle Lage unserer Branche so ansehe.

Lesen Sie auch

Info

Zur Person

Karlheinz Heine (45) ist Schausteller. Er betreibt mit seiner Familie die Fahrgeschäfte „Happy Family“ und „Hurricane“. Zweimal wöchentlich berichtet er hier, wie er diese Freimarkt-Zeit im Zeichen von Corona erlebt.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+