Matthias Schweighöfer im Interview

„Meine Eltern sind stolz auf mich“

Matthias Schweighöfer spricht im Interview über seinen neuen Serien-Thriller "You are Wanted" und seine Pläne für die Zukunft.
16.03.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Cornelia Wystrich­owski
„Meine Eltern sind stolz auf mich“

Matthias Schweighöfer bei Dreharbeiten zu seinem Serien-Thriller „Your Are Wanted“, der ab heute verfügbar ist.

Stephan Rabold

Matthias Schweighöfer spricht im Interview über seinen neuen Serien-Thriller "You are Wanted" und seine Pläne für die Zukunft.

Herr Schweighöfer, Sie gehören zu Deutschlands größten Kinostars. Wieso drehen Sie jetzt eine Serie?

Matthias Schweighöfer: Ich wollte mal wieder was Ernstes machen, wollte das aber nicht gleich im Kino auf der großen Leinwand testen. Ich habe als Regisseur noch nie für das ernsthafte Genre gearbeitet, und so konnte ich probieren, ob ich das kann. Im Kino ist es außerdem so: Wenn das erste Wochenende nicht gleich richtig funktioniert, muss man mit dem Film in kleinere Säle gehen, dann generiert man wiederum nicht mehr so viele Zuschauer. Da ist eine Serie schon ein entspannteres Format.

Sie sind mit leichtfüßigen Komödien berühmt geworden. Haben Sie Probleme mit der Schublade Everybody’s Darling?

Nein, damit habe ich keine Probleme. Aber ich werde künftig mehr ernsthafte Sachen machen, mir fehlt das. Ich finde, Tiefe zu kreieren macht Spaß, auch gute Tragikomödien zu erzählen.

In „You Are Wanted“ spielen Sie einen Hotelmanager, der zum Opfer eines Hackerangriffs wird. Wieso haben Sie sich bei Ihrer ersten Serie für das Thema Internetkriminalität entschieden?

Als mir das erste Treatment vorgelegt wurde, war ich sofort total überzeugt. Mich hat es interessiert, zu zeigen: Was passiert eigentlich, wenn ich einen Anhang in einer Mail öffne und gar nicht weiß, was ich da öffne? Wer kann mit meinen Daten spielen? Weiß irgendjemand mehr über mich als meine eigene Frau? Ich will einen Gedanken anstoßen mit dieser Serie, damit jeder Zuschauer sich fragt, ob er genau weiß, was er im Internet macht.

Your Are Wanted

Insgesamt 52 Drehtage haben Schweighöfer und sein Team für den sechsteiligen Internet-Thriller „Your Are Wanted“ gebraucht.

Foto: stephan Rabold

Können Sie noch unbefangen surfen?

Natürlich sind mir auch schon Sachen passiert, ohne dass ich darauf jetzt näher eingehen will. Aber ich nutze das Internet wie jeder andere auch und mache mir nicht ständig Sorgen.

Ihre eigene Serie startet bei einem Streaming-Anbieter. Sind Sie selber jemand, der nur streamt, oder schauen Sie noch DVDs?

Ich streame alles, ich gucke eine Serie auch nicht zweimal. Außer „True Detective“, das habe ich ein paarmal geguckt und habe es mir auch runtergeladen auf den Rechner.

Wieso startet „You Are Wanted“ denn nicht bei einem herkömmlichen Fernsehsender wie ARD, ZDF oder RTL?

Es stand einfach nie zur Debatte, das mit einem öffentlich-rechtlichen oder einem privaten Fernsehsender zu machen, es war von Anfang an klar, dass es Amazon wird. Warner Bros. Deutschland hatte die Idee zur Serie und ist dann damit an uns und Amazon herangetreten. Und ich glaube, bei einem Streamingsender hat man mehr Freiheiten als bei den klassischen Anbietern, ich hatte in der Stoffentwicklung unheimlich viel Freiraum.

Hatten Sie auch ähnlich viel Budget wie man es von den großen US-Serien kennt?

Nein, das hatten wir nicht. Vor allem bei den Drehtagen hatten wir dadurch ein hohes Pensum. Wenn ich einen Kinofilm drehe, habe ich meistens 38, 39 Tage. Für die Serie hatten wir 52 Drehtage für eine Sendedauer, die drei Filmen entspricht – das ist nicht viel.

Ihre Serie läuft überall auf der Welt gleichzeitig an, macht Sie das nervös?

Nein. Der Druck ist generell groß, aber er wird dadurch nicht größer. Wir haben die Serie abgegeben, es ist nicht mehr zu ändern, jetzt können es die Zuschauer gucken oder nicht, gut finden oder nicht. Ich habe mein Bestes gegeben und finde die Serie toll, den Rest habe ich nicht mehr in der Hand.

Der Trailer zu „You Are Wanted“ hat Rekorde gebrochen und wurde bei Amazon vielfach kommentiert – nicht nur freundlich. Befassen Sie sich damit?

Ja, damit habe ich mich befasst. Viele gehen da mit Vorurteilen ran und bewerten irgendwas, was sie nicht bis zum Ende geguckt haben. Das ist schade und traurig, weil diese Leute eben nicht dastehen und drei Jahre für etwas gearbeitet haben wie ich an der Serie, sondern sie schreiben schnell was runter und sind sich ihrer medialen Aufmerksamkeit gar nicht bewusst. Ich kann’s echt nicht mehr hören.

Sie sind seit Jahren unfassbar fleißig. Wollen Sie das ewig so weitertreiben oder halten Sie es wie Stefan Raab, der schon früh wusste, dass er mit 50 nicht mehr vor der Kamera stehen will?

Meine Produktionsfirma hat ja eine Strategie, und die war: Ich baue sie auf, damit sie irgendwann auch mal alleine laufen kann und ich Zeit habe, zu entwickeln, zu schreiben oder mir Gedanken zu machen, was ich wirklich tun will. An diesem Punkt sind wir jetzt. Ich ziehe mich etwas raus, werde Urlaub machen, zwischendrin ein bisschen was entwickeln, mir die Welt angucken, das eine oder andere Konzert spielen. Mal gucken, wo es 2018 und 2019 hingeht.

Die Welt angucken – planen Sie etwa eine große Reise?

Nein, die Welt angucken im Sinne von: Einfach mal ins Café gehen und in Ruhe einen Kaffee trinken.

Können Sie das angesichts Ihrer großen Popularität überhaupt, ohne von Fans überrannt zu werden?

Doch, das geht. Manchmal spricht mich der eine oder andere Fan an, aber es hält sich in Grenzen.

Ihre Eltern sind ja ebenfalls Schauspieler. Sind die beiden stolz auf Sie?

Ja, meine Eltern sind stolz auf mich. Wie sich das alles entwickelt hat, liegt ein wenig außerhalb ihrer Reichweite. Sie sitzen manchmal da und denken: Was passiert hier eigentlich? Aber im großen Ganzen sind sie entspannt und machen ihr eigenes Ding.

Es gab ja schon früher Serien, lange vor den modernen TV-Sagas von heute. Welche haben Sie in Ihrer Jugend angeschaut?

„Ein Colt für alle Fälle“ habe ich geliebt, auch das „A-Team“ oder „Prinz von Bel-Air“, die „Cosby-Show“ und natürlich „Eine schrecklich nette Familie“ mit Al Bundy waren bei mir ganz weit vorne. In meiner Generation war außerdem „Full House“ angesagt. Und „Alf“ darf man auf keinen Fall vergessen. Stimmt wirklich: Es gab früher auch schöne Serien.

Das Interview führte Cornelia Wystrich­owski.

Zur Person:

Zur Person

Matthias Schweighöfer kam 1981 in Anklam als Sohn eines Schauspielerpaares zur Welt und stand schon mit 16 Jahren zum ersten Mal vor der Fernsehkamera. Seinen Durchbruch hatte er 2003 mit der Kinokomödie „Soloalbum“, seitdem war er in zahlreichen Filmen wie „Keinohrhasen“ oder „Frau Ella“ zu sehen. 2010 führte er bei der Komödie „What a Man“ zum ersten Mal auch Regie. Mit seiner langjährigen Freundin hat er zwei Kinder.
„You Are Wanted“ ist die erste Serie von Matthias Schweighöfer und zugleich die erste deutsche Serie von Amazon Prime. Der sechsteilige Internet-Thriller ist von Freitag, 17. März an bei dem Streamingdienst abrufbar. Schweighöfer, der auch Regie führte und die Serie mit seiner Firma koproduzierte, spielt darin den Manager Lukas Franke, der eines Tages Opfer eines Hackers wird. An der Seite von Matthias Schweighöfer sind Stars wie Karoline Herfurth, Alexandra Maria Lara und Tom Beck zu sehen.
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