35 Jugendliche feiern Riesenerfolg im Schauspielhaus / Zwölf tanzen auch bei "Land des Lächelns" Meine Liebe, Deine Liebe...

Mitte·Tenever. Das neue Jahr begann für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen zwölf und 22 Jahren aus Osterholz-Tenever, Huchting, Kattenturm, Oberneuland, Syke und Bassum mit einer "Riesenehre", über die sich Choreografin Christine Witte mit ihren jungen Tänzerinnen und Tänzern sehr freut. Nach der erfolgreichen Uraufführung des Tanztheater-Stückes "Falsch verliebt" im Dezember im Kulturzentrum Schlachthof, wurden sie spontan von Hans-Georg Wegner, dem künstlerischen Geschäftsführer des Theaters Bremen, Mitte Januar ins Schauspielhaus eingeladen. Und jetzt tanzt eine Gruppe in der Operette "Land des Lächelns" im Theater am Goetheplatz mit.
23.01.2012, 05:00
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Von sigrid schuer

Mitte·Tenever. Das neue Jahr begann für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen zwölf und 22 Jahren aus Osterholz-Tenever, Huchting, Kattenturm, Oberneuland, Syke und Bassum mit einer "Riesenehre", über die sich Choreografin Christine Witte mit ihren jungen Tänzerinnen und Tänzern sehr freut. Nach der erfolgreichen Uraufführung des Tanztheater-Stückes "Falsch verliebt" im Dezember im Kulturzentrum Schlachthof, wurden sie spontan von Hans-Georg Wegner, dem künstlerischen Geschäftsführer des Theaters Bremen, Mitte Januar ins Schauspielhaus eingeladen. Und jetzt tanzt eine Gruppe in der Operette "Land des Lächelns" im Theater am Goetheplatz mit.

Ein Zuschauerraum, der durchweg von jugendlichem Publikum bevölkert ist, das sieht man nicht alle Tage im Theater. Die erneute Aufführung von "Falsch verliebt", Ergebnis einer Kooperation des Theaters Bremen mit dem Kulturverein Quartier, wurde von den Jugendlichen wie ein Happening frenetisch gefeiert. Heiße Beats und lässig getanzte, coole Moves verschmolz Christine Witte zu einer energiegeladenen Choreografie. Das Stück, das sie mit 35 Schülerinnen und Schülern aus 22 Nationen in harter, disziplinierter Probenarbeit geschaffen hat, ist eine Paraphrase auf die Lehàr-Operette "Das Land des Lächelns".

Toujours l'amour, immer und immer wieder die Liebe, auch im grauen Bremer Winter. Sowohl in "Falsch verliebt" als auch im "Land des Lächelns", in dem zwölf von den Jugendlichen insgesamt 26 Mal auf der Bühne des Theaters am Goetheplatz stehen, dreht sich alles um die stets vom Scheitern bedrohte Liebe. "Wir können uns total mit der Geschichte von Lehár identifizieren. Da verliebt sich ein chinesischer Prinz in eine Österreicherin. Man spürt die Unterschiede zwischen den Kulturen und lernt damit umzugehen. Das ist eine große Bereicherung", sagt die 17-jährige Türkan und fügt hinzu: "Wir haben festgestellt, dass Operette viel besser als 'Das Supertalent'ist". Die multinationale Besetzung ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, deren Lebenswirklichkeit in beiden Stücken aufscheint. Im Gegensatz zum "Land des Lächelns", in dem es kein Happy-End für Gräfin Lisa und ihren Prinzen gibt, heißt es in "Falsch verliebt" frei nach Shakespeare zum Schluss: "Ende gut, alles gut".

Ähnlich wie in Bernsteins "Westside Story" lässt Christine Witte in "Falsch verliebt" zu Beginn das Spiel von Anziehung, Annäherung und Verführung zelebrieren. Emotion und die Ungeduld klopfender Herzen lassen die Körper vibrieren, die die geheimnisvollen Klänge aus Tausendundeiner Nacht in fließenden Wellenbewegungen aufnehmen. Im Verlauf des Abends erzählt die Choreografin eine "Romeo und Julia"-Geschichte, einen Pas de deux zwischen Schwarz und Weiß. Ein Junge und ein Mädchen finden sich eng aneinander geschmiegt in intimer Geborgenheit, bis sie von einer militärisch auftretenden, wie gleichgeschaltet wirkenden Tanzgruppe brutal auseinander gerissen werden. "Dein ist mein ganzes Herz" und schließlich "Dein war mein ganzes Herz!" zitiert ernst eine kleine Ballerina die berühmte Arie des Prinzen aus dem "Land des Lächelns". Wie Hamlets Braut Ophelia trägt sie einen Kranz mit weißen Blüten im Haar und verkündet schließlich die frohe Lehár-Botschaft: "Meine Liebe, Deine Liebe, die sind

beide gleich!" Die Liebe siegt über alle kulturellen und nationalen Grenzen hinweg.

Und dann ist da plötzlich die unendliche, melancholische Leichtigkeit eines Tangos, die der Komponist des Abends, Peter Friemer am Flügel aufblitzen lässt. Dazu und im Takt eines leicht verfremdeten Musette-Walzers schweben die jungen Tänzerinnen und Tänzer in einem Traum von pastellfarbenen Ballett-Kleidern oder in feschen Husaren-Uniformen aus dem Theater-Fundus über die Bühne, umgeben von herabrieselndem Pailletten-Geflitter. Dabei ist doch eigentlich Hip-Hop und Krumping, ein kampfbetonter Tanzstil, der 2005 aus den US-Ghettos über den großen Teich schwappte, eher ihr Ding. Und das ist in "Falsch verliebt" auch deutlich zu sehen, mit Emphase und in einer geradezu unglaublich facettenreichen und dabei akrobatischen Tanzsprache fetzen sie über die Bühne und überschlagen sich in Salti in der Luft.

Die Tanz-Produktion hat eine ganz eigene Dynamik entwickelt, da brachte beispielsweise eines Tages die junge Lettin Madara den kleinen Didi mit zur Probe und stellte ihn mit den Worten vor: "Look, what a nice boy!" "Guckt' mal, was für ein toller Junge!"Was zweifellos stimmt, der junge Afrikaner, der erst im September nach Bremen kam, hat perfekt die Moonwalk-Schritte von Michael Jackson drauf und lacht dabei vergnügt übers ganze Gesicht. Zu der Afro-Percussion-Musik von Peter Friemer schwingen selbstbewusste junge Frauen lasziv ihre mit bunten, afrikanischen Tüchern umschlungenen Hüften. In der multikulturellen, vom modern dance geprägten choreografischen Handschrift von Christine Witte spiegeln sich ihr großer Erfahrungsschatz und ihre Kreativität wieder. Auch im "Land des Lächelns" zu bewundern. Witte betreut seit 28 Jahren internationale Tanzprojekte, auch in Afrika, mit und für Jugendliche, unter anderem an ihrer "corpa school of performing arts" wie eben "Falsch verliebt!" bei

"Quartier". Ausgebildet wurde sie an der renommierten Alvin Ailey School in New York.

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