Tribute-Künstler Gordon Davis fasziniert die Fans im Bistro Journal mit Stimme und Charisma Memphisflair mit Elvis aus Malta

Schwanewede. Manch ein Augenpaar glänzte verdächtig. Manch ein Zuschauer im Bistro Journal wähnte sich mit vor Staunen offenem Mund wohl eher im Memphis vergangener Jahrzehnte denn im Schwanewede der Gegenwart.
28.11.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexander Bösch

Schwanewede. Manch ein Augenpaar glänzte verdächtig. Manch ein Zuschauer im Bistro Journal wähnte sich mit vor Staunen offenem Mund wohl eher im Memphis vergangener Jahrzehnte denn im Schwanewede der Gegenwart. 40 Jahre ist es im nächsten August her, dass die Musiklegende Elvis Presley starb. Im nächsten Mai präsentiert seine Witwe Priscilla Presley die Show „Elvis in Concert“ auch auf bundesdeutschen Bühnen. Wer nicht solange warten wollte, konnte in der Musikkneipe am Langenberg mit Gordon Davis jetzt einen der wohl talentiertesten Elvis-Imitatoren bewundern, die derzeit an den legendären „King“ erinnern.

Dabei musste sich der 32-jährige Wahlbrite an diesem Abend noch nicht mal als sein erklärtes Idol verkleiden, um wahre Begeisterungsstürme auszulösen. „Keine Anzüge, keine Koteletten, einfach ein Tribut an Elvis“, umschrieb Davis sein Programm.

Anders als in seinen sonstigen Shows, in denen er schon mal im berühmten weißen Anzug der Graceland-Legende auftritt, verstand der auf Malta geborene Sänger seinen Auftritt in Schwanewede als reine musikalische Hommage an sein Idol. Dank des zart schmelzenden Timbres seiner Stimme und des einen oder anderen wie unterbewusst einstudierten Hüftschwungs war die Illusion dennoch mehr als perfekt.

Mehr als 400 Elvis-Songs beherrscht der 32-Jährige aus dem Eff-Eff. Da erklangen zur Freude der Kenner keineswegs nur Klassiker wie „In the ghetto“, „Can't help falling in love with you“ oder „Wooden heart“, von Davis mit den berühmten deutschsprachigen Songzeilen von „Muss I denn zum Städtele hinaus“ garniert.

In Sekundenschnelle erfüllte der Wahlbrite Musikwünsche und zauberte nahezu jedes gewünschte Playback aus dem Laptop. Selbst seltene Songs wie ein Stück aus dem Elvis-Film „Frankie and Johnny“ und das einst Mutter Gladys gewidmete „Mother liked the roses“ interpretierte Davis in traumwandlerisch sicherer Elvis-Tonlage. „Das klingt so schön, der kann singen, was er will“, schwärmte die aus Bremerhaven angereiste Hanne Scheider von Davis.

Der aber erinnerte optisch an eine Mischung aus Michael Wendler, Shakin Stevens und den frühen Ted Herold – und natürlich an Elvis selbst. Nur wie der King singen, aber ihm gar nicht ähnlich sehen, geht nämlich auch nicht. „Die Leute wollen schon die optische Illusion“, weiß Gordon Davis aus Erfahrung.

Der Sänger konnte in seiner Wahlheimat bei Gesangswettbewerben zahlreiche Preise wie den „Best Festival Elvis Champion“ oder den „Images of the King UK Champion“ einheimsen. In Tennessee selbst, dem Mekka für alle Fans des unvergessenen Idols, schaffte es der charismatische Sänger dann 2012, den heiß begehrten Titel des „Images of the King World Champion“ zu ergattern.

„Meine Eltern sind fanatische Elvis-Fans, ich bin mit seiner Musik aufgewachsen. Schon als ich vier Jahre alt war, haben sie mich als Elvis verkleidet“, erzählt Davis zwischen seinen umjubelten Sets. Nach einer Phase als Fußballer entschied sich der Mann, der als Gordon Barbara auf die Welt kam, vor acht Jahren, nach Großbritannien auszuwandern – extra wegen Elvis.

Durch seinen Kollegen Guido Regenhard, in hiesigen Gefilden als „Elvoice“ bekannt, war der Kontakt zum Bistro Journal zustande gekommen. Beide waren hier erstmals 2014 als „doppelter Elvis“ aufgetreten. Auch an diesem Abend schaffte es „Weser-Elvis“ Regenhard kurz vor einem eigenen Engagement am selben Abend bei seinem Kollegen vorbeizuschauen. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenten, weil wir wissen, dass wir beide zu den Guten in dem Business gehören, das schafft nicht jeder“, beteuerte er. Seinem Sangeskollegen gewährte er bei dessen norddeutscher Stippvisite denn auch, wie es sich unter „Elvissen“ gehört, Kost und Logis in seiner Wohnung.

Im Gegensatz zum norddeutschen „Elvoice“, der im Journal ebenfalls zwei Titel des „King“ zum Besten gab, hat die Identifikation mit dem Idol für Gordon bei allem Enthusiasmus ihre Grenzen. „Wenn Guido auf der Straße als Elvis angesprochen wird, empfindet er das als Kompliment. Bei mir ist das nicht so. Ich bin ich selbst und schreibe auch eigene Songs“, sagt Davis.

In seinen Shows in der britischen Wahlheimat sei er es durchaus gewohnt, dass die Fans ihn berühren und an seiner Kleidung zupfen. In Schwanewede beließen es die Zuschauer – freilich nicht minder begeistert – bei Selfies und Autogrammen.

Zwischen geradezu andächtiger Stimmung und ausgelassener Feierlaune bei Standing Ovations gingen die Fans mit, wenn Davis Elvis-Hits wie „The Wonder of you“, „In the Ghetto“ oder das erst 2002 zum weltweiten Nummer Eins-Hit remixte „A little less conversation“ zum Besten gab. Zur Feier des Tages hatte Journal-Wirtin Gaby Laabs sogar American Hotdogs im Memphis-Style angeboten.

„Meine Eltern sind fanatische Elvis-Fans.“ Gordon Davis, Elvis-Imitator
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