Taschenkrebs nach Omas Rezept

Messe „Fisch & Feines“: Regionales und Saisonales

Auf der Messe „Fisch und Feines“ gibt es so einiges zu entdecken. Der Trend geht zum „Slow Food“ - der Wiederentdeckung alter Sorten und der regionalen Küche.
06.11.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Kristina Bellach
Messe „Fisch & Feines“: Regionales und Saisonales

Biologe Kai Wätjen zeigt auf der Messe, wie man Taschenkrebse zubereiten kann.

Karsten Klama

Auf der Messe „Fisch und Feines“ gibt es so einiges zu entdecken. Der Trend geht zum „Slow Food“ - der Wiederentdeckung alter Sorten und der regionalen Küche.

Verdutzt steht Reinhard Kracke vor dem Korb mit dem farbenprächtigen Gemüse. Pastinaken liegen am Stand des Wilstedter Gemüsehandels Green Goods. Und Bete, nicht nur rote, sondern auch gelbe und geringelte. Möhren, zeigt Conrad Bölicke, der über das Gemüse informiert, gäbe es gleich in fünf Farben: weiß, violett, orange, rot und gelb. „Ist ja Wahnsinn, was die Natur kann“, staunt Kracke, der mit seiner Frau Angelika aus Delmenhorst zur Messe „Fisch und Feines“ angereist ist. „Ja“, gibt Bölicke zu bedenken, „früher war die Vielfalt bunt. Die Reduktion der Möhre auf nur orange ist das Produkt unserer Industriegesellschaft.“

„Ach, du grüne Neune“, entfährt es Kracke da. Doch Bölicke, der sich selbst als Essenskultur-Beauftragter bezeichnet, lässt seine jetzt aufgerüttelten Besucher nicht von der Angel. „Um 1900 gab es in Europa noch 1000 Kartoffelsorten. Heute nicht mehr.“ Der Grund ist so einfach wie bestechend: „Früher war jeder Bauer sein eigener Züchter, es gab keine Saatgutfirmen.“

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Auf eine Art haben die Menschen sich im Laufe der Jahrzehnte selbst etwas genommen. Mit dem, was sich hinter dem Begriff „Slow Food“ verbirgt, der regionalen Küche und der lokalen Produktion von Lebensmitteln – und damit auch der Wiederentdeckung alter Sorten – scheint der Trend eine Kehrtwende zu machen.

Das Thema ist angekommen

Diese Tendenz bildet die Messe deutlich ab. Viele der rund 220 Aussteller kommen aus Bremen und Niedersachsen, andere aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. „Die Sache ist bei den Leuten angekommen“, ist Jürgen Fricke, Projektleiter der Messe, überzeugt. Ein Grund dafür, dass das Messeteam sich ins Auto gesetzt, und Familienbetriebe, kleine Start-up-Firmen und direktvermarktende Landwirte oft persönlich angesehen und eingeladen hat.

„Ich habe selbst ein Interesse daran, dass gute Landwirtschaft erhalten bleibt“, erklärt Fricke. Lange Transportwege und viele Importe ließen sich oft durch fundiertes Wissen der regionalen Produkte vermeiden. „Das sind Dinge, die unsere Großmütter noch gewusst haben: sich ganzjährig mit dem zu ernähren, was hier wächst – solche Sachen finde ich spannend.“

Fisch effektiv nutzen

Messe Fisch und Feines. Nudelpfanne mit Kürbis von den Schulküchen Bremen mit Marc Halbroth-Gottwald an der Pfanne. Foto: Karsten Klama

Messe Fisch und Feines. Nudelpfanne mit Kürbis von den Schulküchen Bremen mit Marc Halbroth-Gottwald an der Pfanne. Foto: Karsten Klama

Foto: Karsten Klama

Dass man den Fisch nicht nur filetieren und essen kann, beweist die Fachfrau. Von einem Seeteufel, der sieben Häute besitzt, blieben nach dem Filetieren nur etwa 30 Prozent des gesamten Fisches übrig. Im Rahmen eines Fischfonds ließe sich der Abfall jedoch vermeiden. Dafür müsse man sich nur beim Fischhändler die Häute und Knorpel einpacken lassen.

„Da nehmen Sie die Karkassen, ein bisschen Öl, gehackte Zwiebel, eine Möhre, etwas Porree, Lorbeer, Salz und Pfeffer und bereiten daraus einen Fischfond zu.“ Nachhaltigkeit hat eben viele Wege. „Das ist ein bisschen aufwendiger“, meint Huthsfeld, „aber dann haben Sie den Fisch fast komplett verwertet.“

Bier für Gourmets

Wie man Bier „stachelt“, also den Restzucker im Getränk karamellisiert, lernt man, wenn man im Craft-Beer-Teil der Messe Jens Kummert über die Schulter schaut. Kummert, der im Schulzentrum am Rübekamp angehende Brauer unterrichtet, begrüßt die vielen kleinen handwerklichen Brauereien, die in Norddeutschland entstanden sind und nun charaktervolle Biere herstellen.

Juliane, Anne und Karin Wolters und Alexander Schulz (v.l.) genießen auf der Messe überdimensionale Beef Ribs.

Juliane, Anne und Karin Wolters und Alexander Schulz (v.l.) genießen auf der Messe überdimensionale Beef Ribs.

Foto: Karsten Klama

Von Senf bis Schnaps hat Juliane Wolters fast alles probiert. „Weil es lecker ist“, stellt sie zufrieden fest, während sie sich im Streetfood-Bereich mit ihren Kindern Beef Ribs schmecken lässt. Ideen nähmen sie bei jedem Messebesuch mit: ein Gemüsekisten-Abo für ihre Tochter Anne oder Tipps zum Einkaufen von regionalen Bioprodukten.

Regional, nachhaltig, lecker und günstig

So erreicht die Messe garantiert diejenigen, die sich von vornherein für das Thema interessieren. Und alle anderen? Auch die denken um, ist Melanie Wolters sicher. Auf ihrer Nutztierarche Wolters macht sie vom Aussterben bedrohten Rassen wie das köstlich schmeckende Angler Sattelschwein wieder bekannt. „Wenn man das schafft, stärkt es die Nachfrage.“ Etwas mehr Geduld als beim Mastschwein, das in fünf Monaten 90 Kilo auf die Waage bringt, müsse man bei den alten Rassen jedoch haben. Dafür würde man belohnt. „Aber dass immer alles schnell, schnell geht, sollte auch nicht der Plan der Menschheit sein.“

Und die Sache mit dem Preis? „Ach was“, winkt Bölicke ab. „Machen Sie mal Salat aus roten, blauen und gelben Kartoffeln, bayrische Art – das ist doch schon eine Sensation.“ Oder Selleriepommes mit Petersilienpesto. „Da fehlt weder Bulette noch Wurst.“ Regional, nachhaltig, lecker und günstig. Geht alles gleichzeitig. „Das kann ich den Leuten erklären, aber das nützt nichts“, meint er. Selbst probieren müsse man es.

Die Messe "Fisch & Feines", die zeitgleich stattfindende Urlaubsmesse "Reiselust" sowie die Reisemobilmesse "Caravan" haben an diesem Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
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