Aktionstag beiderseits der Weser: Gewerkschafter suchten den Dialog mit prekär Beschäftigten Metaller machen gegen Leiharbeit mobil

Vegesack·Lemwerder. Die Industriegewerkschaft Metall hat am gestrigen 'Welttag für menschenwürdige Arbeit' mit einer Aktion beiderseits der Weser auf das Los der Leiharbeitnehmer aufmerksam gemacht. An Info-Ständen auf dem Vulkan-Gelände und vor dem Werkstor der Lürssen-Werft versuchten die Gewerkschafter, mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen
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Metaller machen gegen Leiharbeit mobil
Von Jürgen Theiner

Vegesack·Lemwerder. Die Industriegewerkschaft Metall hat am gestrigen 'Welttag für menschenwürdige Arbeit' mit einer Aktion beiderseits der Weser auf das Los der Leiharbeitnehmer aufmerksam gemacht. An Info-Ständen auf dem Vulkan-Gelände und vor dem Werkstor der Lürssen-Werft versuchten die Gewerkschafter, mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen

Auf der Bremer Seite hatten sich die Metaller in Höhe des früheren Vulkan-Betriebsratsgebäudes postiert. Für die Gewerkschafter ist die Restrukturierung des einstigen Werft-Areals eine zweischneidige Sache. Zwar haben sich nach der Vulkan-Pleite wieder Metallbetriebe angesiedelt, die wie der Windkraft-Komponentenhersteller Ambau, die Lürssen-Werft und die Brenn- und Verformtechnik (BVT) gut im Geschäft sind. Doch in den meisten Firmen gebe es nicht einmal einen Betriebsrat, geschweige denn gewerkschaftlichen Einfluss, sagt IG-Metall-Sekretärin Antje Edel.

Stattdessen sei in vielen Betrieben die Leiharbeit auf dem Vormarsch. Für die Betroffenen schlage sich das massiv im Portemonnaie nieder. Während ein Metallfacharbeiter nach Tarif mit 16 bis 17 Euro pro Stunde entlohnt werde, zahlten die dem Leiharbeits-Branchenverband IGZ angeschlossenen Firmen nur 10,16 Euro. Auch Leistungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld fielen - sofern sie überhaupt gewährt würden - deutlich niedriger aus.

Gegen 16 Uhr war die Resonanz am Info-Stand der Metaller noch verhalten. Ein rundes Dutzend Leiharbeiter hatte seit den Mittagsstunden das Gesprächsangebot wahrgenommen. 'Manche haben sich in ihr Schicksal ergeben', vermutete der frühere Vulkan-Betriebsrat Adolf Schäfer, der die Aktion als Mitglieder der Seniorengruppe der IG Metall unterstützte. Andere trauten sich womöglich nicht, sich am Info-Stand der Gewerkschaft blicken zu lassen. Die wenigen, die es taten, hätten alle die gleiche Frage gestellt, so Antje Edel: 'Wir wollen den gleichen Lohn wie die Stammbeschäftigten. Könnt ihr uns da helfen?' Kaum, musste Edel entgegnen. Denn die Gewerkschaft könne nur da etwas für die Arbeitnehmer erstreiten, wo Zusammenhalt und ein hoher Organisationsgrad existieren. So wie bei den Stahlkochern von ArcelorMittal, die erst kürzlich neben einem deutlichen Lohnplus den Grundsatz 'Gleicher Lohn für gleiche Arbeit' zugunsten der Leiharbeiter in der Stahlindustrie erzwangen. In der

Leiharbeitsbranche herrschten andere Verhältnisse, seufzte Edel. Die allerwenigsten Beschäftigten seien organisiert, und für die Gewerkschaft sei es nahezu unmöglich, zumindest einmal einen Warnstreik auf die Beine zu stellen. 'Denn man bekommt die Beschäftigten einer Leiharbeitsfirma ja kaum zu greifen. Die sind über zig Einsatzorte verstreut', verdeutlichte die Metallerin.

Im Gespräch mit der NORDDEUTSCHEN bekannte einer der Betroffenen, ein gelernter Maler, seine Frustration über sein Schicksal als Leiharbeiter. 'Man macht die gleiche Arbeit wie andere und kriegt viel weniger', beklagte der Mittfünfziger am Stand der IG Metall. 'Du bist auch viel schneller wieder draußen, wenn einem Vorgesetzten deine Nase nicht passt.' Der Handwerker, der schon diverse Stationen in der prekären Beschäftigung hinter sich hat, machte die Politik für den sozialen Abstieg Hunderttausender mitverantwortlich: 'Man hätte die Ausdehnung der Leiharbeit in dieser Form gar nicht zulassen dürfen.'

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