Grundsteinlegung der Firma Peper und Söhne

Meyer-Heder bei einem seiner wenigen öffentlichen Auftritte

Carsten Meyer-Heder ist seit seiner Nominierung zum Spitzenkandidaten kaum auf öffentlichen Bühnen aufgetreten. Bei der Grundsteinlegung der Firma Peper und Söhne schaute er als Gast vorbei.
06.09.2018, 20:00
Lesedauer: 3 Min
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Meyer-Heder bei einem seiner wenigen öffentlichen Auftritte
Von Lisa-Maria Röhling
Meyer-Heder bei einem seiner wenigen öffentlichen Auftritte

Matthias Peper (v.l.), Lutz Peper und Christoph Peper füllen zusammen mit Carsten Meyer-Heder den Grundstein.

Frank Thomas Koch

Wechselstimmung, das scheint das entscheidende Stichwort an diesem Nachmittag zu sein. Während der Wind etwas auffrischt und über der Weser dunkle Wolken aufziehen, legen Lutz Peper und seine Söhne Christoph und Matthias den Grundstein für die Halle 5 ihres Grundstücks am Allerkai. Die drei Männer halten Spachtel in ihren Händen und schaufeln nacheinander Beton in den hohlen Grundstein, in dem sie gerade eine Zeitkapsel mit Fotografien, Visitenkarten und einer Tageszeitung versenkt haben. Die Firma Peper und Söhne hat das Gelände direkt am Autobahnzubringer Hemelingen vor fünf Jahren gekauft. Nun wollen sie es mit ihren Bauvorhaben wiederbeleben, wollen hier vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen Büro- und Gewerbeflächen ermöglichen. Wechselstimmung, eben.

Doch auch der prominente Gast an diesem Tag signalisiert Wechselstimmung: Carsten Meyer-Heder, Spitzenkandidat der CDU für die Bürgerschaftswahl 2019. Er steht etwas hinter der Führungsriege des Familienunternehmens, hält sich offenbar bewusst im Hintergrund. Auch er nimmt Beton auf, füllt sie in den Grundstein, dann tritt er wieder zurück, überlässt den Pepers das Feld.

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Meyer-Heder hatte seit seiner Ernennung zum Spitzenkandidaten nur wenige öffentliche Auftritte. Sicher, bei Bürgerstammtischen und anderen Terminen war er zu Gast, stellte sich vor, kam mit den Menschen ins Gespräch. Doch ein Mikrofon nimmt er selten in die Hand. An diesem Donnerstagnachmittag in Hemelingen steht er auf einer Bühne, auf Einladung von Lutz Peper, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verbindet. Um 15 Uhr soll es losgehen, erst steht eine Gesprächsrunde mit Christoph und Lutz Peper auf dem Programm – danach soll Meyer-Heder die Bühne betreten.

Der Mann im Hintergrund

Doch der Spitzenkandidat ist verspätet, er kommt direkt aus Berlin an den Allerkai. Um halb vier steigt Meyer-Heder mit Schwung aus dem Auto, geht mit schnellen Schritten auf Lutz Peper zu, macht dann die Runde, schüttelt Hände. Auf der Bühne stellt ihm dann Moderator Axel Pusitzky einige Fragen. Meyer-Heder überragt Pusitzky um einige Zentimeter und bleibt trotzdem, mitten auf der Bühne im Scheinwerferlicht, im Hintergrund. Wenn Pusitzky spricht, legt Meyer-Heder seine Hände gefaltet ineinander und lässt sie vor seinem Bauch hängen, manchmal dreht er die Daumen umeinander. Auch im Stehen lehnt er sich ein wenig zurück, die Beine sind durchgestreckt, ganz so, als wolle er Standfestigkeit demonstrieren.

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Erst wenn er das Mikrofon ergreift, tritt er einen Schritt vor, gestikuliert beim Reden mit dem freien Arm in großen Bewegungen. Er duzt die Anwesenden, nennt die Menschen "Leute". Meyer-Heder sagt, er lerne noch viel dazu – auch in Sachen Politik. Aber als Unternehmer stehe er für Werte ein, die er in der Politik durchaus übernehmen könne; er könne Menschen mitnehmen und ein Team führen. Die Zeit seit seiner Nominierung sei bisher anders verlaufen, als gedacht: Er habe den "naiven Plan" gehabt, die Führung seines Unternehmens Neusta langsam in andere Hände zu übergeben und erst dann langsam die Aktivitäten in der Politik zu steigern. "Das war Quatsch", gibt er zu. So ist Hemelingen an diesem Donnerstag nicht seine letzte Station: Nach der Grundsteinlegung soll es noch in die Handelskammer und schließlich zu einem Bürgerdialog gehen. Die Uhr tickt. Denn auch wenn der Wahlkampf noch nicht begonnen hat: Meyer-Heder will eigentlich loslegen.

"Das ist eine Sache, für die es sich zu kämpfen lohnt"

Warum er sich das Ganze überhaupt antut? In Bremen werde unterm Wert regiert, sagt Meyer-Heder, das wolle er ändern. Dann spricht er von dieser Wechselstimmung in der Stadt und davon, wie gerne er die Herausforderung der Spitzenkandidatur angenommen habe. "Das ist eine Sache, für die es sich zu kämpfen lohnt", sagt er und bekommt spontanen Applaus von den anderen Gästen. Den Wechsel ohne die Roten in der Regierung, wie er es nennt, das wolle er erreichen. Für die CDU erhofft er sich deshalb im kommenden Jahr mindestens 30 Prozent, 35 Prozent noch eher. "Wenn Jamaika, dann nur so", sagt er. Mitte Januar sagte er: "Mitte 30 sollten es schon werden."

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Wie er die 35 Prozent schaffen kann, sagt Meyer-Heder ganz offen: "Die Aufgabe ist jetzt, mich bekannter zu machen." Auch deshalb habe er die Einladung an den Allerkai genutzt, sagt er später, als der offizielle Teil vorbei ist und er noch einmal die Runde unter den Gästen macht. Dabei habe er das Vier-Augen-Gespräch lieber als große Reden. Seine Art, wie er Gespräche führe, werde er aber auch im eigentlichen Wahlkampf beibehalten. Egal, wie bekannt er bis dahin sei. Und außerdem, lässt Meyer-Heder durchblicken, so ein echter Nachteil kann seine mangelnde Bekanntheit gar nicht sein: "Carsten Sieling ist ja auch nicht viel bekannter."

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