Jan Saffe aus dem Steintor engagiert sich auch als Bürgerschaftsabgeordneter für Bewegungsfreiheit

„Mich nervt es, wenn da Barrieren sind“

Östliche Vorstadt·Mitte. Jan Saffe engagiert sich bereits seit 2012 für ein barrierefreies Viertel. Seit der Verein Selbstbestimmtes Leben und das Haus im Viertel eine Initiative unter diesem Motto gegründet haben, hat sich am Ostertorsteinweg und Vor dem Steintor ein bisschen was getan.
22.06.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Ina Schulze

Jan Saffe engagiert sich bereits seit 2012 für ein barrierefreies Viertel. Seit der Verein Selbstbestimmtes Leben und das Haus im Viertel eine Initiative unter diesem Motto gegründet haben, hat sich am Ostertorsteinweg und Vor dem Steintor ein bisschen was getan. Der grüne Bürgerschaftsabgeordnete aus dem Steintor sieht in den Seitenstraßen allerdings noch erheblich mehr Handlungsbedarf – und wohnt schließlich auch in einer Seitenstraße.

Das Viertel soll barrierefrei werden. Im Ostertorsteinweg und Vor dem Steintor verschwinden Werbetafeln vor der Tür, Fahrräder dürfen nicht achtlos in den Weg gestellt werden, und durch Markierungen vor Gastronomie und Läden sollen zwei Meter des Gehweges für Fußgänger frei bleiben. In den Nebenstraßen des Viertels ist die Situation durch besonders enge Fußwege nach wie vor schwierig. Beispielsweise verengen in der Prangenstraße zusätzlich Halteverbotsschilder während einer Bauphase einen Gehweg noch bis voraussichtlich Ende September. In der Berliner Straße stehen dicke Aufstellvorrichtungen mitten auf dem Gehweg. Fahrräder werden noch immer an den Zäunen befestigt – und schon ist der Weg für Rollstuhlfahrer kaum passierbar. Für Jan Saffe gehören diese Bilder zu seinem Alltag, er wohnt mit Blick auf das Haus im Viertel. Dort sieht er oft Leute im Rollstuhl oder mit dem Rollator, die an Hindernissen nicht vorbeikommen. „Mich nervt es auch für mich selbst, wenn da Barrieren sind“, sagt Jan Saffe, „In meiner Straße stand auch schon mal ein Dixi-Klo mitten auf dem Bürgersteig.“

Die Gehwege in den Seitenstraßen des Viertels sind besonders eng und oft nicht einmal die gewünschten zwei Meter breit. „Die Bürgersteige könnten reichen, wenn auf der Straße mehr Platz wäre für Mülltonnen, Schilder und Sperrmüll“, sagt Jan Saffe, „irgendwie hat sich eingebürgert, dass auf dem Bürgersteig Platz für alles ist, obwohl auf der Straße viel mehr Platz ist.“ Im Ostertorsteinweg und Vor dem Steintor hat sich schon etwas getan, und in den kommenden Wochen folgen weitere Informationen an die Gastronomen. Markierungen werden aufgetragen, um die zwei Meter Barrierefreiheit zu garantieren.

Jan Saffe ist der Ansicht, dass man einfach nicht locker lassen darf, auch was die Nebenstraßen angeht. Aus diesem Grund war ein Punkt auf der Tagesordnung einer Deputationssitzung „Hindernisse auf Gehwegen“. Jan Saffe hatte eigens Fotos von der Situation der Nebenstraßen im Viertel verteilt.

Bei der Gelegenheit erfuhr der grüne Abgeordnete, dass es erlaubt ist, Verkehrsschilder – etwa für eine Baustelle – auf den Gehweg zu stellen. Denn nach der Straßenverkehrsordnung dürfen die Pfosten nicht auf der Straße stehen, weil sie dort den Raum einengen. Die Schilder müssten auf die „Nebenanlagen“ gestellt werden. „Für die Rollstuhlfahrer sind das aber die Hauptanlagen“, argumentiert Saffe. „Der breiteste Raum, der für die Autos zur Verfügung steht, der soll nicht durch Hindernisse, die an ihn gerichtet sind, eingeengt werden? Das verrät etwas darüber, wie weit es gekommen ist mit der Besetzung – und wem welche Fläche gehört.“ Die Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen (RSA) besagen allerdings auch, dass selbst bei engen Gehwegen, unnötige Behinderungen durch eine geeignete Materialauswahl vermieden werden können. Jan Saffes Anliegen wird nun an die Innenbehörde weitergeleitet.

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