Serie „Behörde, Behörde“: Teil 9

Michael Glotz-Richter: „Ein Highlight war Schanghai“

Nachhaltige Mobilität ist sein Metier: Michael Glotz-Richter kümmert sich als Referent um die Förderung des Carsharings, Projekte zu autonomem Fahren und neue Formen von Verkehrsplanung.
23.02.2020, 21:05
Lesedauer: 2 Min
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Michael Glotz-Richter: „Ein Highlight war Schanghai“
Von Nina Willborn
Michael Glotz-Richter: „Ein Highlight war Schanghai“

Das Ressort für Umwelt, Bau und Verkehr kümmert sich um viele Themen, wie zum Beispiel nachhaltige Mobilität.

Karsten Klama
Sie machen Ihren Job schon sehr lange. Wie hat sich nachhaltige Mobilität seit 1996 verändert?

Das Thema war 1996 etwas ganz Neues. Als wir zum Beispiel mit der Förderung für Carsharing angefangen haben, wurden wir als nette Tagträumer angesehen. Mittlerweile ist das völlig in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Technisch hat sich natürlich vieles weiterentwickelt. Heute gibt es auch eine größere Bereitschaft, sich auf neue Themen einzulassen. Die Herausforderung ist ja, dass wir wissen, dass es nicht so weitergehen kann. Es geht weder vom Klimaschutz her noch von den Ressourcen, was übrigens auch auf den Platz bezogen ist, den es in den Städten gibt.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Wir als Team nachhaltige Mobilität kümmern uns darum, Fördermittel des Bundes oder der Europäischen Kommission nach Bremen zu holen. Wir leiten oder koordinieren auch Projekte auf Bremer oder europäischer Ebene, zum Beispiel zu den Themen Elektromobilität, automatisiertes Fahren oder „Shared Mobility“. Da muss man übrigens sagen, dass sich Bremen unter Wert verkauft.

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Wieso?

Bremen macht sich selbst schlecht, dabei funktioniert hier zum Beispiel beim Radverkehr im Vergleich zu vielen anderen Städten einiges deutlich besser. Wenn ich Besuchsgruppen aus allen möglichen Ländern hier habe, höre ich oft: Was ist das für eine geile Stadt, warum ist Bremen nicht bekannter? Auch die Etablierung von Carsharing ist deutlich weiter als in vielen anderen Städten. Aber das wird international viel mehr wahrgenommen als hier. Über den Tellerrand gucken zu dürfen, ist übrigens auch ein Reiz, der meinen Job ausmacht.

Haben Sie ein Beispiel?

Ein absolutes Highlight war, dass wir mit dem Thema Carsharing und den Mobilpunkten von einer internationalen Jury ausgewählt worden sind für die Weltausstellung in Schanghai im Jahr 2010. Auf einmal war da Bremen für ein halbes Jahr mit einem eigenen Pavillon präsent.

Glauben Sie, dass die Bremer Innenstadt 2030 autofrei ist?

Ja, aber wir müssen es jetzt angehen. Das Modell der Martinistraße 2030 kann man sich in Brüssel angucken. Der Boulevard Anspach, eine vierspurige Straße in der Innenstadt, wurde zurückgebaut, ist jetzt teilweise Fußgängerzone. Da kann man sehen, was man aus so einer Straße herauskitzeln kann, wenn man sich traut. In Brüssel gab es vorher auch eine ganz heftige Diskussion, man konnte den Eindruck bekommen, die Welt geht unter. Und jetzt ist der Umbau da, und es ist toll.

Das Gespräch führte Nina Willborn.

Info

Zur Person

Michael Glotz-Richter (64)

arbeitet als Referent für nachhaltige Mobilität. Der Diplomingenieur für Stadt- und Regionalplanung ist seit 1996 in der Verkehrsbehörde.

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