Ärger um Renovierung Mieter in Horn-Lehe klagen gegen Gewoba

Nach Sanierungsarbeiten in einem Mietblock in Horn-Lehe, bei denen einige Schäden entstanden, warten Bewohner noch immer auf versprochene Leistungen des Wohnungsunternehmens.
25.08.2018, 12:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Samira El Hattab

Schimmel in Wohnräumen, zerstörte Fliesen und nicht gezahlter, obwohl versprochener Kostenersatz – bei den Bewohnern des Mietblocks Spittaler Straße 36 liegen derzeit die Nerven blank. Begonnen hatte alles im Frühjahr 2017 mit einer positiven Nachricht: Die Gewoba als Vermieter kündigte an, die Badezimmer in dem Mehrfamilienhaus erneuern zu lassen. Doch was dann bei der Renovierung folgte, war laut Mietparteien des Hauses alles andere als erfreulich. Mittlerweile klagt das Ehepaar Wilczek gegen die Gewoba, Familie Krützfeld ist ausgezogen, und Gülzade Karahisar steht vor einer selbstfinanzierten neuen, aber nun erheblich beschädigten Küche. Insgesamt geht es um einige Tausend Euro, die Mieter von der Gewoba als Entschädigung fordern.

"Als wir nach einem Monat endlich wieder nach Hause kamen, sah das renovierte Badezimmer zwar schick aus, doch überall fanden wir Schäden", beklagen Peter und Theresa Wilczek. Bereits seit 32 Jahren lebt das Ehepaar in der Spittaler Straße, ohne dass es in der Vergangenheit nennenswerte Probleme mit der Gewoba gab. Doch mittlerweile spielen sie mit dem Gedanken auszuziehen. "Alles wurde unglaublich dreckig hinterlassen, in den Böden fanden wir Löcher, und unser selbstständig aufgestellter Schutz für elektronische Geräte wurde einfach entfernt", sagt Peter Wilcek.

Schäden in der Küche

Die Beschwerden häufen sich auch bei der Nachbarin Gülzade Karahisar. Sie habe sich kurz vor der Renovierung eine neue Küche einbauen lassen. Nun findet sie Schränke, die falsch montiert wurden, der Fußboden ist in Teilen zerstört, und Schimmel in ihrer Wohnung mehrt sich.

"Wir sanieren als Gewoba rund 1000 Bäder im Jahr", sagt Petra Kurzhöfer, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Stadtentwicklung, einer Tochtergesellschaft des Wohnungsbauunternehmens. Dabei gebe es Standards, mit denen gearbeitet werde. "Grundsätzlich sind wir sehr bemüht, Schäden, die bei so vielen Erneuerungen natürlich vorkommen können, einvernehmlich zu regeln", sagt sie. Die konkreten Umständen in der Spittaler Straße seien ihr auf Anhieb nicht bekannt.

Die Mieter leben seit Oktober wieder in ihren sanierten Wohnungen – und versuchen seitdem nach eigenen Angaben ohne befriedigenden Erfolg, Kontakt mit der Gewoba aufzunehmen. Sie schrieben zum Beispiel Briefe oder versuchten, Verantwortliche telefonisch zu erreichen. Bislang ohne Rückmeldung. Nachdem Wilczek und Karahisar keine Fortschritte erreichten, wendeten sie sich an den Mieterschutzbund.

"Es gibt bei Sanierungen – vor allem wenn die Bewohner vorübergehend in eine andere Wohnung unterkommen müssen –, Mietminderungsansprüche, aber auch Aufwendungsersatzansprüche", sagt Gert Brauer vom Mieterschutzbund. Das seien unter anderem BSAG-Karten, die erstattet werden müssen, wenn Anwohner in komplett andere Stadtteile untergekommen. Réne Krützfeld ist mit seiner Familie zum Beispiel aus der Spittaler Straße in die neue Vahr gezogen. Laut seiner Aussage bedeutete das einen großen Aufwand hinsichtlich des Schulweges der Kinder, aber auch für ihn und seine Frau. Die im Voraus versprochenen Gelder möchte er ausgezahlt bekommen.

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"Wir wissen, dass diese Sanierungsarbeiten für alle einen großen Aufwand bedeuten, und wir sind sehr bemüht, für jeden eine gute Wohnalternative zu organisieren", betont Kurzhöfer. Die Gewoba bezahle auch die sogenannten Aufwendungsersatzansprüche, sofern sie begründet seien und mit einer Quittung nachgewiesen würden. Trotzdem sahen die Mietparteien im betroffenen Haus in der Spittaler Straße bislang nichts von den Geldern, die ihnen zustehen.

"Wir haben die Gewoba mehrfach angeschrieben, doch die blocken", sagt Gert Brauer. Das sei durchaus typisch, denn die meisten Betroffenen würden sich nicht trauen, gegen so ein großes Unternehmen zu klagen und letztendlich von einem Gerichtsverfahren absehen.

Es geht um viel Geld

Dem betroffenen Ehepaar Wilzcek habe er aber ausdrücklich zu einer Klage geraten, denn bei ihm geht es laut Brauer "um richtig viel Geld". Diesem Rat will Peter Wilczek folgen. Anders als bei anderen Mietparteien geht es in seinem Fall bei Weitem nicht nur um Fahrtkosten. "Als es damals um die Organisation der vorübergehenden Unterkünfte ging, schlug ich meinem Nachbarschaftsmanager vor, dass wir zu Not auch bei meiner Schwiegermutter leben könnten", erzählt Wilczek. Dieser sei für diese Bereitschaft sehr dankbar gewesen und habe zugesagt, dass die Gewoba für die entstehenden Kosten der Schwiegermutter aufkommen werde. Wilczeks zogen während der Sanierungsarbeiten tatsächlich zu der Verwandten und dachten, sie seien der Gewoba damit entgegengekommen. "Jetzt jedoch behauptet die Gewoba, dass sie uns eine Wohnung angeboten habe, und will die Kosten, die sich im vierstelligen Bereich befinden, nicht zahlen", sagt Peter Wilczek. Er geht nun gerichtlich dagegen vor. "Eine Erfolgsaussicht ist da", ist Rainer Wochem, der Anwalt des Ehepaars überzeugt.

Der Prozessauftakt ist vorraussichtlich Ende September – die Wartezeit ist für die Rentner eine Belastung. "Wir brauchen das Geld, und irgendwer muss sich doch auch trauen, gegen die Gewoba vorzugehen", sagt Peter Wilczek. Petra Kurzhöfer von der Gewoba kündigt an, den Vorwürfen der anderen Mietparteien noch einmal nachzugehen: "Wenn Leute gerichtlich gegen uns vorgehen, dann kann ich zunächst nichts mehr machen, doch bei den anderen Fällen werde ich schauen, ob da tatsächlich noch etwas offen ist", sagt sie.

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