Kolumne von Willi Lemke

Migranten, die Karriere machen

Willi Lemke wünscht sich, es gäbe viel öfter Anlass und Gelegenheiten, über Beispiele zu berichten, die die positiven Seiten der Migration aufzeigen.
16.11.2018, 22:15
Lesedauer: 2 Min
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Von Willi Lemke

Deutschlandweit hören, lesen und sehen wir immer wieder Berichte über kriminelle Handlungen von Migranten. Das erweckt den Eindruck, dass da lauter Verbrecher unterwegs sind, die in unser Land kommen. Es gibt sie, und darüber soll auch berichtet werden. Aber es gibt auch viele, viele andere. Unter den anderen Menschen sind auch einige, über die, wie ich finde, viel öfter berichtet werden sollte. Über integrationswillige, ehrgeizige junge Leute, die in unserem Land erfolgreich sind.

Davon konnten wir in Bremen gerade in dieser Woche lesen, hören und sehen. Der WESER-KURIER hat am Montag unter dem Titel „Zwischen den Welten. Vom Flüchtlingskind zum Neurochirurgen“ über einen jungen Mann berichtet. Ajmal Zemmar, ist in Huchting groß geworden und nun als erfolgreicher Arzt und Neurochirurg weltweit beruflich unterwegs. Als er sechs Jahre alt war, floh er mit seiner Mutter aus Afghanistan, sein Vater kam später nach. Die Eltern, die in ihrer Heimat gut situiert waren, mussten in Bremen klein anfangen, die Mutter putzen, der Vater Taxi fahren. Die Familie lebte mit fünf Personen in einer Zwei-Zimmer-Wohnung eines Mehrparteienhauses in Huchting.

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Alles keine sehr guten Voraussetzungen für den jungen Ajmal. Dass er leicht auf die schiefe Bahn hätte geraten können, liegt nahe, und das sieht er auch heute so: „Ich war eher einer von den Bösen“, wird er in dem Artikel zitiert. Aber seine Eltern hätten ihm immer wieder eingebläut, sich um Bildung zu kümmern. Mit Erfolg. Mit ihrer Unterstützung und mit derer seiner Lehrerinnen und Lehrer hat er es geschafft. Es geht also – auch in einem Bildungssystem, das immer wieder in der Kritik steht.

Auch das Fernsehmagazin Buten & Binnen wartete in dieser Woche mit eine Geschichte über eine junge Migrantin auf, die mich begeistert hat. Am Montag wurde eine 21 Jahre alte Tänzerin aus der Mongolei, Onondari Nergui, vorgestellt, die am vergangenen Wochenende mit ihrer Mannschaft des Grün-Gold-Club die deutsche Tanzmeisterschaft der Lateinformationen errungen hat. Herzlichen Glückwunsch an alle! Die Psychologiestudentin ist seit einem Jahr in Bremen und spricht, wie man in dem Beitrag hören konnte, schon recht gut Deutsch. Was mich aber besonders beeindruckte, waren ihre Ausstrahlung und ihr Ehrgeiz. Sechs Jahre zuvor war sie mit ihrer mongolischen Mannschaft bei einem WM-Turnier in Bremen und von dem Grün-Gold-Team so begeistert gewesen, dass sie Teil dieses Team werden wollte – das hat sie jetzt geschafft. Ihr großartiger Trainer ­Roberto Albanese lobt nicht nur Onondaris tänzerische, sondern auch ihre menschlichen Qualitäten, mit denen sie sich in ihr Team einbringt.

Das sind zwei Geschichten von Ausländern in Bremen, die eines gemeinsam haben: Sie zeigen sehr positive Seiten der ­Migration. Ich wünschte, es gäbe viel öfter Anlass und Gelegenheiten, über solche Beispiele zu berichten. Denn es gibt viel mehr davon.

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