Besuch auf der Osterwiese Milan will Action

Bremen. 18 Punkte - Milan hat Erfolg beim Entenangeln. Eigentlich ist das altersgerechte Spiel genau das Richtige für den Vierjährigen, obwohl: 'Wir gehen mit ihm gleich in den Happy Sailor', sagt die Oma, 'Milan will Action, die kleinen Karussells mag er nicht.'
28.03.2010, 08:00
Lesedauer: 3 Min
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Milan will Action
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. 18 Punkte - gar nicht schlecht, was Milan da gelungen ist. Der Vierjährige hat Enten geangelt, fahlgelbe Tierchen mit Metallplatten auf dem Kopf, damit der Magnet was zu fassen bekommt. Ein Kinderspiel und altersgerecht, obwohl: 'Wir gehen mit ihm gleich in den Happy Sailor', sagt die Oma, 'Milan will Action, die kleinen Karussells mag er nicht.' Familie Windhorst auf der Osterwiese, sie ist früh dran, am Nachmittag wartet zu Hause noch Arbeit.

Der erste volle Tag auf der Osterwiese, und entgegen der Wettervorhersage und den Befürchtungen der Schausteller bleibt es zunächst trocken. Nach und nach gehen am späten Mittag die Buden und Fahrgeschäfte an den Start und animieren die Besucher zu einem Ritt über die Riesenrutsche, zu Bier und Bratwurst, einer Fahrt mit dem Kettenkarussell - oder einem Salat aus frischen tropischen Früchten.

Peter Eichstädt betreibt die Fruchtoase. 'Das läuft wie wild', sagt er. Vor vier Jahren sei er auf die Idee mit den Früchten gekommen, die Leute, erzählt der 49-Jährige, hätten danach verlangt. Und nun schnippelt er also jeden Tag, was das Zeug hält. Äpfel, Birnen, Apfelsinen, Bananen, das übliche Programm. Aber auch Mango, Kiwi, Ananas oder Litschi, tropisch eben. Man bekommt die Früchte bei Eichstädt solo oder im Mix mit Vanillepudding oder Joghurt. 'Die Männer wollen meist Pudding, die Frauen den mageren Joghurt.'

Ein Trend, der sich ein paar Stände weiter nicht bestätigt. Frauen lassen Süßes aus? Von wegen! Birgit Specka langt ordentlich zu, als sie auf eine besondere Leckerei trifft: Schaumküsse, viele Sorten davon und mit Geschmacksrichtungen wie Eierlikör, Waldmeister, Honig-Mandel, Kokos oder After Eight. Die 42-Jährige lässt sich von der Verkäuferin eine Tüte füllen, zwölf Stück für sechs Euro. Da hat sie was für zu Hause, um zwei Uhr geht es nämlich schon wieder zurück nach Stadland in der Wesermarsch. Specka spielt in einem Musikzug, sie hatten einen Auftritt bei der Bürgerpark-Tombola, und am Donnerstag wird die Truppe auf der Osterwiese trommeln und trompeten. Eine gute Gelegenheit, noch einmal nachzulegen: Schaumküsse oder was anderes. 'Wir kommen vom Land', sagt die Stadlanderin 'für uns ist das hier etwas Besonderes.'

Kostüm vom König

So ein Schaumkuss ist schnell verputzt, und was bleibt dann noch als Erinnerung an die Osterwiese? Anders beim Photopalast. Die Bilder dort sind für die Ewigkeit. Und kommen aus der Vergangenheit. Jedenfalls das, was drauf zu sehen ist: Männer und Frauen in Kostümen, die vor 100 oder 150 Jahren modern waren. Ein schönes, wallendes Kleid mit herrlichen Spitzen, schwarze Zylinder, Handschuhe aus feinstem Stoff, Röcke, Hosen und Blusen, eine Bauerntracht, Hüte, Diademe, die überbordende Pracht der Herrscherklasse von damals, und sogar der König ist da, sein Kostüm.

'Was die Leute am liebsten anziehen, um sich fotografieren zu lassen?' Alexander Oberreiter überlegt kurz: 'Das kann man so pauschal gar nicht sagen, hängt ganz davon ab, in welcher Gegend wir mit unserem Stand sind.' Die Bremer, erzählt er, stehen mehr auf edel. 'König und Dame waren im vergangenen Jahr der absolute Renner, davon haben wir mehr als 130 Aufnahmen gemacht.' Oberreiter, selbst in einem historischen Ledermantel gehüllt, kann diese Vorliebe gut verstehen: 'Jeder will doch mal den König spielen.'

Mittlerweile dreht sich endlich auch das Riesenrad. Die Osterwiese kommt in Schwung und über die Bürgerweide zieht an manchen Ecken der süß-betörende Duft von Popcorn. Ein Stand bietet Langos an. Langos? Nie gehört. Man bekommt sie mit süßem Inhalt und mit pikantem. Es sind Teigfladen, wie sich herausstellt, eine Spezialität aus Ungarn.

Der kleine Milan ist mit Mutter und Oma beim Spaziergang über den Rummel an der Riesenrutsche angelangt. Zack, steht er ganz oben, bereit zur schnellen Abfahrt. Doch als die Mutter und ihr Milan unten ankommen, sind sie ein wenig enttäuscht. 'Im vergangenen Jahr war die Rutsche schneller, da kamen wir richtig angeschossen', berichtet Birte Windhorst. Gut möglich, meint sie, dass die Bahnen zu dieser frühen Zeit noch ein bisschen stumpf sind. Pech für Milan, denn der will: Action!

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