Bildungssenatorin verärgert Milliardenpakt für digitale Bildung vor dem Aus

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) wollte Schulen fit für die Digitalisierung machen. Doch der versprochene Digitalpakt könnte nun scheitern - das sorgt für Verärgerung in Bremen.
09.08.2017, 20:33
Lesedauer: 2 Min
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Milliardenpakt für digitale Bildung vor dem Aus
Von Sara Sundermann

Verdruss in Bremen: Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) ist deutlich verärgert über Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Der Grund: Ein von Wanka zugesagter Milliardenpakt, der moderne Technik für Schulen in ganz Deutschland finanzieren sollte, steht nun offenbar vor dem Aus.

Um Schüler in Bremen und bundesweit fit für die Digitalisierung zu machen, sollten ab 2018 insgesamt fünf Milliarden Euro aus dem Ressort von Wanka in moderne Technikausstattung für den Unterricht fließen. Doch Kultusminister verschiedener Bundesländer zweifeln nun daran, dass die Mittel für diesen milliardenschweren Pakt überhaupt vorhanden sind.

„Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, dann ist der Digitalpakt gescheitert“, sagte Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) der „Süddeutschen Zeitung“. Wanka habe sich offensichtlich „verspekuliert“, die Länder seien „hinters Licht geführt worden“.

Bogedan sprach sich gegen Handy-Verbote aus

Das Verhalten der Bundesbildungsministerin bezeichnet Claudia Bogedan als „unangemessen“: „Ich erwarte, dass Johanna Wanka ihr Versprechen einhält.“ Bogedan hatte sich im vergangenen Jahr auch in ihrer Rolle als damalige Vorsitzende der Kultusministerkonferenz dafür eingesetzt, digitales Lernen an Schulen zu stärken.

Sie warb unter anderem dafür, Smartphones für gezieltes Lernen im Unterricht einzusetzen. Bogedan sprach sich deutlich gegen Handy-Verbote aus, wie sie in einigen Bundesländern – zum Beispiel in Bayern – praktiziert werden und sorgte damit auch für eine Debatte.

Darauf, dass nun die Mittel vom Bund für die technische Ausstattung der Schulen möglicherweise nicht fließen, reagiert die Senatorin mit deutlichen Worten: „Die Kultusministerkonferenz hat geliefert, Bremen hat geliefert, das Geld war versprochen, und es war die Voraussetzung für Pläne zur Digitalisierung in Schulen, die hier erarbeitet wurden.“

Masterplan Medienbildung

Noch am 1. Juni bekannten sich die Länder bei einer Sitzung der Kultusministerkonferenz zum Digitalpakt. Allerdings: Weder Wanka noch einer ihrer Staatssekretäre kamen zu dem Treffen. Nun stehe die Sorge im Raum, dass der Digitalpakt nicht zustande komme, sagte Susanne Eisenmann (CDU), Kultusministerin in Baden-Württemberg und Präsidentin der Kultusministerkonferenz, der „Süddeutschen Zeitung".

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Beim Einsatz digitaler Medien im Unterricht ist Bremen weiter als viele andere Bundesländer. Darauf ist man im Landesinstitut für Schulen und an einigen Schulen stolz. Offenheit für neue Medien bescheinigte den Bremern auch eine Studie der Deutschen Telekom-Stiftung. Als eines der ersten Bundesländer hat Bremen einen Masterplan Medienbildung erstellt, der Lehrern beim Einsatz digitaler Medien Orientierung bieten soll.

Zudem haben alle Schulen Zugang zur digitalen Lernplattform „Its learning“. Bei der Zahl der Rechner, Tablets und Laptops ist an vielen Bremer Schulen aber noch viel Luft nach oben – für eine bessere technische Ausstattung sind die zugesagten Mittel vom Bund von entscheidender Bedeutung.

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