Anzeigen auch im Norden Millionenschwerer Bahnticket-Betrug

Bremen/München. Durch den Missbrauch von Gruppentickets gehen der Deutschen Bahn jährlich Millionenbeträge verloren. Auch in Norddeutschland gibt es deswegen Hunderte Anzeigen. In Bayern geht die Bahn jetzt verschärft vor.
24.10.2013, 04:00
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Millionenschwerer Bahnticket-Betrug
Von Stefan Lakeband

Durch den Missbrauch von Gruppentickets gehen der Deutschen Bahn jährlich Millionenbeträge verloren. Auch in Norddeutschland gibt es deswegen Hunderte Anzeigen. In Bayern ist die Bahn jetzt verschärft dagegen vorgegangen.

Gerade hat die Bahn ihre Ticketpreise erhöht, da gerät eine Möglichkeit, um bei Zugfahrten zu sparen, in die Kritik: Gruppentickets. Nach Auskunft der Deutschen Bahn werden diese Tarife häufig missbraucht.

Der Betrug ist simpel: Sogenannte Schlepper kaufen sich die vergleichsweise günstigen Ländertickets für bis zu fünf Personen und suchen sich am Bahnhof Mitreisende. Die Kosten für den Fahrschein, mit dem man einen Tag lang beliebig häufig fahren darf, werden geteilt. Am Ziel angekommen trennt sich die Reisegruppe, der Schlepper behält aber das Ticket und sucht neue Mitfahrer – natürlich auch gegen Geld. Ein recht einträgliches Geschäft: Nach Schätzungen der Deutschen Bahn nehmen die Schlepper so pro Tag etwa 100 Euro ein. Das Problem: Das Vorgehen verstößt gegen die Beförderungsbedingungen. Dort steht, dass sich Reisegruppen vor dem Ticketkauf zusammenfinden müssen. Spätestens wenn der Schlepper bei der zweiten Fahrt neue Mitreisende mitnimmt, verletzt er diese Regel.

Zahlen aus Norddeutschland zeigen, dass es häufig zu diesem Ticketbetrug kommt. Im Bereich der Bundespolizeiinspektion Bremen gibt es deswegen etwa 100 Anzeigen im Monat, erklärt Sprecher Holger Juretzko. Es reiche schon, wenn der Name ausradiert und neu eingetragen werde – dann sei sogar noch der Tatbestand der Urkundenfälschung erfüllt. „Mitunter kommen auch Leute mit dem Gesetz in Konflikt, die im guten Glauben ein Ticket von einer Person gekauft oder ein Angebot zur Mitfahrt angenommen haben“, sagt Juretzko. Auch bei der Metronom Eisenbahngesellschaft kennt man das Problem. Dort wurden auf allen Strecken in den vergangenen sechs Monaten etwa 500 Anzeigen aufgenommen.

Laut Bahn ist das ein „bundesweites Phänomen mit wechselnden regionalen Schwerpunkten“. Einer davon sei Bayern. Dort geht die Bahn von bis zu 50 professionellen Schleppern aus. Deshalb hat der Konzern in den vergangenen Monaten vermehrt kontrolliert. Mitarbeiter der DB Sicherheit in Zivil haben Schlepper beobachtet und bei einem Wechsel der Reisenden die Bundespolizei informiert. Für die Bahn lohnt es sich, gegen diesen Betrug vorzugehen. Allein in Bayern gehen nach Berechnung der Bahn mindestens 500000 Euro pro Jahr verloren. Da es ähnliche Tickets aber auch in anderen Bundesländern gibt, ist der Verlust noch größer. „Es entsteht ein jährlicher Schaden in Millionenhöhe“, so ein Bahnsprecher. Deshalb werde es in Zukunft auch in anderen Regionen Schwerpunktkontrollen geben. Mehr wollte die Bahn dazu nicht sagen.

Der Fahrgastverband Pro Bahn hat eine einfache Lösung für das Problem. „Wenn alle Namen auf dem Ticket eingetragen werden müssten, könnte man schnell und einfach kontrollieren, ob sich die Reisegruppe verändert hat“, sagt Sprecher Karl-Peter Naumann. Ein Vorschlag, den die Bahn beherzigen will. Mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember bekommt das Länderticket in Bayern fünf Namensfelder, andere Fahrscheine könnten folgen.

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