Klinikum Links der Weser Millionenspende für neues Herzforschungszentrum

Das Bremer Klinikum Links der Weser kann seinen kardiologischen Schwerpunkt durch ein Forschungs- und Ausbildungszentrum ergänzen. Das notwendige Geld kommt von einem anonymen Spender.
26.01.2018, 14:42
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Millionenspende für neues Herzforschungszentrum
Von Jürgen Theiner

Ein Bremer Geschäftsmann stellt einen Millionenbetrag zur Verfügung, damit am Klinikum Links der Weser (LdW) ein herzmedizinisches Forschungs- und Ausbildungszentrum gebaut werden kann. Entsprechende Informationen des WESER-KURIER wurden am Freitag vom städtischen Klinikverbund Gesundheit Nord bestätigt.

Träger der Einrichtung wird die Stiftung Bremer Herzen, deren Arbeit unter anderem darauf ausgerichtet ist, innovative Versorgungskonzepte für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln und in der Bremer Region zu verankern. Vorsitzender der Stiftung ist der Chefarzt der Kardiologie am LdW, Rainer Hambrecht. Bei dem Spender handelt es sich um einen LdW-Patienten, der anonym bleiben möchte.

Die geplante Forschungseinrichtung würde die wissenschaftliche Reputation des Herzzentrums am Klinikum Links der Weser weiter steigern. Als Standort für kardiologische Spitzenmedizin hat es schon jetzt eine Ausstrahlung, die weit über die Stadtgrenzen hinausreicht. „Wenn jetzt noch das Forschungszentrum hinzukommt, bedeutet das natürlich auch zusätzliche Attraktivität des LdW als Arbeitgeber“, ist Geno-Sprecherin Karen Matiszik überzeugt.

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Der städtische Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) wird für den Bau des Forschungs- und Ausbildungszentrums ein rund 1600 Quadratmeter großes Grundstück zur Verfügung stellen und sich außerdem verpflichten, 30 Jahre lang die Betriebs- und Unterhaltskosten für das Forschungszentrum zu übernehmen. Die Geno rechnet zunächst mit einem Betrag von gut 70.000 Euro jährlich.

Das geplante Gebäude wird auf zwei Geschossen rund 1500 Quadratmeter Nutzfläche für Labore, Konferenzräume, Hörsäle und Büros bieten. Die Einrichtung soll auch der Förderung des medizinischen Nachwuchses dienen, indem dort Möglichkeiten zur Promotion geschaffen werden. „Wir begrüßen das Vorhaben sehr“, sagt Karen Matiszik.

Anlehnung an die Universität Lübeck

In den vergangenen Jahren ist die Kardiologie am Klinikum Links der Weser bereits durch wissenschaftsnahe Elemente ergänzt worden. 2012 wurde dort – als Teil der „Stiftung Bremer Herzen“ – das Bremer Institut für Herz- und Kreislaufforschung (BIHKF) gegründet. Das BIHKF führt das Bremer Herzinfarktregister mit derzeit rund 8000 Patientendaten.

Dort ist auch ein Langzeit-Präventionsprogramm für Herzinfarktpatienten aus der gesamten Nordwest-Region angesiedelt. Zu den weiteren Projekten des Instituts zählt eine Studie zur Erforschung von Risikofaktoren bei jüngeren Menschen. Bei ihren wissenschaftlichen Aktivitäten lehnen sich die LdW-Kardiologen an die Universität Lübeck an.

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Diese Kooperation soll mittelfristig noch vertieft werden, und zwar durch die Gründung eines sogenannten An-Instituts in Bremen. Der Begriff bezeichnet eine rechtlich selbstständige Einrichtung einer Hochschule, die nur noch locker mit ihr verflochten ist und zum Beispiel als eingetragener Verein oder als GmbH organisiert ist. In Kooperation mit der Uni Lübeck hatte die „Stiftung Bremer Herzen“ bereits vor einem Jahr eine Stiftungsprofessor aus der Taufe gehoben.

Sie wurde dem LdW-Kardiologen Harm Wienbergen übertragen. Normalerweise gibt es medizinische Professuren nur in Städten mit Uni-Kliniken. „Die Einrichtung der Stiftungsprofessur ist eine Chance, die kardiologische Forschung in Bremen voranzutreiben, die neuesten Methoden hierher zu holen und den Wissenschaftsstandort Bremen zu stärken“, sagte Wienbergen bei seiner Berufung. Bremen steigere so seine Attraktivität für junge Mediziner, die eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen wollen.

Bericht der Deutschen Herzstiftung

In der Hansestadt erleiden deutlich mehr Menschen einen Herzinfarkt als in anderen Bundesländern, und es sterben in Bremen auch überdurchschnittlich viele Patienten an den Folgen. Das ging im vergangenen Jahr aus einem Bericht der Deutschen Herzstiftung in Frankfurt am Main hervor. Die Zahlen stammten aus den Jahren 2014 und 2015.

Seinerzeit gab es in Deutschland im Schnitt 59 Herzinfarkt-Tote pro 100.000 Einwohner – Bremen lag mit 73 Sterbefällen deutlich darüber und damit an sechster Stelle unter den Bundesländern. Vor allem in sozial benachteiligten Stadtteilen war die Rate besonders hoch.

In Bezug auf die Risikofaktoren wiesen die Patienten in diesen Quartieren einen höheren Raucheranteil auf als in bessergestellten Stadtvierteln, sie waren häufiger übergewichtig und litten an anderen Erkrankungen wie etwa Diabetes oder Bluthochdruck. Am wenigsten Menschen starben 2014/15 an den Folgen eines Herzinfarkts in Schleswig-Holstein, Hamburg und Berlin.

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