Kinderbetreuung Mindestens 1500 Kitaplätze fehlen in Bremen

Um den Mangel an Kitaplätzen zu beheben, will Bildungssenatorin Aulepp mehr Menschen für den Beruf begeistern. Zudem soll der Wechsel aus der Krippe nicht mehr so früh erfolgen. Das sind die Pläne.
06.12.2022, 20:46
Lesedauer: 2 Min
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Mindestens 1500 Kitaplätze fehlen in Bremen
Von Moritz Kalvelage

Mindestens 1500 Kinder warten aktuell auf einen Kitaplatz. Das geht aus der offiziellen Warteliste der Stadt Bremen hervor. Wie Bildungssenatorin Sascha Aulepp (SPD) mitteilte, bestünde sogar ein theoretischer Mangel von 5000 Plätzen, denn in der Stadt Bremen würden circa 22.000 Kinder zwischen drei und sechs Jahren leben, dem stehen etwa 17.000 Kitaplätze gegenüber. Diese Zahl umfasst alle Kinder, die in Bremen leben, also auch geflüchtete.

Um das Problem zu lösen, will die Senatorin einerseits mehr Personal einstellen, andererseits soll neu geregelt werden, welches Kind wann in die Kita aufgenommen wird. Die entsprechende Änderung des Ortsgesetzes hat der Senat der Bürgerschaft zum Beschluss vorgelegt. Mit dem neuen Gesetz soll die Aufnahme in die Kindertagesstätte neu geregelt werden.

Bisher sollten Kinder zum neuen Kindergartenjahr aufgenommen werden, wenn sie bis am 31. Dezember drei Jahre alt sind – das soll sich nun ändern: Der Sprung von der Krippe in den Kindergarten soll nicht mehr so schnell erfolgen. Kinder mit einem erhöhten Sprachförderbedarf sollen priorisiert werden, ebenso wie Vorschulkinder, die ebenfalls bevorzugt einen Platz bekommen sollen, damit sie besser auf den Schuleintritt vorbereitet sind.

Um dem anhaltenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken, ist es Kitas nun auch möglich, Kitapflegepersonal einzustellen. "Ziel ist es, mehr Menschen für diese Arbeit zu begeistern", sagt Senatorin Aulepp. Dabei soll die Mindestqualifikation gesenkt werden, um Menschen den Einstieg in das Berufsfeld zu erleichtern. Die Ausbildung zum sogenannten Kitapflegepersonal, also Tageseltern, dauert in Bremen meist anderthalb Jahre mit mehr als 380 Stunden. Die Ausbildung zum Erzieher oder zur Erzieherin umfasst einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren mit mehr als 5000 Stunden. Für manche Tageseltern könne die Festanstellung ein Anreiz sein, da nicht jeder selbstständig arbeiten wolle oder zu Hause die notwendigen Kapazitäten für die Betreuung habe. Das Jobcenter ist angehalten, bei nicht-vermittelten Personen zu prüfen, ob jemand für die Kindertagespflege geeignet ist.

Von den Christdemokraten gibt es Kritik: "Wir haben in den letzten Jahren viel zu häufig gesehen, dass die SPD-geführten Regierungen sich die Statistik durch solche Eingriffe schönrechnen", sagt Sandra Ahrens, kinder- und jugendpolitische Sprecherin der CDU. Die tatsächlichen nötigen politischen Schritte für mehr Erzieherinnen, Kita- und Krippenplätze und ausreichende Investitionen seien sie aber immer wieder schuldig geblieben. Weiter bezeichnet Ahrens das Vorhaben als einen "statistischen Verschiebetrick, um vor der Wahl gute Nachrichten zu verkünden, ohne dass wirklich mehr Kinder frühkindliche Bildung erhalten."

Die Regierungsparteien von SPD, Grünen und Linken begrüßen das Vorhaben dagegen. „Oberste Priorität für Sprachförderung im letzten Kita-Jahr – nur so kann es gehen, wenn Kinder mit Sprachförderbedarf bessere Chancen in der Schule haben sollen. Diese Gesetzesänderung ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Chancengerechtigkeit in der frühkindlichen Bildung und eine notwendige Konsequenz aus der Einführung des Kita-Brückenjahres“, sagt etwa Solveig Eschen, kinderpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion.

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