Festival des Theaterkontors gibt häppchenweise Einblick in die Kreativszene

Miniaturen schärfen den Blick

Ostertor. Kunst im Kleinen entdecken lässt sich an diesem Freitag und Sonnabend im Theaterkontor im Ostertor. Die sechste Ausgabe des Festivals „Miniaturen“ versammelt mehr als 30 Künstlerinnen und Künstler, die in wenigen Worten große Geschichten erzählen, eine Kunstausstellung auf einem Quadratmeter präsentieren oder eine Box zu einer Theaterbühne machen.
08.01.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Miniaturen schärfen den Blick
Von Jörn Seidel

Kunst im Kleinen entdecken lässt sich an diesem Freitag und Sonnabend im Theaterkontor im Ostertor. Die sechste Ausgabe des Festivals „Miniaturen“ versammelt mehr als 30 Künstlerinnen und Künstler, die in wenigen Worten große Geschichten erzählen, eine Kunstausstellung auf einem Quadratmeter präsentieren oder eine Box zu einer Theaterbühne machen.

„In einer Welt, die so komplex geworden ist, dass sie in ihrer Gesamtheit nicht mehr wahrgenommen werden kann, will ,Miniaturen‘ den Blick schärfen, um die Kunst im Einzelteil, die Vollkommenheit des Fragments, das große Ganze im Teilstück zu entdecken“, versprechen die Veranstalter. Federführend ist dabei Stefan Berthold aus dem Buntentor, der auch das Festival „La Strada“ mit verantwortet. Geboren wurden die „Miniaturen“ 2008 zum 30-jährigen Bestehen des Theaterkontors als einmalige Veranstaltung. „Gerade auch bei den Künstlern kam das so gut an, dass wir beschlossen, ein Festival daraus zu machen“, erinnert sich Berthold.

So erlauben die vielen Räume des Theaterkontors an beiden Tagen jeweils ab 18 Uhr im Lichte von Petroleumlampen Entdeckungsreisen durch Bremens freie Kreativszene. Ein Programmzettel mit Uhrzeiten und Orten gibt Besuchern Orientierung. Entscheiden kann aber jeder selbst, was und wie viel er sehen möchte.

Im früheren Weinkeller des Gebäudes, das im 19. Jahrhundert einen Großhandel beherbergte, wird etwa Benedikt Vermeer Literatur vortragen. Das tat er auch schon bei der ersten Ausgabe von „Miniaturen“, woraus der Literaturkeller als feste Kulturinstitution entstanden sei, erzählt Berthold.

Auf den Treppen und in den Fluren werden Melissa Chelmis aus dem Steintor und Nada Harvey aus der Gete wandeln. Als maskiertes Duo Elfi & Yvette wollen sie mit Stoffhund Flecki die Besucher in theatrale Interaktionen verwickeln. „Das ist total irre, wie die Leute auf das Spiel einsteigen“, erzählt Chelmis aus ihrer jahrelangen Erfahrung mit dem Maskentheater.

Entdecken lassen sich auch fotografierte Strichcodes auf Postkartengröße – eine Miniausstellung von Harald Schwörer aus Hastedt. Der Fotograf präsentiert 15 Gegenstände, reduziert auf schwarze Striche: vom Hybridfahrzeug bis zur künstlichen Tanne. „Es geht um Normierung, Digitalisierung und das Passendmachen für die Wirtschaftswelt“, sagt Schwörer über seine Idee.

Der Schauspieler und Musiker Franz Fendt aus dem Westend will in seine Rolle des Schweizer Kulturforschers Dr. Adrian Fritz schlüpfen und in die Welt des japanischen Haiku eintauchen, das als die kürzeste Gedichtform der Welt gilt. Zurück in seine Jugend wird sich Schauspieler Martin Leßmann aus dem Steintor begeben. Damals bastelte er aus Modellbau-Bögen ferne Welten längst vergangener Zeiten. Mit Gummitieren will er die Originale nun mit Leben erfüllen. „Das gibt mir Gelegenheit, herauszufinden, auf wie kleinem Raum man Geschichten theatral erzählen kann“, sagt Leßmann. Darüber hinaus gibt es bei den „Miniaturen“ Tanz, Musik und eine philosophische Bier-Verkostung.

Eine der Besonderheiten besteht laut Organisator Stefan Berthold darin, dass viele Künstlerinnen und Künstler aufeinandertreffen und sich austauschen können. Die kommen übrigens aus purer Freude an der Kunst: Weil es ein No-Budget-Festival ist, gibt es für niemanden Gage.

Festival „Miniaturen“: Freitag und Sonnabend, 9. und 10. Januar, im Theaterkontor in der Schildstraße 21. Beginn ist um 18 Uhr. Karten für zwölf Euro, ermäßigt acht, gibt es ab 17.30 Uhr an der Abendkasse.

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