Stollenanlage soll jetzt schnellstmöglich verfüllt werden / Blumenthaler Beirat verlangt Aufklärung Ministerium spricht von akuter Gefahr

Bremen-Nord. Wegen "akuter Gefahren für Leben oder Gesundheit von Menschen" will das Bundesfinanzministerium jetzt die gesamte Nordbremer Stollenanlage so schnell wie möglich verfüllen.
16.02.2011, 05:00
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Von Robert Goldberg und Patricia Brandt

Bremen-Nord. Wegen "akuter Gefahren für Leben oder Gesundheit von Menschen" will das Bundesfinanzministerium jetzt die gesamte Nordbremer Stollenanlage so schnell wie möglich verfüllen.

Mit deutlichen Worten reagierte das Ministerium gestern auf eine Anfrage der NORDDEUTSCHEN, wie sicher die unterirdischen Gänge aus dem Zweiten Weltkrieg sind (wir berichteten). Offenbar sind sie überhaupt nicht mehr sicher: Die Nordbremer Anlage sei seit den 1960er-Jahren durch die bergtechnischen Sachverständigen des Bundes regelmäßig begangen worden. "Zuletzt - wegen der hohen Gefahrenlage - in halbjährlichen Abständen", berichtete Ingeburg Grüning, beim Bundesfinanzministerium in Berlin zuständig für Pressearbeit. Führungen könnten wegen der akuten Gefahrenlage nicht mehr stattfinden, auch nicht durch die Bauverwaltung.

Die Gänge sollten schnellstmöglich verfüllt werden, so Ingeburg Grüning. "Die Stollen werden mit einem gut fließfähigen, hydraulisch abbindenen Baustoff verfüllt." Fachleuten zufolge ist es üblich, unterirdische Tunnel mit Beton zu verfüllen. Die Maßnahme, so Grüning, erfordere allerdings umfangreiche Vorarbeiten: "Es kann daher noch kein genauer Zeitpunkt für den Beginn der Arbeiten genannt werden." Wo genau die Stollen in Bremen-Nord verlaufen, sei dem Ministerium zwar bekannt. "Pläne werden jedoch aus Gründen der öffentlichen Sicherheit nicht zur Verfügung gestellt", meinte die Sprecherin. Sollten Häuser Risse bekommen, heißt es weiter in der Mitteilung, sind Haus- und Grundstückseigentümer zuständig.

Der Blumenthaler Ortsamtsleiter Peter Nowack reagierte gestern Abend verärgert auf diese Aussagen des Ministeriums. "Es ist ärgerlich, dass wir bisher nichts zu hören bekommen haben, wenn akute Gefahr besteht", sagte er. "Wir rennen dem Thema seit Monaten hinterher." Überrascht zeigte sich Nowack auch, dass die Nordbremer Hauseigentümer für etwaige Haftungsfragen verantwortlich gemacht werden sollen. Der Ortsamtschef hofft jetzt, dass der jüngste Beschluss des Beirates von Montagabend mehr Licht ins Dunkel der unterirdischen Gänge bringt.

Der Blumenthaler Beirat hat den Bausenator gebeten, bei der für die Verwaltung zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) nachzufragen, wie sicher die Bunkersysteme in Bremen-Nord sind, ob von ihnen Gefahr ausgeht und wann, wie und womit die Stollen verfüllt werden. Einstimmig änderte der Beirat in diesem Zusammenhang einen Antrag der Linken-Beiratsabgeordneten Anke Krohne zu einer Anfrage an den Senat ab.

Aufhorchen ließ den Beirat an diesem Abend eine Schilderung Krohnes, die bereits telefonischen Kontakt mit der BImA hatte: "Mir wurde gesagt, dass die Stollen verfüllt werden sollen, möglicherweise mit Beton. Man weiß aber bislang nicht, was passiert, wenn Beton unter Druck in die Gänge gepresst wird. Schließlich besteht der Geestrücken, auf dem Blumenthal liegt, aus Fließsand. Was passiert, wenn dieser ins Rutschen gerät?"

Diese Schilderung ließ auch Beiratsmitglied Ralf Schwarz (CDU) einlenken. "Es wird doch wohl von der BImA Begehungsprotokolle geben. Wir wollen einfach wissen: Sind die Stollen sicher?" Am Ende schlossen sich auch die Sozialdemokraten dieser Meinung an.

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