Serie „Die Brinkmänner“

Mission: Eine Zigarettenfabrik auf Teneriffa aufbauen

Dieter Segelken war als Betriebsingenieur der Bremer Zigarettenfabrik Brinkmann viele Jahre ein wichtiger Mann, der technische Probleme routiniert lösen konnte. Aber Segelken hatte auch Auslandsmissionen.
04.08.2019, 19:33
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Mission: Eine Zigarettenfabrik auf Teneriffa aufbauen
Von Detlev Scheil
Mission: Eine Zigarettenfabrik auf Teneriffa aufbauen

Dieter Segelken war Betriebsingenieur bei Brinkmann.

Fotos: Detlev Scheil

Als Betriebsingenieur in der Zigarettenfabrik der Martin Brinkmann AG war Dieter Segelken viele Jahre ein wichtiger Mann, der technische Probleme im Produktionsablauf routiniert lösen konnte. Aber Segelken hatte eine Mission nicht nur in Woltmershausen, sondern auch auf den Kanarischen Inseln: Auf Teneriffa und La Palma half er beim Aufbau neuer Zigarettenwerke.

Gut 22 Jahre war der gebürtige Hamburger Dieter Segelken, der heute in Stuhr-Moordeich wohnt, bei Brinkmann beschäftigt. Insgesamt 15 Jahre wirkte der studierte Maschinenbauer als Betriebsingenieur. Zuvor hatte er als junger Mann drei Jahre in Mexiko gearbeitet – unter anderem dort auch bei einer Niederlassung von Brinkmann. Im Mai 1969 erhielt er dort ein Telegramm. Die Nachricht: „Wir brauchen Sie für einen neuen Auslandsauftrag.“ So wechselte er als 26 Jahre alte Projektentwickler und Konstrukteur zusammen mit Ehefrau und zwei Kindern zur sonnigen Insel Teneriffa.

In Santa Cruz sollte zu Beginn der 70er-Jahre als deutsch-spanisches Joint-Venture-Projekt eine Zigarettenfabrik entstehen. Dieses Werk gibt es heute längst nicht mehr. „2007 war ich noch einmal dort. Wo einst die Fabrik stand, ist jetzt ein Autobahnkreuz“, erzählt Segelken.

Es sei herausfordernd, aber auch interessant gewesen, für den Aufbau der technischen Anlagen in der Fabrik zuständig zu sein. „Allein an den Elektroinstallationen habe ich drei Monate getüftelt“, berichtet der heutige Rentner. Auch den Anlagenbau dirigierte er. „Das Werk produzierte damals 3000 Zigaretten pro Minute, nach heutigem Standard sind es mindestens 20 000 pro Minute.“ Auch die Zigarettenfilter wurden in dem Werk selbst hergestellt. Als nach zwei Jahren alles gut lief, wurde Segelken angeboten, die Werksleitung zu übernehmen. Doch die Familie entschied sich zur Rückkehr nach Deutschland. Allerdings musste er häufig nach Teneriffa fliegen, um dort die Abläufe zu überprüfen. In Woltmershausen wurde er für die Technik in der Zigarettenfabrik zuständig. „Die 70er-Jahre waren die goldenen Jahre für Brinkmann, es wurde sehr viel Geld verdient“, sagt Segelken. In der Zigarettenfabrik hätten 850 bis 1000 Frauen und Männer gearbeitet, das Gesamtunternehmen habe fast 6000 Mitarbeiter gehabt.

Doch zu Beginn der 80er-Jahre zeichnete sich eine wirtschaftliche Trendwende ab. „Der Umsatz ging zurück, das war für Brinkmann ungewohnt“, so Segelken. Andere Tabakkonzerne jagten der Bremer Firma Marktanteile ab. Plötzlich habe es Kurzarbeit im Woltmershauser Werk gegeben: „Freitags wurde nicht gearbeitet.“ Die Steuervorteile in Berlin hätten dann den Abzug von großen Teilen der Produktion aus der Hansestadt bewirkt. Segelken: „Ich hatte den Auftrag, durchzurechnen, ob wir die Millionenbeträge der Berlin-Subvention durch Einsparungen im Bremer Betrieb aufbringen könnten. Das war aber unmöglich. So viel Produktionskosten konnten gar nicht eingespart werden.“ Das Ende vom Lied: „Mitte 1984 wurde die Produktion in Bremen weitestgehend dicht gemacht. Ic h habe dedacht, die Welt geht unter . . .“

Dieter Segelken erhielt das Angebot, mit nach Berlin zu gegen. Er lehnte das ab – prompt wurde ihm gekündigt. Noch während die Kündigungsfrist lief, bekam er jedoch nach drei Monaten das Angebot, technische Hilfestellungen bei Zigarettenwerken im damaligen Jugoslawien und in der DDR zu leisten. In Jugoslawien wurde die Lord Extra in Lizenz produziert, deshalb hatte Brinkmann Verbindungen dorthin. Drei Jahre machte Segelken zusammen mit einigen weiteren deutschen Technikern den Auslandsjob, unter anderem in drei Städten im heutigen Mazedonien. Ende 1987 kündigte er und wechselte zu einer Maschinenfabrik in Varel. Seine letzte Station vor dem Rentenbeginn 2008 war ein Bremer Maschinenbauunternehmen.

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Die Artikelreihe

In der ehemaligen Zigaretten- und Tabakfabrik Martin Brinkmann AG in Woltmershausen waren früher einige Tausend Mitarbeiter beschäftigt. Das große Firmengelände ist jetzt im Umbruch: Rund 1200 Wohnungen sollen dort entstehen und die alten Gebäude für moderne Bürolofts genutzt werden. In dieser Artikelreihe, deren Beiträge unregelmäßig erscheinen, wird an die Arbeit in den verschiedenen Brinkmann-Abteilungen erinnert. Im nächsten und letzten Teil geht es um mehrere Handwerker der Fabrik und den Cumarin-Skandal.

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